18 Jahre stand Rolf Hamm an der Spitze des Kreisverbandes der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Nicht unbedingt leichten Herzens aber mit einem guten Gefühl, seine Nachfolge betreffend, trat er nun ins zweite Glied zurück. Gewerkschafter mit Leib und Seele ist der im sächsischen Oschatz geborene und in der Altmark heimisch gewordene Pädagoge aber auch in Zukunft.

Stendal. In die Altmark wollte Rolf Hamm nie. Aber was sollte er machen. Die zuständige Abteilung Volksbildung "überredete" das junge Lehrerehepaar Hamm – seine Frau hatte Rolf während des Studiums kennengelernt – Ende der 70er Jahre. Die versprochene Wohnung in der "Platte" gab es dann zwar doch nicht, aber die beiden sagten sich: "Nu sin ma hier, nu blei‘ ma och".

Vom heimatlichen Sächsisch ist 32 Jahre später nur noch eine leichte Sprachfärbung geblieben. Mit der sagt Rolf Hamm heute: "Die Altmark ist meine Heimat geworden. Ein toller Landstrich mit tollen Menschen."

Kennegelernt hat er diese Menschen in seinem Arbeitsumfeld als Pädagoge, der er bis zur Wende ausschließlich war, und danach zunehmend auch als Gewerkschafter. "Das war eine stürmische Zeit, alles ging drunter und drüber", erinnert er sich mit mildem Lächeln an jene Wende-Tage, in denen der Staatsbürgerkunde- und Sportlehrer seinen Posten als Schulleiter räumen musste, in denen er sich noch einmal auf die Studienbank setzte (Sozialkunde) und in denen er per "Urwahl" im damaligen Kreisverbands der Gewerkschaft Unterricht und Erziehung (heute Erziehung und Wissenschaft, GEW) eines der ersten 15 Nachwende-Kreisvorstandsmitglieder wurde – ehrenamtlich, versteht sich.

Zwei Jahre später wechselte der GEW-Kreischef Peter Bollfraß zum DGB. "Da blieb der Vorsitz an mir hängen." Auch wenn Rolf Hamm es etwas lax formuliert: Auch dieses Ehrenamt übernahm er im vollen Bewusstsein dessen, was auf ihn zukommen würde. Schlecht gemacht haben kann er seine Sache nicht, denn nach den ersten zwei kommissarischen Jahren an der Spitze der GEW wurde er per Wahl im Amt des Kreisvorsitzenden bestätigt.

18 Jahre blieb Rolf Hamm, noch immer Lehrer für Sport und Sozialkunde an der Stendaler Diesterweg-Sekundarschule, der GEW-Kreisvorsitzende. Am 3. November gab er den Staffelstab weiter. Er kandidierte nicht wieder für den Vorsitz, wohl aber für einen Platz im Kreisvorstand, auf den er auch einstimmig gewählt wurde.

Sven Oeberst, Lehrer an der Bismarker Sekundarschule, ist Rolf Hamms Nachfolger (die Volksstimme berichtete). Der Ex-GEW-Chef müsste lügen, würde er behaupten, dass ihn der Schritt ins zweite Glied nicht bewegt hätte. "Da sagt man nicht so einfach Tschüß. Nein, das geht gar nicht. Ich bin mit Leib und Seele Gewerkschafter und werde das auch bleiben. Aber ich werde nun 58 Jahre. Da wollte ich die Hauptverantwortung an der Spitze nicht mehr tragen. Wir haben junge Leute, die das mindestens genauso gut machen werden wie ich", ist Rolf Hamm von den Qualitäten seines Nachfolgers überzeugt, denn: "Wir kennen uns seit mehr als zehn Jahren aus der gewerkschaftlichen Arbeit. Sicher hat Sven einen anderen Stil als ich, das ist klar. Aber er ist sehr genau und ungemein fleißig. Ich weiß also, dass es gut weiter geht in der GEW."

Nach den Dingen gefragt, die ihn in den 18 Jahren an der GEW-Spitze am meinsten beeindruckt haben, nennt Rolf Hamm zwei gewerkschaftliche Betätigungsfelder: "Das war zum einen in den 90er Jahre. Die Schülerzahlen brachen weg. Das hat uns in den Kitas auch Entlassungen gekostet, leider. Im Lehrerbereich ist es uns aber gelungen, ohne Entlassungen durch diese Krise zu kommen. Das ist ein Verdienst der GEW. Und die zweite Sache, auf die ich ein bisschen stolz bin, ist das Lehrergleichstellungsgesetz, 1996 im Landtag beschlossen. Das trägt die Handschrift der GEW."

Das heißt nicht, dass es für seine Gewerkschaft nichts mehr zu tun gibt. Rolf Hamm betrachtet zum Beispiel mit Sorge, "dass die Landesregierung keine Vorsorge für den Tag getroffen hat, an dem wir wieder mehr Lehrer brauchen. An den Grundschulen sind es schon jetzt zu wenige und ab 2012/13 wird das an allen Schulformen so sein. Wir brauchen unbedingt neue Lehrer. Und wir brauchen wieder ein Lehrerseminar in der Altmark. Junge Lehrer müssen die Altmark kennen- und schätzen lernen, dann bleiben sie auch gern. Mir ging es ja damals genauso."