Daniel Zeglat leistet seinen Zivildienst in der "Schule Am Mühlenberg" in Hamersleben ab. Der 21-Jährige hilft vor allem den Mädchen und Jungen mit Schwerstmehrfachschädigung beim An- und Ausziehen, in den Rollstuhl setzen, Hinlegen, Aufstehen und vielen anderen alltäglichen Dingen. Auf Zivildienstleistende sind die vorwiegend weiblichen Mitarbeiter aus der Bildungseinrichtung angewiesen. Ohne männliche Hilfe wären einige Aufgaben unlösbar.

Hamersleben. Zeit für eine Zwischenmahlzeit, es ist 9.45 Uhr, Daniel Zeglat gießt den Kindern der Unterstufe Tee in ihre bunten Plastikbecher. Der 21-Jährige leistet seit dem 1. Mai seinen Zivildienst in der "Schule Am Mühlenberg" in Hamersleben ab, eine Förderschule mit dem Schwerpunkt "Geistige Entwicklung".

Die Mädchen und Jungen sitzen um den Küchentisch und erfreuen sich am Ploppen des Popcorns in der Mikrowelle, wodurch sich ein angenehm süßer Geruch in der Luft verbreitet. Nicht jedes der Kinder hat aus eigener Kraft am Tisch Platz genommen. Diejenigen, die nicht laufen können, werden von dem Zivildienstleistenden an ihren Platz getragen. "Hier arbeiten fast nur Frauen. Für uns wäre das kaum zu schaffen. Wir sind froh, dass wir Daniel hier bei uns in der Einrichtung haben", sagt Karina Müller, die Leiterin der "Schule Am Mühlenberg."

Wenn die Zwischenmahlzeit beendet ist, bilden Kinder, Lehrer und pädagogische Mitarbeiter den Singekreis im Klassenraum, auf dessen Fußboden alle gemeinsam Platz nehmen. Dabei spielt Daniel Zeglat ebenfalls eine wichtige Rolle. Vorrangig gilt seine Aufmerksamkeit dem kleinen Eric Wurzer, der zwar sitzen und krabbeln, aber nicht laufen kann. Wenn die Gruppe den Aufforderungen des sogenannten Körpergedichts mit viel physischer Bewegung folgt, wird es problematisch für den Knirps, und er ruft nach seinem Freund Daniel. Der Hamersleber ist sofort zur Stelle, um den dunkelhaarigen Achtjährigen im blauen Pullover zu unterstützen.

"Werde die Arbeit hier vermissen"

"Der Förderschwerpunkt unserer Einrichtung liegt auf der geistigen Entwicklung der Kinder", erklärt Karina Müller und fügt hinzu: "Dennoch ist es unsere Aufgabe, die Mädchen und Jungen in allen Bereichen mit allen Sinnen zu fördern."

Dazu gehörte auch das Basteln einer Laterne für den Martinstag sowie das Singen des Martin-Liedes. Für einen kleinen Umzug mit den selbstgebastelten Laternen dunkelte die pädagogische Mitarbeiterin Andrea Barhein am vergangenen Donnerstag den Klassenraum ab, und die Kerzen in den Laternen wurden angezündet. Alle Kinder liefen mit den leuchtenden Lampions freudig umher. Für dieses Vorhaben wurden Eric Wurzer und Daniel Zeglat wiederholt zum Team: Ersterer hielt die Laterne, letzterer schob den Rollstuhl. In der Förderschule "Am Mühlenberg" werden alltäglich notwendige Handlungen für die meisten Schüler immer wieder zur Herausforderung. Lehrer, pädagogische Mitarbeiter und Daniel Zeglat unterstützen sie bei der Bewältigung dieser Aufgaben. Sie helfen beim An- und Ausziehen, Schuhe zubinden, in den Rollstuhl setzen oder herausheben sowie bei vielen anderen Tätigkeiten.

Einige der Mädchen und Jungen hat Daniel Zeglat bereits in sein Herz geschlossen. "Für mich steht fest, dass ich die Arbeit mit den Kindern hier sehr vermissen werde", sagt der gelernte Metallbauer, der noch bis Ende Januar den Zivildienst in der Einrichtung ableistet und anschließend wieder in seinen Beruf zurückkehren möchte. Eigentlich hatte er sich gegen den Grundwehrdienst bei der Bundeswehr entschieden, um seine Heimat nicht verlassen zu müssen.

Dass diese Entscheidung auch für seine persönliche Entwicklung wertvoll sein würde, erwartete Daniel Zeglat zunächst nicht. "Als meine Zeit hier begann, hatte ich schon einige Berührungsängste vor der Arbeit, doch mittlerweile ist das kein Thema mehr", sagt der 21-Jährige. Im Gegenteil: Die Arbeit sei für ihn mittlerweile zum Vergnügen geworden. Während Daniel Zeglat noch neun Monate Zivildienst absolviert, wird die Zeit ab dem 1. Dezember auf ein halbes Jahr verkürzt.

Die Grundschule Am Mühlenberg sucht fortlaufend nach Zivildienstleistenden. Wer Interesse hat, kann sich bei Karina Müller in der "Schule Am Mühlenberg", Mühlenberg 2 in Hamersleben oder telefonisch unter Telefon (03 94 01) 4 06 melden.