Vom Regen in die Traufe? Die Bürgerinitiative "Gegen das Steinkohlekraftwerk Arneburg" hegt einen Verdacht: Im Industrie- und Gewerbepark bei Arneburg soll ein Gas- und Dampfturbinenkraftwerk, gespeist mit fossilem Erdgas, gebaut werden.

Stendal l "Die Gefahren sind vergleichbar mit denen eines Steinkohlekraftwerkes", zieht Winfried Schülke aus Kamern einen Vergleich zu einem Gas- und Dampfturbinenkraftwerk, das mit Erdgas befeuert wird. Ein solches könne nun im Industrie- und Gewerbepark aus dem Boden wachsen, befürchtet der Vorsitzende der Bürgerinitiative (BI) "Gegen das Steinkohlekraftwerk Arneburg". Fast zeitgleich mit neuen "Entwarnungsmeldungen" zum Bau eines Steinkohlekraftwerkes hätten die BI "beunruhigende Nachrichten" erreicht, schildert Schülke. Über deren Inhalt informierten Schülke und Mitstreiter am gestrigen Dienstag während eines Pressegespräches in Stendal.

"Reine Prüfung" oder Schaffen von Fakten?

Die MFC (A) Ltd, Eigentümerin von Grundstücken im Industrie- und Gewerbepark, hat ein Raumordnungsverfahren für den Bau einer 380-kV-Freileitung beantragt. "Als unterstützende Infrastruktur-Maßnahme", glaubt Schülke, zumal sich die MFC (A) Ltd um Investoren für ein Gas- und Dampfturbinenkraftwerk bemühe. Dabei bezieht sich Schülke auf Dieter Kösling, Geschäftsführer der Altmark Immobilien Management GmbH, die für MFC (A) Ltd als Verwalter tätig ist. Doch der widerspricht.

"Es gibt kein Projekt für ein Kraftwerk", versichert er telefonisch auf Volksstimme-Nachfrage. Dagegen bestätigt er die Beantragung eines Raumordnungsverfahrens für eine 380-kV-Freileitung. "Dabei handelt es sich um eine reine Prüfung, ob und über welche Trasse ein Anschluss möglich ist", erklärt Kösling. Eine Nutzung wäre in zwei Richtungen denkbar: Zum einen eine Einspeisung von Strom, der im Industrie- und Gewerbepark erzeugt wird, ins Netz, zum anderen aber auch die Stromversorgung von Industrieansiedlungen über die 380-kV-Freileitung.

Die Mitglieder der BI, deren Zahl von 400 auf etwa 170 gesunken ist, allerdings sehen die Gefahr eines "beträchtlich großen" Gas- und Dampfturbinenkraftwerks, so Schülke. Die geplante Fernleitung von 380 kV spreche dafür, dass seine Leistung bei mindestens 1000 Megawatt liege. Das entspreche in etwa der Leistung eines Kraftwerkes dieser Art, das im brandenburgischen Wustermark geplant war. "Das konnten Bürger und Kommunen verhindern. Ich war auch dabei", erzählt Jürgen Rochlitz, der über viele Jahre die BI leitete. Der Strodehner begründet: "Allein 7200 Tonnen Kohlenmonoxid hätte das Kraftwerk jährlich ausgestoßen." Und auch für das befürchtete Gas- und Dampfturbinenkraftwerk bei Arneburg malt die BI ein Schreckenszenario. Schülke nennt unter anderem eine Emission von 430 Gramm Kohlendioxid je erzeugter Kilowattstunde, eine Belastung der Böden in einem Radius von zehn Kilometern mit Quecksilber, eine deutliche Temperaturerhöhung der Elbe durch zurückgeleitetes Kühlwasser.

Die BI-Mitglieder hoffen auf Widerstand wie beim Kampf gegen die Steinkohlekraftwerkspläne, auf eine schnelle Formierung der Kräfte, denn - so der Osterholzer Guido Vaupel - "mit der 380 kV-Leitung sollen doch Fakten geschaffen werden". Und Schülke wünscht sich, dass "die roten Kreuze als Zeichen des Widerstands wieder rausgeholt werden und die Zahl unserer Mitglieder wieder wächst."