Klötze l Gemäß Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union sollen sich spätestens bis zum Jahr 2027 alle europäischen Gewässer in einem guten Zustand befinden. Im Falle von Ohre, Jeetze und Purnitz, den wohl bekanntesten Flüssen im Bereich der Stadt Klötze, kann davon derzeit keine Rede sein.

Wie Dr. Ralph Metzger vom sachsen-anhaltinischen Landesamt für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft auf Anfrage mitteilt, werden Ohre, Jeetze und Purnitz seit 2005 regelmäßig auf ihren ökologischen und chemischen Zustand hin untersucht, und zwar an "repräsentativen" Standorten, wie es heißt.

Um den ökologischen Zustand festzustellen, wird der Blick insbesondere auf Kleintiere, Fische, krautige Wasserpflanzen und Algen gerichtet. Kleintiere werden zwischen Mai und August auf einer Länge von 100 Metern mit dem Kescher eingefangen und im Labor bewertet. Bei Fischen, die zwischen August und Oktober watend oder vom Boot aus elektronisch gefangen und nach Art und Anzahl erfasst werden, ist die Untersuchungsstrecke je nach Fließgeschwindigkeit und Gewässerbreite zwischen 400 und 2300 Meter lang. Krautige Wasserpflanzen werden zwischen Juni und September auf einer Länge von 100 Metern ebenfalls nach Art und Anzahl überprüft. Bei Algen wird das auf einer Länge von 50 Metern getan, gleichsam zwischen Juni und September. Im Ergebnis all dessen reicht der ökologische Zustand von Ohre, Jeetze und Purnitz für den Zeitraum von 2009 bis 2013 von mäßig über unbefriedigend bis schlecht (siehe Grafik oben).

Um den chemischen Zustand der Flüsse zu ermitteln, wird das Augenmerk vor allem auf den Anteil von Schadstoffen gelenkt. Hierzu werden mindestens sechs Mal pro Jahr Wasserproben geschöpft und analysiert. Metzger hält fest, dass Ohre, Jeetze und Purnitz die Normen aktuell einhalten.

Schlechter Zustand hat mehrere Gründe

Als Gründe für den dennoch ungenügenden Zustand von Ohre, Jeetze und Purnitz gibt der Experte an, dass die Flüsse durch "naturfernen Ausbau" (Begradigung, Beseitigung von Ufergehölzen, ...) im 18. und 19. Jahrhundert deutlich verändert wurden. Dadurch sind auch die Wassertemperatur sowie die Fließ- und Sauerstoffverhältnisse beeinträchtigt worden. Hinzu kam oder kommt der Eintrag von schädlichen Stoffen im Zuge der Landwirtschaft sowie die Einleitung von Abwassern. "Diese Belastungen", so erklärt der Mitarbeiter des Landesamtes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft, "haben die Lebensqualität für Gewässer-Lebewesen erheblich verschlechtert."

Um den ökologischen Zustand beziehungsweise das ökologische Potential von Jeetze und Purnitz zu verbessern, hat das Landesamt 2012 ein Gewässerentwicklungskonzept erarbeiten lassen. Dieses sah und sieht eine Reihe von Maßnahmen vor (siehe Infokasten).

Noch kein Konzept gibt es für die Ohre. Doch auch hier ist man nicht untätig. So hat der Zweckverband Drömling bereits mehrere Fischtreppen errichten lassen, um die ökologische Durchgängigkeit zu verbessern, wie Metzger weiß.

Dass Ohre, Jeetze und Purnitz zum Teil stark verkrautet sind, liegt laut Metzger unter anderem an der mangelnden Schattenbildung durch Ufergehölze. Jedoch muss die Verkrautung - sofern auf kurze Abschnitte beschränkt - nicht unbedingt ein Anzeichen für einen schlechten Zustand sein, meint der Fachmann. Vielmehr kommt es auf die vorhandenen Wasserpflanzen an. Überhaupt ist bei der Bewertung nicht die Vielfalt von Tieren und Pflanzen entscheidend, sondern eher, um welche Fauna und Flora es sich handelt und in welcher Symbiose sie miteinander verbunden sind.

Maßnahmen müssen erst wirksam werden

Generell stellt Metzger fest, dass sich momentan nur zwei Prozent der Fließgewässer in Sachsen-Anhalt in einem "guten" ökologischen Zustand befinden. 23 Prozent sind in einem "mäßigen", 47 Prozent in einem "unbefriedigenden" und 27 Prozent in einem "schlechten" Zustand.

Bei Ohre, Jeetze und Purnitz hat sich im Bezug auf den ökologischen Zustand beziehungsweise das ökologische Potential im Vergleich der Bewertungszeiträume 2005 bis 2008 sowie 2009 bis 2013 "keine Verbesserung" ergeben. Für Metzger ist das keine große Überraschung, da viele Maßnahmen erst noch umgesetzt und dann auch greifen müssen. "Je nach den Gegebenheiten kann das mehrere Jahre in Anspruch nehmen", prognostiziert Dr. Ralph Metzger.

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