64 000 Euro hatte der Förderverein Reformator Fürst Georg III. am Haken, um die Schlossruine Warmsdorf - einst Residenz von Luthers Wegbegleiter - mit einem Dach zu sichern. Das Geld konnte nie umgesetzt werden, wurde zurückgegeben.

Warmsdorf l Unglaubliche 64 000 Euro hatte der Förderverein um Klaus Gerner 2007 bereits zusammen. Größtenteils Lottomittel, Geld von der Sparkassenstiftung, Fördermittel aus dem Leader-Programm. Damit sollte ein Dach finanziert werden, das den fortlaufenden Verfall des ehemaligen Warmsdorfer Schlosses aufhält, in dem Fürst Georg III. bis 1553 lebte.

Das große private Engagement sollte kein gutes Ende finden. "Und das, obwohl zum 500. Geburtstag Fürst Georgs vor fünf Jahren viele Offizielle aus Politik und Kirche gewünscht hatten, dass das Schloss gerettet werden sollte", kann sich Gerner noch immer nicht so recht mit dem Schicksal dieses historischen Bauwerks anfreunden. Seiner Meinung nach sei das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (LDA) Schuld daran, dass das Geld zurückgegeben werden musste.

Dr. Alfred Reichenberger, Leiter Öffentlichkeitsarbeit des LDA, sieht das anders. "Wir sind nur die Gutachterbehörde, nicht die genehmigende", erklärt er. Seines Wissens nach sei es damals um die Frage gegangen, statt eines Flachdachs aus statischen Gründen ein Satteldach auf das Bauwerk zu setzen. Und diese Möglichkeit sei nie vom Verein in Anspruch genommen worden. Ein diesbezüglicher Bauantrag sei der Behörde zumindest nicht bekannt.

Georg-Verehrer Klaus Gerner kann sich unterdessen noch sehr gut daran erinnern, dass "laufende Telefonate mit dem Amt in den zwei Jahren ohne fachliche Ergebnisse blieben. Zahlreiche Briefe, von denen nicht einer beantwortet wurde, haben unser ehrenamtliches Engagement damals kaputt gemacht." Die einzige Reaktion aus Halle habe am 3. Juli 2008 gelautet: "Die Genehmigung zur Dachsanierung wird nicht erteilt."

Das setzte einen Schlussstrich unter die Bemühungen des Vereins. Er glaube und hoffe nicht, dass kleinere Objekte neben den großen Lutherzentren keine Chance erhalten sollten. "Abgesehen von einzelnen Personen haben wir auch positive Erfahrungen gemacht mit dem Landesdenkmalamt. Und auch auf Kreisebene", relativiert Klaus Gerner.

Immerhin hatte es die einstige Gemeinde Amesdorf vor einigen Jahren schon so weit gebracht, eine Diplomarbeit von der Fachhochschule Anhalt zur Schaffung einer Seniorenresidenz auf dem Warmsdorfer Schlossgelände schreiben zu lassen.

Allein, hierzu fehlte es an Investoren.

"In dem Schloss hätte Potenzial gesteckt, touristisches wie kulturhistorisches"

"In dem Schloss hätte Potenzial gesteckt, touristisches wie kulturhistorisches", ist auch Vereinsmitglied Ines Hartwig noch immer enttäuscht.

Doch wer Klaus Gerner kennt, weiß, wie hartnäckig er seine Ziele verfolgt.

Abgesehen von der Warmsdorfer Kirchruine, die er zum Wohnhaus umfunktionierte, abgesehen vom Studierzimmer Georg III. am Park (im Volksmund Georgskapelle genannt), die auf seine Initiative restauriert wurde. Auch die Eckfundamente der Kapelle von 1553, die neben dem Studierzimmer stand, wurden 2007 dank Gerners Einsatzes wieder freigelegt.

Nun, wo das Schloss offensichtlich keine Chance mehr haben soll, dachte sich Gerner, in irgendeiner Form dem Fürst Georg III. doch noch ein Denkmal zu setzen, um dessen Geschichte fortzuschreiben, um Georg-Interessierten eine Anlaufstelle zu bieten, sich mit dessen Leben und Wirken zu beschäftigen.

Ein Backhus sollte es sein. Ein kleines Georg-Informationszentrum in Eigeninitiative, auf privatem Grundstück.

Mit dem Backhus sollte auch das alltägliche Leben des Fürsten etwas veranschaulicht werden. "Georg III. ließ nachweislich Wein bei Warmsdorf anbauen", hat Klaus Gerner im Specht-Amtsregister gefunden. Er zitiert: "Im jar nach Christi geburth 1534 haben ... fürst Geörge ... einen neuen weinbergk lassen anfangen und zurichten, ligt am hange, als man nach Gerßleben (Giersleben) gehet, und seindt 9000 vexer (Reben) zum anheben darin geleget..." Und man habe auch nicht wenig gegessen zu Georgs Zeiten, wie Gerner einem Küchenregister, vermutlich anlässlich eines Festes, entnehmen konnte. Am 6.9.1541 beispielsweise "1 Kalb, 1 Hammel, 2 Gänse, 8 Hühner, 1 Schinken, 3 Schock Eier (180 Stück), 6 Tauben."

Das Backhus steht nun nach einem Dreivierteljahr Bauzeit - mit einem echten Backofen nach historischem Vorbild - und wird genutzt. Als Begegnungs- und Informationsstätte, und nicht nur vom Förderverein.

www.fuerstgeorg3.de

 

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