Fehlender Fußgängerüberweg zu Ramelow, eine relativ lieblose Platzgestaltung, keine Aufenthaltsqualität – am teilweise neugestalteten Winckelmannplatz gibt es einiges auszusetzen. Kaufhaus-Chef Marc Ramelow regt an, einen kleinen Café-Pavillon in die künftige Platzgestaltung mit einzubeziehen.

Stendal. Ein Teil der Passanten ist deutlich verunsichert, schaut ängstlich nach links und nach rechts, bevor man sich auf die Fahrbahn wagt. Ein anderer Teil überquert selbstbewusst und in der Überzeugung, auf einem geschützten Bereich zu wandeln, die Bruchstraße zwischen Ramelow und Winckelmannplatz. So mancher hat noch gar nicht bemerkt, dass es den Zebrastreifen an dieser Stelle gar nicht mehr gibt. Quietschende Autoreifen sind da manchmal inklusive.

Der ersten Etappe der Umgestaltung des Winckelmannplatzes ist der Fußgängerüberweg zum Opfer gefallen. Das macht die Passage von Stendals Einkaufsmeile in diesem sensiblen Bereich nicht gerade sicherer, meint Volksstimme-Leserin Rosemarie Ißleb aus Stendal. An dieser Stelle müsse der frühere Zustand unbedingt wiederhergestellt werden.

Zone 20 ohne Zebrastreifen

Das sei aber nicht zulässig, antwortet das Tiefbauamt auf eine Anfrage der Volksstimme, weil sich die Stelle in einem verkehrsberuhigten Geschäftsbereich – Zone 20 – befindet. Bei dringendem Handlungsbedarf werde jedoch nach einer Lösung gesucht, eventuell ein Stück weiter in die Bruchstraße versetzt.

Generell ist Rosemarie Ißleb nicht sehr glücklich über das gegenwärtige Aussehen des Winckelmannplatzes. Das fängt bei seinen einfachsten "Zutaten" an. "Nicht mal die Farbe des Rasens ist nach den Bauarbeiten einheitlich", stellt sie fest. Ein paar Farbtupfer in Form von Blumen oder blühenden Büschen könnte der Platz aus ihrer Sicht dringend gebrauchen. Doch eine Bepflanzung als Ersatz für das Hochbeet plant die Stadt derzeit nicht, heißt es aus dem Tiefbauamt. Die endgültige Gestaltung sei aber einem späteren Bauabschnitt vorbehalten. Weitergehen werde es zunächst 2011 mit dem Ausbau der Bruchstraße.

Am Denkmal des Altertumsforschers vermisst Rosemarie Ißleb eine dieser transparenten Tafeln in Form des Stadtsignets, wie sie an vielen anderen Stellen der Stadt über die Geschichte von Denkmalen informieren. Dazu die Verwaltung: "Eine touristische Beschilderung ist im Bereich Priesterstraße vorhanden, das heißt: Hotels in Grün und Baudenkmäler in Rot. Das muss aber wieder vervollständigt werden."

Der grüne Platz vor seiner Haustür sei "genau der richtige Ort für eine Verweil-Möglichkeit", sagte Kaufhaus-Betreiber Marc Ramelow am Freitag bei der Einweihung der erneuerten Fassade des Hauses und ihrer neuen Beleuchtung. Er schlug der Stadt vor, einen kleinen Café-Pavillon in die Planungen für die weitere Platzgestaltung mit einzubeziehen.

Auch in diesem Punkt reagiert das Tiefbauamt eher abwehrend: "Der Wettbewerbsplan und die Entwurfsplanungen zum Winckelmannplatz sehen keinen Pavillon für einen Imbiss vor. Es ist jedoch ein Multifunktionsband mit Fahrradständern, Bänken und Buswartehaus vorgesehen. Ein solcher Pavillon würde dem Charakter dieses Platzes nicht gerecht werden."

Vom Umgang mit Steuergeld

Was bisher am Winckelmannplatz gepflastert wurde, sei sehr schön geworden, lobte Marc Ramelow. Und holte doch zu einem Hieb in Richtung Stadtverantwortliche aus: Als Kaufmann habe er so seine Probleme damit, wie leichtfertig die Stadt mit Steuergeld umgehe, womit er die recht hochwertigen Pflastermaterialien meinte. In Elmshorn, verglich der Unternehmer mit einer Stadt bei Hamburg, in der er ebenfalls ein Modehaus betreibt, seien bei der Sanierung der Fußgängerzone "einfachste Ziegel" verwendet worden.

Ramelow beklagte Abstimmungsmängel mit der Stadt bei den Bauprozessen am Winckelmannplatz. Dort kamen sich im Laufe dieses Jahres die umfangreichen Tiefbauarbeiten mit der nicht minder langwierigen Fassadensanierung des Kaufhauses ins Gehege.