96 Prozent der 221 Befragten sind für die Wiedereinführung des alten WR-Autokennzeichens. Das ergab eine Umfrage der Hochschule Heilbronn in Wernigerode. Oberbürgermeister Gaffert freut‘s. Landrat und Verkehrsministerium sind allerdings gegen die Rückkehr von "WR" ans Auto.

Wernigerode. Als vor drei Jahren die Kreise Wernigerode, Halberstadt und Quedlinburg zum Harzkreis fusioniert haben, bedeutete das gleichzeitig das Aus für die Kfz-Kennzeichen WR, HBS und QLB. Wer seither ein Auto angemeldet hat, fährt mit HZ durch die Landschaft. Ein Stich ins Herz für viele Autofahrer, ging doch mit dem vertrauten Nummernschild auch ein Stückchen Identität verloren.

Wenig tröstlich – die Wernigeröder sind kein Einzelfall. Bei so gut wie jeder Kreisfusion in Deutschland in den vergangenen 40 Jahren verschwanden auch Kfz-Kennzeichen von der Bildfläche – aber nicht aus dem Bewusstsein der Menschen. Das zeigt die Studie von Prof. Dr. Ralf Bochert, Dekan des Studiengangs Tourismusmanagement an der Hochschule Heilbronn. In den vergangenen Monaten befragten seine Studenten 11 000 Personen in 51 deutschen Städten. Die Ergebnisse liegen nun vor und wurden in dieser Woche von Bochert im Wernigeröder Rathaus vorgestellt.

Die große Mehrheit, nämlich 73 Prozent, wünschen sich ihr altes Kennzeichen zurück. Für Wernigerode sind die Zahlen noch eindeutiger. 96 Prozent der 221 Befragten sind für WR. Lediglich ein Prozent lehnt die Wiedereinführung des früheren Kennzeichens ab. Drei Prozent der Befragten hatte dazu keine Meinung.

Für den Tourismusprofessor sind die Ergebnisse nicht überraschend. "Ein Kennzeichen wie WR erzeugt Wahrnehmung, ist wohl das bekannteste Symbol für die Stadt", so Bochert. "Das ist eine echte Marketingchance, die man nutzen sollte." Auch Oberbürgermeister Peter Gaffert wertet das Resultat als "sehr erfreulich". "Sicherlich nicht das wichtigste Thema. Für eine Stadt wie Wernigerode, die von Tourismus lebt, ist das WR-Kennzeichen eine kostenlose Außenwerbung. Billiger bekommt man Werbung nicht", so Gaffert. Daher sei es durchaus von Vorteil, WR wieder einzuführen. "Selbstverständlich wollen wir nicht unser eigenes Süppchen kochen und uns damit nicht gegen den Harzkreis wenden." Doch die Freude bei den Wernigerödern wäre sicherlich riesengroß. "So ein Nummernschild ist wie ein Namensschild. Und HZ ist eben vielen noch fremd."

"Billiger bekommt man Werbung nicht"

Und wie stehen die Chancen für eine tatsächliche Rückkehr des WR-Kennzeichens? "Das ist politisch nicht so einfach", weiß Ralf Bochert. Im Main-Kinzig-Kreis (MKK) in Südhessen habe die Wiedereinführung von HU für Hanau ohne zusätzliche Verwaltungskosten funktioniert. "Auf jeden Fall sollten sich Stadt und Kreis einig sein", empfiehlt der Professor. Mit dieser Einigung könne man sich ans Land wenden. Die Landesregierung meldet das Anliegen dann beim Bund an: "Zustimmung muss auf allen Ebenen herrschen."

Das Ergebnis der Umfrage bedeute nicht, dass nun überall die Wiedereinführung durchgesetzt werde. "Aber es ist Bewegung in die Sache geraten." In Thüringen habe das Innenministerium zugesagt, das Ganze zu prüfen. Auch in Mecklenburg-Vorpommern sei man der Idee nicht abgeneigt.

Und in Sachsen-Anhalt? "Kfz-Kennzeichen haben ordnungspolitischen Charakter", belehrt Harald Kreibich, Sprecher des Landesverkehrsministeriums, auf Volksstimme-Nachfrage. Die Daten seien bei den Behörden konzentriert, Eigentümer, beispielsweise bei Straftaten, seien schnell ermittelt. "Unser Interesse ist es, diese Übersichtlichkeit nicht aufzuweichen. Deshalb werden wir in Sachsen-Anhalt von der Wiedereinführung alter Kennzeichen Abstand nehmen." Konkrete Anfragen habe es bisher noch nicht gegeben. "Aber wir würden jedem eine Absage erteilen", versichert Kreibich.

"HZ bedeutet ein Stück Kreisidentität"

Landrat Michael Ermrich spricht sich ebenfalls klar für HZ als alleiniges Kennzeichen im Harzkreis – und damit gegen WR – aus. "Weil HZ auch ein Stück Kreisidentität bedeutet", so der Wernigeröder. "Es würde sich auch die Frage stellen, nach welchen Kriterien die Städte ausgewählt werden, die dann ein eigenes Kennzeichen bekommen", sagt der Landrat, dessen Privatauto übrigens die Buchstabenkombination WR-WR trägt.

Also wenig Chancen für eine Rückkehr von WR? Prof. Ralf Bochert jedenfalls setzt seine Umfrage in den nächsten Wochen fort. "Wir sind wieder in 25 Städten unterwegs. Auch in Quedlinburg, dort rechne ich mit einem ähnlich deutlichen Ergebnis."Übrigens