Toleranz und Demokratie, das sind die Stichworte, die das Bundesprogramm "Vielfalt tut gut" ausmachen. Im Altkreis Schönebeck haben die dazugehörigen Projekte in den vergangenen drei Jahren Früchte getragen. Ähnlich einfach kann Integration in Staßfurt gelebt werden, das nun auch den Zuschlag für das Bundesprogramm erhalten hat.

Schönebeck. "Vielfalt tut gut" lautet der Titel des Bundesprogrammes, das in diesem Jahr in Staßfurt Toleranz und Demokratie vor allem im Jugendbereich fördern soll. Dass das nicht nur ein hehres Ziel ist, sondern tatsächlich auch Früchte tragen kann, macht Ute Wysocka imVolksstimme-Gespräch deutlich. Sie hat in den vergangenen drei Jahren als Jugendpflegerin des Jugendamtes im Salzlankreis das Bundesprogramm im Altkreis Schönebeck betreut.

"Die jungen Leute selbst interessiert es nicht, ob ihr Gegenüber eine andere Herkunft hat. Sie wollen wissen, was das für ein Mensch an sich ist", sagt Ute Wysocka. Sie hat eng zusammengearbeitet mit den Mädchen und Jungen, und hat inzwischen ihr ganz eigenes Bild vor Augen. "Jeder junge Mensch hat die gleichen Träume", nennt sie einen für sie wesentlichen Aspekt. Jugendliche wünschen sich Bildung, einen Job, Freunde. Deshalb will sie auch keinem, der aus einem anderen Land stammt, den Stempel aufdrücken, dass das ein Mensch sei, der sich jetzt integrieren muss. Integration sollte einfach gelebt werden. Jedoch vergisst sie ebenso nicht, dass vor allem junge Menschen, die ihr Heimatland verlassen mussten, eben auch ihr Umfeld, ihren Freundeskreis, ihre Sprache wechseln mussten. "Diese Jugendlichen kommen oft mit tragischen Geschichten." Umso wichiger sei es, dass sie in Deutschland wieder eine Basis für sich finden. "Die Jungen und Mädchen sind engagiert, sie hören nicht auf zu kämpfen", ist die Schönebeckerin sicher.

Das Bundesprojekt "Vielfalt tut gut" habe für den Altkreis Schönebeck enorm viele Früchte getragen. Dabei stellt Wysocka aber eines klar. "Es müssen Projekte mit Bildung sein." Unverfänglich sollen den Jugendlichen Wissen und soziale Kompetenzen vermittelt werden, während sie gleichzeitig sich gegenseitig sowie andere Kulturen und Nationen kennenlernen. Ganz wichtig dabei sei auch immer: Die Mischung machts. Laut Ute Wysocka haben an den Aktionen immer Jugendliche mit Migrationshintergrund genauso wie der "ganz normale Deutsche" teilgenommen. Denn: "Es ist das Schlimmste, wenn Ausländer keinen Kontakt zu den Einheimischen haben." Sprache würde sich beispielsweise durch das Reden und nicht nur das sture Auswendigpauken erlernen.

Wurzeln der anderen kennenlernen

Als ein gutes Beispiel nennt Ute Wysocka das Camp, das im Rahmen von "Vielfalt tut gut" einmal jährlich in Schönebeck organisiert wurde. "Ein Drittel der jungen Teilnehmer hatten einen Migrationshintergund", stellt Wysocka fest. Mädchen und Jungen unterschiedlichster sozialer und gesellschaftlicher Herkunft verbrachten eine Woche gemeinsam, um Vielfalt und Toleranz zu leben, zum Beispiel auch durch das gemeinsame Übernachten in großen Zelten. Ebenso wurden unterschiedlichste Projekte durchgeführt, damit man sich gegenseitig und die Wurzeln der anderen kennenlernt

Ute Wysocka ist davon überzeugt, dass man den Menschen einfach die Chance geben muss, sich zu integrieren. "Sie wollen keine Extra-Rolle spielen."

Erfahrungen werden übernommen

Für den Altkreis Schönebeck ist in diesem Jahr zwar der Projektzeitraum beendet worden. Doch Ute Wysocka ist davon überzeugt, dass die Elbestadt darüber hinaus auch weiter ein Ort der Vielfalt und Toleranz sein wird. "Das Gute war ja, dass wir schon einige kleinere Projekte hier hatten. Aber durch das Bundesprogramm sind die verschiedenen Träger näher zusammengerückt und haben gemeinsam etwas Großes geschaffen", schätzt Wysocka ein. "Sie werden nun auch in Zukunft mehr mit einander kooperieren." Keiner muss allein kämpfen.

Im Altkreis Staßfurt hat jetzt der Projektzeitraum begonnen. Erfahrungen bringt hier mitunter Irina Gubenko ein. Die 44-Jährige hatte in Schönebeck ein Jugendprojekt organisiert, bei dem die Mädchen und Jungen – mit Migrationshintergrund sowie Deutsche – beispielsweise deutsche Städte besuchten, Kultur und Natur kennenlernten. Ab diesem Jahr betreut die Schönebeckerin das Jugendprojekt in der Salzstadt.

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