Zum Gedenken an die Reformation der Kirche und den 125. Geburtstag des Barneberger Gotteshauses gab es am Sonntag einen besonderen Festgottesdienst für alle Gemeinden des Kirchspiels und der Partnergemeinde Warberg. Zahlreiche Gläubige verfolgten das Geschehen in der Friedenskirche.

Barneberg. Joachim Wahl eröffnete mit dem Orgelvorspiel den Festgottesdienst. Als erste Lesung für den Reformationsgottesdienst hörte die Gemeinde anschließend einen Text aus dem Alten Testament, gelesen von Heinz-Bruno Krieger, sowie Lieder, die von der Hötensleber Chorgemeinschaft, vorgetragen wurden. Die Predigt zu diesem besonderen Tag sprach Pfarrer Peter Mücksch. Er dankte zunächst allen, die zum Gelingen dieses Gottesdienstes und des umrahmenden Festes beigetragen haben und ließ den Blick dann einige Jahrhunderte zurückschweifen, als Martin Luther am 31. Oktober 1517 mit seinen Thesen die Reformation der Kirche einleitete.

"Die Kirche ist immer ein reformierendes und sanierungsfähiges Haus. Was vor 20 bzw. 125 Jahren gut war, muss heute neu bedacht werden. Wer hat damals Umweltfragen erörtert oder sich mit der Frauenbewegung befasst?", so Pfarrer Mücksch. Vor 125 Jahren, als diese Kirche gebaut wurde, war sie ein Zweckbau und Ausdruck der Stärke jener Gesellschaft. Heute stelle sich die Frage, wie man mit solchen Gebäuden umgeht, sie weiterhin mit Leben erfüllt. "Da ist es tröstlich, Salomons Gebet gehört zu haben: Gott ist überall, nicht nur in diesem Haus", führte Mücksch aus. "Die Menschen brauchen aber dennoch solche Orte. In der Kirche und einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten fällt es leichter, zu Gott zu beten." Gezielt unterstrich Mücksch die Bedeutung des Kirchengebäudes als Glaubenszentrum: "Es ist wichtig die Kirche zu öffnen, eine Begegnungsstätte zu schaffen, damit Menschen sich in einer Mitte treffen können, in der Christus ist. Wir freuen uns, dass wir in der letzten Zeit mit der Sanierung der Friedenskirche begonnen haben und dafür schon mehr als 17 000 Euro gesammelt haben. Ein Stückchen Wegetappe hin zur Ewigkeit ist geschafft."

Ein offenes und "lebendiges" Haus, die Zeichen dafür standen nicht immer gut. Vor drei Jahren hatte noch kaum einer gedacht, dass der Turm nun wieder statisch gesichert sein würde. Aber jede Zeit habe ihre Aufgabe.

Flohmarkt und Gedankenaustauch

Nach dem Festgottesdienst wurde zu Kaffee und Selbstgebackenem geladen. Unter der Empore waren Tische und Stühle sowie Heizkörper aufgestellt, die zum gemütlichen Plausch und Gedankenaustausch anregten. Außerdem konnte auf einem kleinen Flohmarkt gestöbert werden, und vom Förderkreis wurden Weihnachtskarten mit der Friedenskirche als Motiv verkauft. So verging der Nachmittag wie im Fluge, bis alle Besucher erneut Platz auf den Kirchenbänken nahmen, erwartete sie doch der zweite Höhepunkt des Tages.

Die emotional vorgetragene Instrumental- und Chormusik zum Reformationstag der Spielleute von "Cantores minores" aus dem niedersächsischen Emmerstedt füllte jeden Winkel des altwürdigen Gotteshauses. Im ersten Teil spielten und sangen sie Lieder aus der Carmina Burana. Die Liedtexte wurden nach einer Benediktbeurer Handschrift aus dem 12. Jahrhundert und von Carl Orff 1936/37 vertont.

Die Auswahl der Lieder in mittellateinischer Sprache umfasst eine weite Spanne weltlicher Themen, wie die Wechselhaftigkeit von Glück und Wohlstand, die Flüchtigkeit des Lebens, die Freude über die Rückkehr des Frühlings sowie die Genüsse und Gefahren von Trinken, Völlerei, Glücksspiel und Wollust. Der musikalische Leiter und Dirigent, Joachim Wahl, hat die Musik für die Gruppe arrangiert. Gemeinsam bringen sie sehr erfolgreich das mittelalterliche Werk vielen Musikliebhabern näher, wozu auch die Kleidung der Künstler beiträgt. In der Pause erheiterte Joachim Wahl das Publikum mit einer plattdütschen Geschichte über Adam und die Erschaffung der Frau. Im zweiten Teil erklangen dann Gesänge der Kirche. Die Musiker erhielten für ihre Darbietung den verdienten Applaus des begeisterten Publikums, das sich gar mit stehenden Ovationen eine Zugabe erklatschte.

Pfarrer Peter Mücksch sprach noch ein Gebet und erteilte nach dem gemeinsam gesprochenen Vaterunser der Gemeinde den Segen. Und beim Verlassen der Kirche konnte man immer wieder hören: "Das war ein schöner Nachmittag. Ein würdiger Rahmen für Reformationstag und 125 Jahre Barneberger Friedenskirche."