Vom aktuellen Sanierungsstand des Tonnengewölbes in der Eickendorfer Kirche wollten sich die Fünftklässler der Christlichen Sekundarschule Gnadau in Großmühlingen persönlich ein Bild machen. Die Gruppe traf direkt unter der Kirchendecke auf gleich zwei Restauratoren und besichtigte die drei Kirchenglocken von St. Johannis in luftiger Höhe.

Eickendorf. Ein mehr als zwei Kilometer langer Fußmarsch nach Eickendorf, der von Regenschauern begleitet wurde, hatte sich für die Großmühlinger Sekundarschüler am Dienstagvormittag dennoch gelohnt. Ziel war der wuchtige Sachsenturm mit der nachträglich versehenen barocken Turmhaube mitten im Ort, an den 1750 das Kirchenschiff von St. Johannis errichtet wurde. Erika Fläschendräger begrüßte mit weiteren Mitgliedern des Gemeindekirchenrates die Wandergruppe mit interessanten Informationen. So wurden beispielsweise die Bleiglasfenster und das Taufbecken von St. Johannis einst von Eickendorfer Bauern gespendet, informierte die Eickendorferin.

Über ein großes Baugerüst im Inneren ging es schließlich viele Leitersprossen steil nach oben bis unter das Tonnengewölbe von St. Johannis, wo sich seit Kurzem die zwei Restauratoren Dietmar Fröhlich und Eckhard Lemke die Arbeit teilen.

Die oftmals kleinteilige Restaurierung, an der Lemke schon seit April arbeitet, ist aufwändig. Hohlräume hinter losen Deckenteilen wurden mit Hilfe von Leimspritzen verfüllt. Starker Ruß durch die Heizung hat dem Gewölbe über Jahrzehnte stark zugesetzt (Volksstimme berichtete). Aufgrund der zur Verfügung stehenden Finanzmittel sei eine Art Tapetenleim in der früheren blauen Originalfarbe gewählt worden. "Somit haben spätere Generationen die Möglichkeit, diese wieder einfach zu entfernen und mit deutlich mehr Zeit und Aufwand zu rekonstruieren", erklärte Lemke, während sein Kollege einige Fragmente mit einem kleinen Pinsel retuschierte. Im Anschluss führte Fritz Lüttge die Gruppe hinauf zum Glockenturm mit den drei Bronzeglocken verschiedener Größen. Landwirt Heinrich Engel hatte sich 1940 gegen die Ablieferung der Glocken in einem Brief an den Landeskonservator für die Provinz Sachsen gewendet, damit sie für die Kriegsproduktion nicht eingeschmolzen werden konnten. Mit Erfolg. Schon 1917 wurden sie von der Ablieferung für die Kriegsproduktion freigestellt.

 

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