Es gleicht einer wahren Katastrophe, in der Begegnungsstätte im Tarthuner Wöhl ist ein Feuer ausgebrochen. Doch zum Glück handelte es sich am Sonnabendmorgen nur um eine groß angelegte Übung von Feuerwehren, Rettungsdiensten und Katastrophenschutzeinheiten des Salzlandkreises, bei der das Konzept zum Massenanfall von Verletzten überprüft werden soll.

Tarthun. Hektisch laufen Kinder, Jugendliche und Erwachsene umher, aus der Begegnungsstätte im Tarthuner Wöhl steigt dichter Rauch empor. Als die Kameraden der Feuerwehr Tarthun eintreffen, rennen ihnen sofort Menschengruppen entgegen. Sie schreien um Hilfe und rufen die Namen ihrer Freunde, die sich noch im Objekt befinden. "Beeilt euch, da sind noch Menschen drin", schreien vor allem die Jugendlichen die Kameraden an. In Windeseile werden Schläuche ausgerollt und die Wasserversorgungen hergestellt. Einsatzleiter Michael Kieler verschafft sich einen Überblick. Schnell muss er feststellen, dass es sich um einen Massenanfall von Verletzten handelt. Weitere Feuerwehren und Rettungsdienste werden angefordert.

Es scheint, als ob da gerade ein schreckliches Unglück im Tarthuner Wöhl passiert ist. Zum Glück ist es nur eine Übung. Eine gemeinsame Übung von Feuerwehren, Rettungsdiensten und Katastrophenschutzeinheiten des Salzlandkreises. "Sie dient der Überprüfung der Funktionstüchtigkeit des Konzeptes zum Massenanfall von Verletzten im Salzlandkreis", erklärt Dezernentin Reingard Stephan, die die Gesamtleitung der Übung übernommen hat.

Das Szenario: Es ist kurz nach 8 Uhr, als zunächst unbemerkt in einem Vierbettzimmer durch einen Kurzschluss ein Brand ausbricht. Das Objekt ist mit einer integrativen Karnevalsgruppe – so hat man die Schauspieler genannt, die die Verletzten der Übung spielen – belegt. Durch den Brandgeruch wird das Feuer entdeckt. Durch Rauchgasdurchzündungen verbreitet sich das Feuer schnell. Panisch rennen die ersten nach draußen, einige jedoch ignorieren das Warnsignal, halten es für eine überflüssige Übung.

Dichter Rauch zieht durch die Flure – natürlich brennt es nicht wirklich. Die Kameraden, die nach Verletzten in der Begegnungsstätte suchen, bekommen dunkle Tüten über ihre Helme gezogen. Damit soll die schlechte Sicht durch die Rauchentwicklung demon-striert werden. Während sich einige Kameraden mit Schläuchen bewaffnet den Weg in Richtung Brand bahnen, tragen andere Feuerwehrmänner die ersten Verletzten nach draußen. Immer wieder müssen die Mitglieder der Karnevalsgruppe aufgehalten werden, da sie versuchen, im Alleingang ihre Freunde zu retten.

<6>Mittlerweile ist das erste Rettungsteam eingetroffen, und kümmert sich um die Menschen, die es rechtzeitig geschafft haben, nach draußen zu kommen. Immer mehr Verletzte werden auf den Sammelplatz genau vor dem Objekt gebracht. Einsatzleiter Michael Kieler weist die Feuerwehren und Rettungsdienste ein, die er zur Unterstützung angefordert hat. Feuerwehren aus Egeln, Unseburg, Wolmirsleben, Groß Börnecke, Löderburg, Borne und Hecklingen rücken an. Die Rettungsdienste aus Bernburg, Staßfurt, Aschersleben, Calbe und Schönebeck werden angefordert und auch der Katastrophenschutz sowie das Kriseninterventionsteam aus Aschersleben ist vor Ort.

<7>Versorgungszelte werden aufgebaut. Kameraden versuchen den Brand zu löschen. Nach nur einer Stunde ist der simulierte Brand gelöscht und alle Verletzten geborgen. Im Einsatz befinden sich nun 250 Menschen. Bei der Übung wurden zwei Personen tödlich, acht Personen schwer und 22 leit verletzt. Ein Mitglied der Karnevelsgruppe hat sich vom Sammelplatz entfernt, wird vermisst, kann aber mit Hilfe von Wärmebildkamera und Spürhunden unversehrt aufgefunden werden. Gegen 11 Uhr sind alle Verletzten abtransportiert, und die Wehren und Rettungsdienste können mit dem Abbau beginnen.

<8>Die Auswertung der großangelegten Übung wird in den kommenden Tagen erfolgen.<9>

   

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