Stendal l Cindia kniet auf den Boden. Sie hält eine Maurerkelle in der Hand, vor ihr liegen schwere Steine. Obwohl sie eigentlich Verkäuferin werden möchte, muss sie sich heute mit Mörtel, Wasserwaage und Mauersteinen anfreunden.

"Erst dachte ich, mein Gott Mauern." - Cindia Engler, Schülerin

Ihr Fazit nach einer Stunde Arbeit: "Erst dachte ich, mein Gott Mauern. Aber jetzt finde ich es cool, mal in einen Jungsberuf reinzugucken, obwohl es ganz schön anstrengend ist." Drei Tage haben die Schüler hinter sich, in den Werkstätten der Berufsbildungsakademie "Altmark" (BBA) durften sie in verschiedene Berufe reinschnuppern, sich als Metallbauer, Friseur und auch im Restaurantfach ausprobieren. Das Angebot für 7. und 8. Klassen von Sekundar- und Gesamtschulen gibt es in Sachsen-Anhalt seit 2007, seit drei Jahren richtet es sich auch an Förderschulen. BRAFO heißt es und soll Schüler frühzeitig an Berufe heranführen. Claudia Klinke, Sozialpädagogin der BBA, führt das Projekt im Landkreis an sechs Schulen durch. Die Stendaler Diesterwegsekundarschule ist von Anfang an, also seit sieben Jahren, dabei. Mittlerweile ist die Berufsvorbereitung zu ihrer "Mission" geworden. Der Beweis: das Berufswahlsiegel, mit dem die Schule 2012 ausgezeichnet worden ist. "Weil sie ihre Schüler beispielhaft und systematisch auf die Berufswahl und das Arbeitsleben vorbereiten", hieß es damals in der Begründung.

"Ich hab schon ein Praktikum für den Sommer." - Francis-Helene Reschak, Schülerin

Insgesamt vier Tage basteln sich die Sekundarschüler durch die Werkstatträume. Bei den Metallbauern feilt die 13-jährige Francis-Helene. Am Ende soll ein Würfel entstehen. Klar, Spaß mache es schon, sagt sie, aber noch mehr Spaß habe sie in der Friseurwerkstatt gehabt. Sie will Friseurin werden. "Ich hab sogar schon für den Sommer einen Praktikumsplatz in einem Laden", erzählt sie. Nicht unbedingt die Regel, aber möglich sei es schon, dass Schüler so - über ein Praktikum - später auch den Einstieg in eine Ausbildung fänden, berichtet Claudia Klinke. "Das sollte aber nicht das Ziel sein", findet Heike Szebrat, stellvertretende Leiterin der Diesterwegsekundarschule, die ihre Schützlinge besucht. "Wenn der Schüler merkt, der Beruf ist nichts für mich, dann ist das auch okay."

Überraschend ist es schon, wenn der Ausbilder aus dem Baubereich erzählt, dass die Mädchen sich beim Mauern besser als die Jungen anstellen würden. "Die Mädchen liefern am Ende bessere Qualität ab als die Jungen. Und von ihnen höre ich auch viel öfter, dass es ihnen gefallen hat." Wenn Cindia aus Steinen und Mörtel eine richtige Mauer gezaubert hat, wird sie eine Note bekommen. Und sie erhält ein Zertifikat: für ihre viertägige Berufsvorbereitung. Das könnte ihr auch weiterhelfen, wenn sie sich um einen Ausbildungsplatz bewirbt.

   

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