In Stendal-Süd geht der Kampf zwischen Versorger Techem und Vermieter M & E auf dem Rücken der Mieter weiter. Wie berichtet, will Techem Ende Januar die Fernwärme abstellen, Begründung: M & E zahle nicht. Die Vermietergesellschaft bezeichnet das als Lüge und verspricht den Mietern: Die Wohnungen bleiben warm.

Stendal. Wem sollen die Südbewohner glauben? Der Firma Techem, die als Zwischenhändler und Dienstleister fungiert und dem Vermieter Fernwärme und Warmwasser der Stadtwerke verkauft? Techem erklärte in einer Pressemitteilung vom Montag (die Volksstimme berichtete), M & E habe "seit vielen Monaten" Rechnungen nicht bezahlt, insgesamt über 175 000 Euro.

Oder ihrem Vermieter M & E Real Estate? Tekin Evren, einer der Inhaber, ließ gestern über einen seiner Mitarbeiter, mit dem die Volksstimme sprach, verlauten, dass dies nicht wahr sei. Sein Unternehmen habe bisher mehr als 250 000 Euro an Techem gezahlt. Am gestrigen Tage seien noch einmal 20 000 Euro für die Fernwärmeversorgung freigegeben worden. "Dass wir die Nebenkosten nicht bezahlen würden, das ist alles gelogen", erklärte der Mitarbeiter im Namen von Tekin Evren. Und: "Wir garantieren unseren Mietern, dass die Wärme nicht abgestellt wird."

Das hatte die Firma Techem, legitimiert durch ein Urteil des Stendaler Landgerichts, im Zuge der Zwangsvollstreckung am 19. November schon einmal versucht. Kurz darauf waren die Plomben des Absperrventils auf bislang ungeklärte Weise aufgebrochen und der Wärmefluss wieder in Gang gesetzt worden.

Für Techem war jetzt "die rote Linie endgültig überschritten", wie Geschäftsführer Peter Metz in der erwähnten Presseerklärung vom Montag zitiert wird. Am 31. Januar soll der Hahn nun endgültig zugedreht werden, falls bis dahin noch immer Zahlungen ausstehen. "Mit dieser extrem langen Vorwarnzeit", so Metz, "möchten wir den Bewohnern eine unbeschwerte Weihnachtszeit ermöglichen. Gleichzeitig haben sie die Möglichkeit, auf das unverständliche Verhalten ihres Vermieters zu reagieren."

Dieser Vermieter, die türkisch-aserbaidshanische Mustafazada & Evren GbR – daher M & E – will sich lieber heute als morgen von Techem als Vertragspartner trennen. "Wir haben keinen Vertrag mit Techem unterschrieben", sagt der Sprecher von Evren. Die ungeliebte Geschäftsbeziehung mit dem Zwischenhändler, dem M & E überhöhte Preise vorwirft, habe seine Firma mit der Ersteigerung der rund 550 Süd-Wohnungen praktisch geerbt – vom Vorbesitzer Janssen & Helbig.

In einem Brief, den M & E vor wenigen Tagen an den Stendaler Stadtrat schickte und der der Volksstimme vorliegt, behaupten die Wohnungsvermieter, der Vertrag zwischen Techem und Janssen & Helbig sei nicht rechtmäßig. Er sei am 24. April 2007 von Janssen & Helbig und von Techem wenige Tage später, am 2. Mai, unterzeichnet worden – zu einem Zeitpunkt, als Janssen & Helbig bereits insolvent gewesen sei und unter Zwangsverwaltung gestanden habe. Der damalige Wohnungsvermieter sei deshalb nicht mehr zeichnungsberechtigt gewesen. Der Vertragsbeginn sei rückwirkend auf den 1. Januar 2007 vordatiert worden und laufe über zehn Jahre.

In ihrem Brief an den Stadtrat fahren die M & E-Inhaber schwere Geschütze, unter anderem auch gegen Oberbürgermeister Klaus Schmotz, auf. Weil er angeblich öffentlich "Verleumdungen verbreitet" – zum Beispiel: M & E leite die von den Mietern bezahlten Nebenkosten nicht an Techem weiter –, müsse er "seinen Platz räumen". Seine Firma werde eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Schmotz anstrengen, kündigte der Evren-Sprecher gegenüber der Volksstimme an. Vom Stadtrat verlangt er die Aufstellung einer "Ermittlungskommission", die die damals geschlossenen Verträge, ihre Bedingungen, Laufzeiten und angeblich geflossene Provisionen untersuchen soll.

CDU-Fraktionsvorsitzender Hardy Güssau bezeichnete den Inhalt des Briefs als "unglaublichen Unsinn, der mit einem seriösen Unternehmen nichts zu tun hat".