Für die finanziell weniger gut ausgestatteten Mitmenschen in Staßfurt ist die Tafel da. Jedes Essen hilft, mit dem eigenen Geld besser auszukommen und ein wenig aufzuatmen.

Staßfurt l Winfried Deutschländer lässt sich seinen Kartoffelsalat mit Würstchen beim Weihnachtsschmaus der Tafel schmecken. "Ich bin fast jeden Tag hier", sagt der Staßfurter. "Uns hilft das ungemein, wir haben ja nicht viel Geld zur Verfügung." Etwas weiter vorn am großen Tisch sitzt Roswitha Niemann mit ihrem Sohn Chris. Sie ist vor kurzem von Groß Börnecke nach Staßfurt gezogen. "Von der Tafel habe ich von ihr gehört", sagt sie und deutet auf ihre Tischnachbarin. "Ich fühle mich hier wohl, es ist eine schöne Atmosphäre", sagt sie.

Gerade um die Weihnachtszeit ist bei der Tafel "mehr los", also sonst, sagt die Leiterin Irene Häntsch. Sie ist etwas aufgewühlt, als sie den Weihnachtsschmaus vor den Nutzern der Tafel eröffnet. "Wir danken der Stadt und unserem Träger für die ständige Unterstützung. Aber leider muss ich sagen, dass die Spendenbereitschaft nicht gerade zunimmt. Wir kämpfen um jedes Stückchen, was wir euch in den Beutel legen können", sagt Irene Häntsch. "Ich bin dennoch froh, dass wir so eine große Familie geworden sind. Wir gehören alle zusammen."

Die Tafel bekommt ihre Lebensmittel vorwiegend von Supermarktketten, aber auch von privaten Spendern. Neben Personal aus Maßnahmen des Jobcenters gibt es hier noch einige Ehrenamtliche, die der Tafel seit Jahren treu sind. "Die Tafel funktioniert nur mit diesen Helfern", lobt sie Wolfgang Fischer, Chef des Vereins für Integration, Beschäftigung und Soziales (IBS) in Eisleben als Träger der Einrichtung.

Nach der offiziellen Ansprache vor den Besuchern, erzählt Wolfgang Fischer von zunehmenden Rückschlägen, die die Tafel verkraften muss. "Da haben wir nun schon diesen schönen Weihnachtsschmaus", sagt er und holt ein Schreiben hervor, "und dann das". Lidl teilt schriftlich mit, dass das Warenlager in Bernburg ab 2014 die "kostenlos Abgabe von Waren aus Sonderverkäufen einstellen" wird. Dort haben die Tafelmitarbeiter alle drei Monate Bekleidung für Erwachsene und Kinder aus den Sonderposten aussuchen dürfen.

Auf die Hilfe der Supermärkte ist die Tafel aber dringend angewiesen. Deshalb müssen Irene Häntsch und ihr Team hinter jeder Lebensmittelspende hinterher sein. "Wir dürfen nie den Eindruck erwecken, dass wir die Spenden nicht brauchen", betont sie. Für den Weihnachtsschmaus fuhren die Tafel-Fahrer bis zu Kaufland in Braunschweig, weil dieser gerade Kartoffeln abzugeben hatte. Die Würstchen schenkte das Berufsförderungswerk in Staßfurt. Die Plätzchen sind vom Bäckermeister Rost. "Für unsren kleinen Weihnachtsbeutel haben wir Wurstwaren von Rügenwalder bekommen und weil wir keine Tüten dafür hatten, haben wir sogar noch leere Tüten von der Bode-Apotheke bekommen. Die Geschenke für die Kinder bei der Tafel haben uns die Kinder der Kita und die Grundschule Schneidlungen gegeben", freut sich die Tafelleiterin. "Und weil der Oberbürgermeister noch fragte, was er tun kann, habe ich bei ihm 70 Schokoladenweihnachtsmänner bestellt."

 

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