Boock (ama) l In der Gaststätte "Dorfkrug" bei Müllers in Boock war am Sonnabend ordentlich was los. Ingrid Zerau und ihr Bruder Reinhard Müller hatten für das 5. Boocker Treffen die Fäden gezogen.

Zu den Mitorganisatoren gehörten aber auch Petra Krüger aus Estedt und Horst Kramer aus Eisenhüttenstadt. Kramer, der gegenüber der Gaststätte wohnte, war auch bei den Treffen in den Jahren 2004, 2005, 2007 und 2009 dabei. Natürlich hat nicht nur er die früheren Begegnungen dokumentiert, um für neuen Gesprächsstoff zu sorgen.

Aber von vorn: Ingrid Zerau fiel ein Foto aus der Kindergartenzeit in die Hände und fragte sich, was wohl die anderen aus ihrer Gruppe machen. Sie fragte Familie und Bekannte nach den Anschriften aus und bekam eine kleine Runde zusammen. Inzwischen nehmen an dem Treffen frühere Boocker, jetzige Boocker und Neu-Boocker teil, das heißt Zugezogene aus den alten Bundesländern. 65 Männer und Frauen aus Berlin, Schwedt, Magdeburg, Dessau und Bad Segeberg fanden sich zum Schwatz im Saale Müllers ein. "Es geht ja ums Austauschen von Erinnerungen, wo man geschmökt und wo man sich geküsst hat", erklärt Horst Kramer augenzwinkernd. Und wo hat man sich geküsst? In den Hausecken! Vor den Häusern hing man rum, auf dem Sportplatz, auf dem alten Schulhof.

Elisabeth Schulz: "Früher war hier viel mehr los"

"Früher war hier viel mehr los", sagt Elisabeth Schulz, und sie muss es wissen, denn sie ist mit ihren 86 Lenzen die Älteste in der Runde. In der Skatstadt Altenburg geboren, verschlug es sie 1952 durch Heirat in die Altmark. Mit zwei Söhnen, vier Enkeln und Urenkeln ist die nächste Generation Boocker gesichert. "Früher war viel mehr Freundlichkeit. Man hat sich auf der Bank vorm Haus unterhalten. Heute sieht man nur noch Autos", bemerkt die Seniorin. Das empfindet auch ihr früherer Nachbar Horst Ruhbaum so, der 1955 nach Bretsch zog und 1964 nach Altenzaun heiratete. "In meiner Kindheit", plauderte er aus dem Nähkästchen, "sind wir im Winter mit Holzschuhen von Boock nach Gladigau zur Schule. Der Schnee klebte an unseren Schuhen, das war Wahnsinn."

Auch der Wirt Reinhard Müller hat einiges zu berichten. Schließlich ist die Gaststätte seit 1900 in Familienbesitz und er betreibt sie in der vierten Generation. "Ich kenne hier jeden", stellt er klar, während Astrid Täger und Ilse Fiedler auf dem Grundschulfoto von 1951/52 vergleichen und nach bekannten Gesichtern suchen. Damals waren ja vier Klassen in einem Raum.

Zitronencremespeise nach altem Hausrezept

Da konnte man leicht den Überblick verlieren. Im Hause Müller verlor keiner den Überblick. Es gab altmärkische Hochzeitssuppe, Spargel und Schnitzel, Rouladen und Rotkohl und danach Zitronencremespeise nach altem Hausrezept. "Nur dafür halten wir noch unsere Hühner", verriet Tochter Caren, die den Schaumgenuss zubereitet hatte. Bei einem Rundgang durch den Ort konnten die Boocker dann ihrem Gedächtnis auf die Sprünge helfen.

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