Schönebeck/Staßfurt (dw). Der geplante Klinikverkauf im Salzlandkreis hat sich in der Fachwelt herumgesprochen. Das Interesse ist, wie Landrat Ulrich Gerstner (SPD) mehrfach sagte, nicht nur bei privaten Krankenhausbetreibern groß. Das beweist ein Brief, den die Kreisverwaltung, Kreistagsvorsitzender Frank Zedler (CDU), Klinik-Holding-Aufsichtsratsvorsitzender Gerald Bieling (CDU) und die Kreistagsabgeordneten gestern bekommen haben von der Leitung des Klinikums Magdeburg.

Darin bieten Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH in der Landeshauptstadt, Dr. Andreas Brakmann, und der Ärztliche Direktor, Prof. Dr. Karsten Ridwelski, ein kommunales Übernahmeangebot für die Salzlandkliniken. "Hiermit möchten wir ihnen als eine Alternative zur öffentlichen Ausschreibung und Privatisierung der Salzlandkliniken an ein gewinnorientiertes privates Krankenhausunternehmen, eine interkommunale Zusammenarbeitslösung unter unternehmerischer Führung des Klinikums Magdeburg anbieten." Mit sofortiger Wirkung solle über einen Managementvertrag ab dem 1. Januar 2011 die kurzfristige Stabilisierung der Holding und aller operativen Töchter der Salzlandkliniken gewährleistet werden.

Die Magdeburger sind bereit, ihre Ideen dem Kreistag und der Kreisverwaltung sowie den Holdingverantwortlichen so schnell wie möglich darzulegen und gegebenenfalls auch in der Kreistagssitzung morgen vor den Politikern zu sprechen.

Zukunft: "Klinik Magdeburg-Salzland"?

Eine echte Werbung ist in Gang gekommen, bei der sich der Bräutigam aus der Landeshauptstadt bestmöglich ver-kauft und das angereichert ist mit Zukunftsmusik: "Ein neu entstehendes und zukunftsfähig strukturiertes kommunales Mehrstandort-Klinikum Magdeburg-Salzland wäre nicht nur das beschäftigungsstärkste und bettenstärkste Klinikums-Unternehmen im Lande, sondern hätte zugleich auch die Potenziale, das medizinisch und wirtschaftlich leistungsfähigste, führende zukunftsfähigste Gesundheits- unternehmen Sachsen-Anhalts zu werden", heißt es in dem Schreiben. Das Klinikum in Magdeburg habe vor drei Jahren mit Umstrukturierungs- und Spezialisierungsprozessen begonnen. Die Ausgangslage dafür sei der jetzigen im Salzlandkreis ähnlich gewesen. Die Erfahrungen, die bei den Prozessen der vergangenen Jahre gesammelt wurden, könnten jetzt auch Aschersleben, Staßfurt, Schönebeck und Bernburg zugute kommen, so die Meinung von Dr. Andreas Brakmann und Prof. Dr. Karsten Ridwelski. Außerdem verfüge man auch über die umfangreiche fachliche und wirtschaftliche Kompetenzen sowie die notwendigen finanziellen Mittel. Heute sei das Haus ein infrastrukturell sehr modernes, überregional tätiges, fachlich sehr breit aufgestelltes, ärztlich qualifiziert besetztes und in den letzten drei Jahren um fast 30 Prozent gewachsenes und weiter stark wachsendes, wirtschaftlich kerngesundes und finanziell potentes, zukunftsfähiges kommunales Krankenhausunternehmen, heißt es in dem Brief. Die Magdeburger Mediziner erwähnen aber in dem Schreiben nicht, dass die Umstrukturierung auch mit vielen Einschnitten verbunden war. So wurden in der Landeshauptstadt Standorte geschlossen (Krankenhaus Altstadt) und Personal abgebaut.

Vorteile kommunaler Trägerschaft

Betont wird die kommunale Trägerschaft, die funktionieren kann und bei der Fachausschüsse und der Kreistag in Gänze Einflussmöglichkeiten hätten. Anders als bei einem privaten Träger käme man ohne dem Druck vom Markt aus und habe die Hilfsbedürftigen im Blick. "Unser Angebot als öffentliches Krankenhausunternehmen ohne Gewinnorientierung, in dem sämtliche Gewinne unternehmensintern verwendet oder reinvestiert werden, wäre eine Übernahme der unternehmerischen Führung der Salzlandkliniken im Rahmen einer interkommunalen Lösung mit der Zielstellung einer wirtschaftlich effizienten zukunftsfähigen Organisation einer wohnortnahen, flächendeckenden, fachlich breit aufgestellten, bedarfsgerechten hochwertigen stationären Gesundheitsversorgung im Salzlandkreis auch zukünftig in öffentlicher Hand." Das Schreiben aus Magdeburg macht aber auch deutlich, dass es Einschnitte und Veränderungen geben muss, um die Krankenhäuser auf die Beine zustellen. Die Strategie sei aber, nicht allein über Personalstellen- und Bettenstreichungen zu einer Wirtschaftlichkeit zu kommen, sondern eine konsequente Vorwärts- und Wachstumsstrategie zu verfolgen. Die nötigen Investitionsmittel stünden in Magdeburg zur Verfügung. "Dies hat auch die Motivation der Mitarbeiter gestärkt, und diese haben sich engagiert aktiv eingebracht, weil sie für sich wieder eine Zukunft sehen." Bei einer Übernahme sollen, soweit das wirtschaftlich realisierbar sei, alle Arbeitsplätze erhalten und die ärztlichen Leistungsträger gebunden werden.

Landrat Ulrich Gerstner äußerte sich gestern am Rand der Finanzausschusssitzung gegenüber der Volksstimme. Es gebe viele Angebote von privaten, sozialen, kirchlichen und kommunalen Trägern. Auch das Veräußerungsprozedere, das ein Dritter ausarbeiten solle, sei am Markt – bei Kanzleien und Wirtschaftsprüfern – begehrt.

Politische Gremien beschließen Vergaben

Der Kreischef sieht aber den aus Magdeburg vorgeschlagenen Zeitplan für eine Übernahme des Managements als nicht realisierbar an, weil die politischen Gremien, Kreistag und Ausschüsse, über die Vergabe dieser Leistung, bei der Kosten für den Kreis entstünden, entscheiden müssten. Auch die aus der Landeshauptstadt vorgeschlagene Entwicklung der überkommunalen Zusammenarbeit könne nicht die Verwaltung allein tragen, sondern bedürfe der politischen Zustimmung. Der Ausschuss nahm einstimmig den Vorschlag an, die Veräußerung der Kliniken einzuleiten. Am Mittwoch entscheidet der Kreistag über die Privatisierung.