Antje (51) und Jens Walther (54) möchten Kultur aufs Land bringen. Mit ihrer Kulturscheune wollen sie das Angebot in Kläden und Umgebung bereichern. Die ersten Versuche stimmen optimistisch.

Kläden. "Du bist verrückt", war die erste Reaktion von Antje Walther, als Ehemann Jens vorschlug, aus der Scheune hinter dem Wohnhaus in Kläden eine Kulturscheune werden zu lassen. Doch seit Jens Walther aus gesundheitlichen Gründen als Pfarrer in den Ruhestand versetzt wurde und der Umzug von Garlipp nach Kläden im November 2009 vollzogen war, ergaben sich für ihn zwei Fragen: Was mache ich mit meiner dazugewonnenen Zeit? und Was mache ich mit der Scheune?

Jens Walther erinnerte sich an eine Kulturscheune in der Nähe von Delitzsch, die mit großem Erfolg betrieben wird. Und er erinnerte sich an den Treffenfeldverein in Könnigde, mit dem er als Pfarrer zu Erntedank jährlich eine gemeinsame Veranstaltung auf die Beine gestellt hatte. Es begann jeweils mit einem Gottesdienst in der Kirche, verbunden mit einem kulturellen Angebot. Im Anschluss ging es in die Treffenfeldscheune, wo zumeist eine Band aufspielte.

Nach dem Feststellen einer ersten Verrücktheit besann sich Antje Walther. "Wenn du das möchtest, dann setze die Idee von der Kulturscheune um. Ich unterstütze dich." Kein Jahr nach dem Umzug der Eheleute Walther vom Pfarrhaus in Garlipp nach Kläden fand die erste Veranstaltung in der Kulturscheune statt. Am vergangenen Sonntag wurde in Walthers Kulturscheune im Rahmen des Kleinkunstfestivals "Grenzgänger" ein Schokoladen-Konzert (Volksstimme berichtete) präsentiert. Der Zuspruch war überwältigend. Davon war wiederum Jens Walther überwältigt, denn mit so vielen Gästen hatte er nicht gerechnet. Zusätzliche Sitzgelegenheiten mussten herangeschafft werden und Sängerin Christina Rommel bat darum, dass die mitgebrachte Schokolade gleichmäßig in der Scheune verteilt werde, damit auch jeder etwas abbekommt.

"Wir wollten eigentlich erst am vierten Advent etwas in der Scheune veranstalten", erzählt Jens Walther. Die Klädener Kirchgemeinde hatte aber wegen des Konzertes angefragt und da konnten die Eheleute Walther nicht Nein sagen. Innerhalb von vier Wochen war die Scheune für das Konzert hergerichtet. "Die Handwerker waren jederzeit zur Stelle", freute sich Jens Walther. "Und dazu hatte ich jede Menge freiwillige Helfer."

"Mit der Kulturscheune möchte ich eine Ergänzung zu den kulturellen Angeboten in Kläden und in der Umgebung schaffen", erzählt Jens Walther. "Ich sehe mich nicht als Konkurrenz zu den bestehenden Einrichtungen." Mindestens viermal im Jahr möchte der 54-Jährige seine Kulturscheune öffnen. Es wird immer ein kulturelles und/oder kirchliches Angebot mit Essen und Trinken sein. "Das bildet für mich eine Einheit", so Walther.

In diesem Jahr sind noch zwei Veranstaltungen in der Klädener Kulturscheune ge- plant. Am 25. November werden Adventsgestecke gebastelt, am 19. Dezember findet ein Adventsliederabend statt. "Mit den Veranstaltungen in der Scheune will ich kein Geld verdienen", stellt Jens Walther fest. Wenn Geld übrigbleiben sollte, wird es für den Kinderverein in Kläden, sein eigenes Projekt "Sozial normal", die Hospizarbeit in Stendal oder auch für die Förderung von Nachwuchskünstlern gespendet. So will Walther zum Beispiel auch die Stendaler Band "Willenlos" unterstützen und ihr mit der Kulturscheune eine Plattform bieten.

Für die Ausstattung seiner 1949 erbauten Kulturscheune sucht Jens Walther noch einige landwirtschaftliche Requisiten aus der Gründungszeit der DDR. Wer da etwas beisteuern kann, kann gern in der Klädener Gartenstraße 1 vorbeischauen.