Vergeblich hat die Öffentlichkeit in den vergangenen Wochen darauf gewartet, dass wieder Leben in das Schloss Peseckendorf zieht. Jetzt hat der Paritätische Landesverband die Rückabwicklung des Kaufvertrages bekanntgegeben.

Peseckendorf l Über den geplatzten Kaufvertrag hat der Landesverband des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes mitgeteilt: "Der Vorstand und die Geschäftsführung des Paritätischen Sachsen-Anhalt haben nach gründlichen Prüfungen und trotz diverser Nachbesserungen festgestellt, dass die mit der Peseckendorf GmbH vertraglich vereinbarte Nachnutzung der Liegenschaft Schloss Peseckendorf unter den jetzigen Bedingungen nicht tragfähig ist. Deshalb sind beide Parteien vom Kaufvertrag zurückgetreten. Dadurch wird eine erneute Suche nach einer tragfähigen Nachnutzung der Liegenschaft notwendig und möglich."

"Das vorgelegte Konzept war im Moment nicht tragfähig. Mit dem Rücktritt vom Kauf setzen wir die Sache auf Null und beginnen von vorn."

Gabriele Girke, Landesgeschäftsführerin Der Paritätische Sachsen-Anhalt

Man habe sich in den vergangenen Wochen sehr intensiv mit der Problematik des Peseckendorfer Schlosses beschäftigt, heißt es vom Wohlfahrtsverband weiter. So sei schließlich die Entscheidung gereift, den Kaufvertrag rückgängig zu machen. "Der Verkauf des Schlosses war gerade in der Region an große Erwartungen und Hoffnungen geknüpft. Das vorgelegte Konzept war im Moment nicht tragfähig. Mit dem Rücktritt vom Kauf setzen wir die Sache auf Null und beginnen von vorn", sagt Gabriele Girke, Landesgeschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes.

Das Schloss Peseckendorf, auch Sanssouci der Börde genannt, beherbergte bis zum 1. November 2012 die Landesjugendbildungsstätte des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Aus Kostengründen wurde die Einrichtung geschlossen. Für ein weiteres Betreiben habe zu viel Geld investiert werden müssen, begründete die Integral GmbH als damaliger Betreiber das Aus für die Bildungseinrichtung. Viele Jahre seien Defizite eingefahren worden, sei das Haus mit seinen Mängeln in der Unterhaltung immer teurer geworden.

Im April dieses Jahres hieß es, der Paritätische Wohlfahrtsverband habe mit der Schloss Peseckendorf GmbH einen Käufer gefunden. Dem Verkauf mussten die einstigen Fördermittelgeber - die Jugendbildungsstätte war vor allem mit Fördergeldern des Landes Sachsen-Anhalt ausgebaut worden - zustimmen. Im Wesentlichen sollte das Schloss Peseckendorf wie bisher als Bildungsstätte weiter geführt werden, so hatte es Mike Lehfeld, als Chef der im Dezember 2012 gegründeten Schloss Peseckendorf GmbH, gegenüber der Volksstimme auch bestätigt. Ende Mai sollte das Haus wieder eröffnet werden.

Doch dazu sollte es nicht kommen. Stattdessen gingen Hinweise an die Volksstimme, dass die wieder eingestellten Mitarbeiter keine Gehaltszahlungen bekommen hätten.

In einem Volksstimme-Gespräch Ende Juli zeigte sich der Chef der Schloss Peseckendorf GmbH optimistisch, die Sache geregelt zu bekommen.

Der Verkauf des Schlosses Peseckendorf wird auch deshalb von der Öffentlichkeit mit Argusaugen beobachtet, da inzwischen die Sanierung des Peseckendorfer Schlossparkes weit vorangeschritten ist. Der aktive Kultur- und Heimatverein, ein noch bis in das nächste Jahr laufendes Projekt der Bürgerarbeit sowie nicht unerhebliche Investitionen der Stadt Oschersleben lassen den Park unter Federführung eines Fachplaners und der Denkmalpflege wieder zu einem echten Kleinod werden. Zuletzt sind Brücken über Bäche saniert wurden.