Bernburg l Ihre letzte verbliebene Hoffnung setzt Sibylle Barby in zwei auf ihrem Schreibtisch liegende Briefe. Seit Montagabend weiß die Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Kreisverband Salzlandkreis, dass das von ihnen betriebene Jugendzentrum "Rainbow" in Schönebeck praktisch nicht mehr zu retten ist.

Nichtsdestotrotz hat sie Schreiben unter anderem an Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch und an Helmut Huppertz, den Vorsitzenden des städtischen Sozialausschusses, aufgesetzt. "Auch wenn es fast keinen Ausweg mehr gibt, ich möchte nicht, dass wir ungehört untergehen", sagt Barby mit energischer Stimme.

Wie die Awo-Kreisverbands-Geschäftsführerin haben seit Montagabend auch andere Träger von Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit im Salzlandkreis die Befürchtung, dass Jugendzentren oder -clubs kurz vor dem Ende stehen könnten. Denn im dritten Anlauf hat der Jugendhilfeausschuss die Vergabe der finanziellen Mittel für die Jugend(sozial)arbeit, den erzieherischen Kinder- und Jugendschutz und für das "Fachkräfteprogramm" beschlossen. Rund 960 000 Euro, Fördermittel eingerechnet, werden im Kreis ausgeschüttet, das ist nur rund die Hälfte des Vorjahresbetrages.

Ein Beschluss, der einem Erdrutsch gleichkommt und überhaupt erst durch einen Kompromiss zwischen Landrat und Landesverwaltungsamt möglich wurde. Denn durch den nicht beschlossenen Haushalt darf der Landkreis keine Mittel für freiwillige Aufgaben ausschütten. Man einigte sich auf ein Provisorium - eben jener Betrag, über den nun beschlossen wurde.

Kreisübergreifend beginnen nun mit der Vergabeentscheidung vom Montag bei den Maßnahmeträgern wie etwa beim Verein Rückenwind, beim SOS Kinderdorf, bei der Verbandsgemeinde Saale-Wipper oder bei der Stadt Staßfurt die Rechenspiele. Wo kann man sparen, wo ist die Schließung unabwendbar, lautet die Frage, die zumindest bei der Awo bereits beantwortet wurde.

Keine Zukunft für "Rainbow"

Für Sibylle Barby und das Jugenzentrum "Rainbow" sieht es sehr schlecht aus: Der Förderbetrag für das "Rainbow" sinkt mit dem Beschluss im Jugendhilfeausschuss von vormals 5000 Euro auf 416,67 Euro. "Das Geld reicht bis zum 31. Juli", bekennt Barby und schluckt: "An mir ist es jetzt, einen voraussichtlichen Schließungstermin zu benennen." Wie es unter diesen Voraussetzungen auf lange Sicht mit der zweiten von der Awo betriebenen Einrichtung, dem "Teen Club" in Barby, weitergeht, steht ebenfalls in den Sternen.

Um die bestehenden Probleme mit dem fehlenden Kreis-Haushalt weiß auch Sibylle Barby. "Dass vorher nichts passiert ist, dafür habe ich kein Verständnis", sagt sie. So ist beispielsweise die Vergabe von rund 356 000 Euro an drei Träger durch länger bestehende Festverträge gebunden. Ein vermeintliches Ungleichgewicht, das in Reihen vieler anderer Träger auf Kritik stößt.

Diese und viele andere Fragen beschäftigten auch den Ausschuss in der den Beschluss vorangehenden Diskussion. Anzumerken war den Mitgliedern eine gewisse Ratlosigkeit in Bezug auf Abläufe und die Angst um die Zukunft der diversen Einrichtungen.

Ralf-Peter Schmidt von der Fraktion Die Linke kritisierte, dass "im Augenblick doch nicht klar ist, welche genauen Konsequenzen dieser Beschluss haben wird". Ziemlich einig war man sich, dass nach zwei vergeblichen Anläufen, bei denen keine Beschlussfähigkeit hergestellt werden konnte, hier und heute eine Entscheidung fallen musste, um überhaupt die dringend benötigten Mittel verteilen zu können.

Und so votierten bei zwei Enthaltungen acht Mitglieder für "Ja", ein Mitglied für "Nein". Welche weiteren Konsequenzen der Beschluss haben wird, bleibt, neben den zu befüchtenden Schließungen, noch abzuwarten. Die Geschäftsführerin des Awo-Kreisverbandes im Salzland Sibylle Barby betont abschließend, dass es nun vor allem gelte, an den gesellschaftlichen Auftrag vor allem gegenüber sozial Benachteiligten zu erinnern: "Wir tragen doch eine Verantwortung für die Kinder- und Jugendarbeit."