Oschersleben / Völpke. Es war ein großer Tag für Völpke, als die neue Glocke Ende Oktober in den Turm der St. Margarethen-Kirche gehievt wurde. Nun ist das seit dem Mittelalter aus zwei Glocken bestehende Geläut wieder komplett. Die größere der beiden Glocken fehlte, weil sie im Zweiten Weltkrieg für die Munitionsproduktion ausgebaut wurde. Eine Spende machte den Guss der 420 Kilogramm und etwa einen Meter hohen neuen Glocke möglich.

" Dafür haben wir fast 10 000 Euro bezahlt. Für das Joch, in dem die Glocke hängt, für den geschmiedeten Stahlklöppel, für Läuterad und Maschine, für die Elektrik und Elektronik müssen wir nochmal fast dieselbe Summe bezahlen ", erzählt Pfarrer Peter Mücksch. Er war gestern nach Oschersleben gekommen, um von der Vorsitzenden der Sparkassenstiftung, Christel Kinast, und Vorstandsmitglied Horst Dunkhorst einen Scheck über 4000 Euro entgegen zu nehmen.

Damit können nun alle Rechnungen bezahlt werden, ohne dass die Kirchengemeinde Kredite aufnehmen muss. Denn auch die Völpker haben fleißig gespendet, damit sie wieder ein volles Geläut hören können und nicht nur das Bimmeln der kleinen Glocke aus dem 19. Jahrhundert.

" Wir honorieren gern das Engagement der Völpker für ihre Kirche und unterstützen den Einbau der Glocke und der Läuteanlage ", sagte Christel Kinast bei der Übergabe des symbolischen Schecks.

Anonymer Spender

und unbekannter Helfer

Ein anonymer Spender hatte den Glockenguss durch seine Zuwendung initiiert, und ein bisher nicht bekannter Mensch muss den Spendenaufruf für die Läuteanlage bei der Sparkasse in den Kasten gesteckt haben, erzählte Peter Mücksch bei dem Termin gestern. Dank dieses Helfers habe er einen Anruf erhalten mit dem Hinweis, dass ein richtiger Antrag nötig sei. Den zu schreiben habe sich gelohnt, freut er sich.

Schieferdach folgt

im nächsten Jahr

Fertig saniert ist die Völpker Kirche aber immer noch nicht. Dem Turm, der soweit komplett ist, dass er die Glocken tragen kann, fehlt noch die Schiefereindeckung. Dafür muss die Kirchengemeinde mit ihren gut 100 Mitgliedern nochmals 120 000 Euro aufbringen. " Das Geld haben wir zusammen, aber die Eindeckung wird erst im nächsten Jahr möglich sein, wenn es das Wetter wieder zulässt ", berichtete der Pfarrer. Und danach muss das Dach des Kirchenschiffes erneuert werden.

Die Identifizierung mit der Dorfkirche geht offensichtlich über die Gemeinde hinaus. Das beweisen sowohl die Spenden als auch die Anteilnahme am Einbau der Glocken. Und zum Glockenguss war ein ganzer Bus gefahren.

EtwasechsMonatebrauchten die Glockengießer in Lauchhammer, um die Form für die Glocke aus Lehm zu bauen. Pfarrer Peter Mücksch erläuterte den Stiftungsvorständen den Produktionsablauf. Der Guss selber dauert nur wenige Minuten. Und ob die Glocke gelungen ist, weiß man erst Wochen später, wenn sie erkaltet und aus der Form geschlagen ist. Die Völpker Glocke mit dem Bild der heiligen Margarethe gelang auf Anhieb.

Die Stiftung der Kreissparkasse Börde hat in diesem Jahr ihr Vermögen um 500 000 Euro auf fünf Millionen aufgestockt. Aus den Erträgen fördert sie gemeinnützige Projekte im Sport, im Sozialen oder eben bei der Denkmalpflege. " Wir legen Wert darauf, dass wir eine breite Streuung erreichen, nicht nur Kirchensanierungen fördern ", sagte Christel Kinast. Im Frühjahr werde das nächste Mal über Anträge beraten.