Da machen Edith und Harald Dobrauer keine halben Sachen: Ihr Heim in Groß Rosenburgs Siedlung I ist ein Weihnachtshaus. Es wird von tausenden Lämpchen erhellt.

GroßRosenburg l "Schon als 16-Jähriger hatte ich einen Weihnachtsbaum. Damals noch mit richtigen Wachskerzen", gesteht Harald Dobrauer. Der 67-Jährige ist selbst ein Kerl wie ein Baum, dem man zutraut, die 32er Passschrauben ohne Maulschlüssel festzubekommen. Also so viel Romantik auf den ersten Blick gar nicht zutraut. Und doch ist der ehemalige Stahlbauschlosser des MLK Calbe die treibende Kraft in Sachen häuslicher Illumination.

"Ich habe mich hingesetzt und sie mit Glaslack dreimal hintereinander farbig gestrichen"

Als Dobrauers 1975 ihr Haus bezogen, ging es auch bald damit los. Zuerst war es eine große Tanne, die von üppigen Lichterketten verziert wurde. Mit großen DDR-Lampen, die es allerdings nur in weiß gab. "Ich habe mich hingesetzt und sie mit Glaslack dreimal hintereinander farbig gestrichen", weiß der 67-Jährige noch genau. So strahlten 1200 Lampen durch die Rosenburger Nacht. Für damalige Verhältnisse eine gewaltige Menge. Buntes Weihnachtslicht war vor 1990 sowieso die Ausnahme. Wie sich die adventliche Lichterkraft generell in den vergangenen Jahrzehnten erhöhte.

Irgendwann begann Harald Dobrauer Hand an sein Haus zu legen und die ersten Außenkerzen anzubauen. "Jedes Jahr kamen ein paar dazu", sagt er. Auch die Leute aus der Nachbarschaft stellten fest: "Aha, hier ist wieder etwas Neues dran."

Zug um Zug rüstet der Rentner das Haus in der Siedlung I auf LED-Lämpchen um. Tausende lichtemittierende Dioden schimmern durch die Nacht, dass es eine Freude ist. Wobei der 67-Jährige in der Vorbereitungszeit richtig arbeiten muss. Zum Beispiel wenn der "Eisregen" an der Dachtraufe befestigt wird.

Dann steigt der gebürtige Sudetendeutsche aufs Flachdach, um Stück für Stück auf den Knien herumzurutschen. Es gilt Dutzende Meter Ketten, Schläuche, Netze und Lichtskulpturen zu befestigen.

Im Garten werden natürlich die immergrüne Fichte, aber auch jene Gehölze mit Weihnachtslichtlein geadelt, deren Blätter im Herbst abfallen. "Das schafft mein Mann nicht alleine, da muss ich mit anfassen", sagt Edith Dobrauer. Damit meint sie ein Lichternetz, das über den Winterjasmin gestülpt werden muss. Hunderte weißer Lichtpünktchen werden ihn wohl bald animieren, selbst gelb zu blühen.

Apropos, farbig. Edith gesteht, eher die weißen Lampen zu lieben, der Geschmack ihres Gatten geht in Richtung bunt. Wobei es Grenzen gibt. Die nervös blinkenden Rosetten aus Fernost, die ihr Licht wie die Spielbank von Las Vegas wechseln, sind nichts für ihn.

"Im nächsten Jahr werden wir wahrscheinlich ein dreidimensionales Reh aufstellen"

Wie sehr Dobrauers Geschmack ins Detail geht, beweist die prächtige Blautanne im Vorgarten. Deren Fuß wird von gelb-warmen, die oberen zwei Drittel von kaltem Weißlicht geschmückt.

Bereits Mitte November beginnt der rüstige Rentner mit dem Aufbau. "In diesem Jahr ging es ja noch. Aber wenn Frost ist, kann das unangenehm werden", gesteht er.

Natürlich ist das Lichtensemble in der Siedlung I noch nicht ausgereizt. "Es sollen mehrere Tiere werden. Im nächsten Jahr werden wir wahrscheinlich ein dreidimensionales Reh aufstellen", kündigt Edith Dobrauer an.

Eine Bemerkung zum Abschluss: Nicht nur das Haus von Edith und Harald Dobrauer leuchtet in der Weihnachtszeit. Auch deren Augen. Wohl dem, der sich auch an den kleinen Dingen des Lebens ehrlichen Herzens erfreuen kann.

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