KlarSicht macht für zwei Tage Station in Tangermünde. KlarSicht ist ein Mitmach-Parcours, in dem sich alles um Alkohol und Rauchen dreht. Mehr als 200 Sekundarschüler dürfen ihn für sich entdecken, ihre Erfahrungen mitteilen, aber auch viel neues Wissen für sich mitnehmen.

Tangermünde. "Am nächsten Morgen ging es mir total dreckig. Mir war übel, obwohl ich gar nichts gegessen hatte", berichtete gestern ein Schüler der sechsten Klasse. Er lebt in einem kleinen Dorf, besucht die Tangermünder Sekundarschule und steht am Dienstagvormittag an einer der fünf Stationen des Mitmach-Parcours KlarSicht. Seine Mitschüler schauen ihn ungläubig an. Da können sie wohl doch noch nicht mitreden. "Will ich auch gar nicht", sagt Pascal. Die Gelegenheit, Alkohol zu trinken, hatte er bislang noch nicht gehabt.

"Für Prävention ist es nie zu früh"

"Für Prävention ist es nie zu früh", sagt Tanja Hamschmidt. Sie ist mit dem Projekt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nach Tangermünde gekommen. Seit 2005 gibt es den Parcours. "Wir wollen zum Mitmachen animieren, Erlebnisse schaffen und Informationen vermitteln", bringt Hamschmidt es auf den Punkt.

Und zu erleben gibt es einiges. Unter anderem an der Station, an der eine Brille die Sicht verschleiert, Schüler versuchen, der roten oder weißen Linie zu folgen, einen Ball zu greifen und wieder abzulegen, einen Kegel zu übersteigen, ohne ihn umzuwerfen. "Mann, ist das doof. Ich seh’ ja gar nichts", flucht Fabrice Walther auf seiner "Nebel-Tour". Er greift neben den Ball, legt ihn auch neben dem Kegel wieder ab, läuft links und recht der Markierung. Doppelte Linie, unklare Sicht und nicht abschätzbare Distanzen machen den im nüchternen Zustand harmlosen Weg zu einem Hindernisparcours. "Mit der Brille hat man den Blick wie mit 1,3 Promille Alkohol im Blut", verrät eine der Moderatorinnen. Und die seien bereits nach drei bis vier alkoholhaltigen Mixgetränken erreicht.

Einige Mitschüler lachen, andere sind stille Beobachter. "Ich hätte nicht gedacht, dass man wirklich so schlecht sieht", sagt Niklas, der mal einen schnellen Blick durch die Brille werfen darf.

Im Übrigen hat das Projekt seinen Weg in die Sekundarschule gefunden, weil ShalomHaus-Leiter Hans-Ulrich Schmidt als Kooperationspartner hier den passenden Raum gefunden hatte. Schulleiterin Gisela Ahrends ist ihrerseits froh, ihren Schülern dieses Angebot unterbreiten zu können. Rauchen sei seit Jahren Thema an der Schule, berichtet sie. Doch mit dem rauchfreien Konzept und der konsequenten Unterstützung durch das Tangermünder Ordnungsamt würden die Verstöße von Jahr zu Jahr weniger.

"Wünschte mir mehr positiven Einfluss der Eltern"

Alkohol, so Ahrends, sei vor allem an den Wochenenden ein Thema. "Da wünschte ich mir mehr positiven Einfluss durch die Elternhäuser", sagt die Schulleiterin.

KlarSicht versucht, mit den interaktiven Angeboten Einfluss zu nehmen auf Kinder und Jugendliche ab dem zwölften Lebensjahr. Deshalb sind es die Schüler der 6. bis 10. Klassen, insgesamt etwa 220, die gestern und heute intensive Bekanntschaft mit den Themen Rauchen und Alkohol machen.

Nach der ersten Parcours-Runde am Morgen sagt Hans-Ulrich Schmidt, der ebenfalls als Moderator aktiv ist: "Sie stehen den Themen sehr aufgeschlossen gegenüber, sie berichten über ihre Erfahrungen, hören zu, machen mit." Allerdings weiß Tanja Hamschmidt auch: "Das heißt noch lange nicht, dass sie geläutert sind, wenn sie den Parcours verlassen." Für ShalomHaus-Leiter Schmidt hat die Aktion jedoch einen positiven Nebeneffekt: "Es ist gut, dass wir auf diese Weise als freier Träger der Jugendarbeit mit der Schule einen Schritt weiter zusammenrücken."

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