Eickendorf l "Schon im Studium lernt man den Namen Haberhauffe kennen - egal an welcher Uni in Deutschland", erklärte Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsminister Hermann Onko Aeikens am heutigen Mittwoch in Eickendorf. Dass der landwirtschaftliche Betrieb der Witwe Haberhauffe, der heutige Jäger-Hof, in Eickendorf der Vergleichsmaßstab für die Bewertung von Böden in der Bundesrepublik ist, präge sich jeder Student während der landwirtschaftlichen Ausbildung ein.

Zwar ist der Betrieb heute nicht mehr aktiv. Umso aktiver engagiert sich jedoch Willy Jäger, der Enkel der Witwe Else Haberhauffe, im Museum der Bodenschätzung. Dort informiert der 84-Jährige, der selbst jahrelang als Bodenschätzer gearbeitet hat, über die Geschichte der Bodenbewertung und auch über den Eickendorfer Hof, der deutsche Landwirtschaftsgeschichte geschrieben hat. Denn er galt im vergangenen Jahrhundert als Musterbetrieb, als "Spitzenbetrieb" der Bodenschätzung.

2014 ist die Bodenschätzung 80 Jahre alt geworden, wie auch Landwirtschaftsminister Aeikens informierte. Sie wurde eingeführt, um eine gerechte Besteuerung für Ackerflächen-Grundstücke zu ermöglichen, was Acker- und Grünflächen gleichermaßen betraf. "Und noch heute ist das erste, nach dem ein Landwirt vor dem Kauf von Flächen fragt, die Bodenwertzahl", erläuterte Hermann Onko Aeikens. Anlässlich des Jubiläums der Bodenprüfung hatte er das Eickendorfer Museum besucht und erfuhr dort, gemeinsam mit Mitarbeitern des Salzlandkreises und des Landwirtschaftsministeriums Sachsen-Anhalt, wichtige Fakten zur Bodenprüfung.

Für die Durchführung der Bodenschätzungsarbeiten war in den 1920er-Jahren die Bildung eines Referenzobjektes, ein Musterbetrieb erforderlich. Da in räumlicher Nähe zur Reichshauptstadt Berlin gelegen und für ihre sehr guten Böden bekannt, fiel die Wahl auf die Magdeburger Börde. "Befestigte Straßen und eine gute Bahnanbindung waren die Kriterien", erläuterte Willy Jäger. Förderstedt sei damals wegen des Kalkwerkes aus dem Raster gefallen - im dortigen Boden seien die Geräte zur Bodenprüfung wegen einer dicken Kalkschicht steckengeblieben. Eggersdorf war ein "Ausbeutegebiet für Braunkohle", wie es Willy Jäger nannte, und fiel deshalb auch heraus. "Übrig blieb Eickendorf", so erzählte der Rentner, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, auf dem geschichtsträchtigen Hof seiner Familie an die Anfänge der Berechnungsgrundlagen für die Grundsteuer zu erinnern. Der 1931 geborene Eickendorfer bekam von Kindesbeinen an die Sonderstellung des heimischen Hofes mit. In Eickendorf hatte der Boden von jeher die Bodenwertzahl 100 - also die Bestmarke.

Bodenreform setzt Bewertung ein Ende

Oft seien Landwirte zu Besuch gewesen, die sich über den Betrieb informierten. Ein Ende hatte das jedoch mit der Bodenreform zu DDR-Zeiten, als die Ackerflächen aus dem Familienbesitz in die LPG überführt wurden. Erst nach der Wende wuchs das Interesse an der Historie der Bodenschätzung wieder. Studenten aus aller Welt besuchten das Gehöft in Eickendorf, das inzwischen zu einem Wohnhaus umgebaut war, um sich über die Bodenprüfung zu informieren. So entstand 1993 schließlich das Museum.

Gemeinsam mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft wurde es eingerichtet. Das geballte Wissen zu allen Fakten rund um die Bodenprüfung hat allerdings Willy Jäger in seinem Kopf. Als ausgebildeter Diplomlandwirt - er lernte an den Fachschulen für Landwirtschaft in Haldensleben und Neugattersleben und studierte von 1957 bis 1962 - landete Willy Jäger wegen der DDR-Bodenreform zwar nicht in der Landwirtschaft. Von 1969 bis 1990 war er jedoch im Volkseigenen Betrieb Mellorationsbau in Magdeburg tätig und dort Planungsleiter und stellvertretender Direktor für Ökonomie. Nach der Wende wurden auch auf ostdeutschen Äckern wieder Bodenschätzungen vorgenommen - für diese Aufgabe konnte das Bundesfinanzministerium den damaligen Ruheständler Willy Jäger gewinnen. Gemeinsam mit einem Hauptschätzer und einem weiteren Kollegen war er in dieser Zeit auf den Feldern des Altkreises Schönebeck unterwegs.

Interessenten kann er alles zu Bodenprüfungskriterien und zur Entstehungsgeschichte des fruchtbaren Börde-Bodens erläutern. Auch Hermann Onko Aeikens zeigte sich überzeugt von den Bodenschätzungsmethoden, die vor 80 Jahren eingeführt wurden. "Wie man sieht, hat sich daran bis heute nichts geändert", sagte er. Heute seien die Schätzungsdaten allerdings digitalisiert - der einzige Unterschied zu damals.

   

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