"Bildung, Erziehung und Betreuung im Kindesalter – Leitung von Kindertageseinrichtungen": Zum dritten Mal bietet die Hochschule Magdeburg-Stendal in Stendal zum Sommersemester 2011 30 Plätze für dieses berufsbegleitende Bachelor-Studium an. Über Einzelheiten sprach Volksstimme-Redakteurin Uta Elste mit der zuständigen Koordinatorin Hertha Schnurrer.

Volksstimme: Warum unterbreitet die Hochschule Magdeburg-Stendal überhaupt dieses Angebot?

Hertha Schnurrer: Im europaweiten Vergleich liegt Deutschland, was den Ausbildungsstand seiner Erzieherinnen angeht, im Hintertreffen. Kindertagesstätten sind sozusagen akademikerfreie Räume. Dem gegenüber wird immer wieder der Status der Kita als Bildungseinrichtung betont. Also ermöglichen wir dieses berufsbegleitende Studium, um den Anschluss in Europa zu finden.

Volksstimme: Auf welcher Basis unterbreitet die Hochschule Magdeburg-Stendal dieses Angebot?

Hertha Schnurrer: Die Grundlage ist ein Beschluss, den der Landtag im Jahr 2006 fasste. Schrittweise werden die Mitarbeiter akademisch ausgebildet, erst die leitenden Mitarbeiter, dann auch die der mittleren Ebene. Denn die Aufgaben, die in der Kita erfüllt werden müssen, sind größer geworden, ebenso die Erwartungen der Eltern und der Öffentlichkeit.

Da Stendal Kompetenzzen-trum für frühkindliche Bildung werden will, wird auch ein Studium Kindheitspädagogik kommen, das sich vor allem an junge Leute richtet. Doch jetzt geht es erst einmal darum, bereits berufstätige Erzieherinnen als Führungskräfte zu qualifizieren.

Volksstimme: Es handelt sich um ein berufsbegleitendes Studium. Wie wird das organisiert?

Hertha Schnurrer: Es wird pro Semester jeweils eine sogenannte Blockwoche geben mit Lehrveranstaltungen an fünf aufeinanderfolgenden Tagen. Darüber hinaus finden jeweils an fünf bis sechs Wochenenden pro Semester Lehrveranstaltungen statt. Alles andere erarbeiten sich die Teilnehmer im Selbststudium, vor allem viel über das Internet. Für die Tage in Stendal nehmen die Teilnehmer entweder Urlaub oder werden vom Arbeitgeber freigestellt. Wichtig ist: Das Studium ist gebührenfrei.

Volksstimme: Sie bieten diesen berufsbegleitenden Studiengang zum dritten Mal an. Wie war bislang die Resonanz?

Hertha Schnurrer: Sehr gut. Wir hatten immer mehr Bewerber als Plätze, so dass wir mit den Kandidaten Auswahlgespräche geführt haben. Das ist zwar jedes Mal eine Riesenak-tion, hat aber den Vorteil, dass die künftigen Studenten und wir uns gegenseitig kennenlernen.

Volksstimme: Welche Schwerpunkte setzen Sie in diesen Bewerbergesprächen?

Hertha Schnurrer: Wir fragen danach, welche Innova- tionen Kitas nach Ansicht der Bewerber nötig haben. Das gibt uns Aufschluss über den vorhandenen Wissensstand. Des Weiteren erkundigen wir uns nach der Weiterbildungsbiografie. Wer es gewohnt ist, sich weiter zu bilden, hält auch ein derartiges Studium leichter durch. Dann interessiert uns natürlich die Motivation, warum die Kandidatin ein solches Studium beginnen möchte. Und wir wollen auch wissen, wie sie Studium, Berufstätigkeit und Familienleben unter einen Hut bringen wollen.

Volksstimme: Ist das ein problematisches Feld?

Hertha Schnurrer: Nun, so ein Studium bringt schon eine gewisse Dynamik ins Fami- lienleben. Partner und Kinder müssen etwa damit klarkommen, dass die Bügelwäsche mitunter etwas länger ungebügelt daliegt. In der Regel bewerben sich auch Personen um einen Studienplatz, die auch außerhalb ihres Arbeitsplatzes sehr engagiert sind. Da erkundigen wir uns danach, was sie in dieser Zeit reduzieren oder abgeben wollen.

Volksstimme: Die Teilnehmer sind eigentlich nicht mehr im klassischen Studentenalter...

Hertha Schnurrer: ... aber glauben Sie mir, manche genießen das Studentendasein, vor allem, wenn sie in den Blockwochen in Stendal bleiben.

Volksstimme: Die ersten Absolventen werden dieses Studium im Frühjahr 2012 beenden. Wie sind bislang Ihre Erfahrungen?

Hertha Schnurrer: Die sind wirklich sehr gut. Wir haben eine sehr geringe Abbrecherquote, und die Ursachen waren ausnahmslos gravierende Änderungen im privaten Bereich.

Volksstimme: Mit welchen Themen setzen sich die Teilnehmer während des Studiums auseinander?

Hertha Schnurrer: Zusammengefasst stehen für die Studenten die Schwerpunkte Förderung von Entwicklung und Lernen, Leitung, Personalorganisation und Einrichtungsmanagement auf dem Plan sowie ein Bereich, der über- schrieben ist mit Kooperation, Erziehungspartnerschaft und Vernetzung im sozialen und politischen Umfeld.

Volksstimme: Wenn jemand die Informationsveranstaltung in Salzwedel nicht besuchen konnte oder sich darüber hinaus informieren möchte, wo ist das möglich?

Hertha Schnurrer: Ich stehe als Ansprechpartnerin unter der Telefonnummer (03931) 21 87 48 01 zur Verfügung, Informationen sind auch im Internet abrufbar. Bewerbungsschluss ist der 15. Januar 2011.

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