Im Salzlandtheater in Staßfurt fanden am Sonnabend die ersten beiden Jugendweihefeiern dieses Jahres statt. Dort wurden insgesamt 77 Jugendliche, davon einer sogar aus Bayern, symbolisch in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen.

Staßfurt l Der Festredner, Staßfurts Oberbürgermeister René Zok (parteilos), dessen eigene Jugendweihe schon 30 Jahre zurückliegt, sagte, er könne sich noch ganz genau daran erinnern, wie sehr er diesem Tag damals entgegen gefiebert habe.

"Für euch wird der 27. April ein denkwürdiges Datum werden", sagte Zok mit Blick zu den jungen Damen und Herren aus der Sonderschule "Pestalozzi" sowie "Am Park" in Wolmirsleben, der Sekundarschulen "Hermann Kasten" und Am Tierpark in Staßfurt sowie der Sekundarschule Förderstedt, die mit ihren Eltern, Geschwistern und Großeltern ins Theater gekommen waren.

Letztere müssten zur Kenntnis nehmen, dass ihre Kinder oder Enkelkinder langsam erwachsen werden und auch wenn es ihnen sehr schwer falle, nun langsam loslassen. An die Adresse der Jugendlichen gerichtet, sagte Zok, die gutgemeinten Ratschläge der Eltern seien keine Gängelei, sondern sollen ihren Kindern, die sie lieben, eine Menge Kummer und Ärger ersparen.

"Ihr solltet eure Eltern und Großeltern drücken und ihnen Dank sagen. Und sie sollten euch weiterhin als Vorbilder mit Rat und Tat zur Seite stehen", so der Oberbürgermeister.

"Es wird auch künftig in eurem Leben Höhen und Tiefen geben. Es gehört zum Leben dazu, auch mal Fehler zu machen. Schöpft aus dem Leben neue Kraft und lasst euch nicht entmutigen", gab das Stadtoberhaupt den Jugendweihelingen mit auf den Weg in den neuen Lebensabschnitt.

"Jetzt könnt ihr selber entscheiden, was ihr tut", sagte Antje Reich, die gemeinsam mit Christopher Konrad von der Band "Noch ist Zeit" die Feierstunden musikalisch begleiteten und damit für einen jugendgemäßeren Ton sorgten. Ihr selbst komponiertes Lied "Versucht zu leben" passte da sehr gut rein.

Das Interesse der Jugendlichen des Salzlandkreises an der Jugendweihe ist nach wie vor sehr groß, sagte die Geschäftsstellenleiterin der Interessenvereinigung Jugendweihe Bianka Luther, deren Geschäftsstelle sich seit kurzer Zeit nicht mehr im Friedensring in Staßfurt, sondern im Förderstedter Rathaus befindet.

"Insgesamt haben wir am heutigen Tag 124 Jugendliche in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen", sagte sie. Denn am vergangenen Sonnabend erhielten auch die Damen und Herren der Sekundarschule Egeln im Dorfgemeinschaftshaus ins Groß Börnecke ihre Jugendweihe. In Staßfurt konnte sogar ein Jugendlicher aus Bayern begrüßt werden, denn die Jugendweihe wird in diesem Bundesland nicht gefeiert.

Die Jugendlichen, die in festlicher Garderobe zur Feierstunde erschienen waren, waren auch wegen der rund 600 auf sie gerichteten Augen ganz schön aufgeregt, als sie auf die Bühne gerufen wurden, um aus den Händen des Oberbürgermeisters eine Urkunde und von den Mitstreitern der Interessengemeinschaft Jugendweihe ein Buch, einen Sparkassengutschein über zehn Euro und eine Rose entgegen zu nehmen.

Die Jugendweihe hat eine lange Tradition. Der Begriff, heute zunehmend auch als Jugendfeier bezeichnet, tauchte erstmals im Jahr 1852 auf und geht auf einen Vorschlag von Eduard Baltzer zurück, der damit zum Ausdruck bringen wollte, dass sich die Abkehr von den Kirchen auch in der Terminologie niederschlagen sollte.

Weitere Termine für Jugendweihe-Feiern im Altkreis Staßfurt sind der 18. Mai um 11 Uhr und um 13.30 Uhr für das Dr.-Frank-Gymnasium. Die Feierstunde für die Güstener findet am 4. Mai um 11.30 Uhr im Theater Bernburg statt.

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