Seit Jahren kämpft eine Bürgerinitiative für die Verbannung des Schwerlastverkehrs aus der Wernigeröder Innenstadt. Bisher erfolglos. Der Bau einer Ortsumgehung ist in weite Ferne gerückt. Doch die Initiative will nicht aufgeben.

Wernigerode l "Wir sind enttäuscht und müde", sagt Brigitte Tannert. Seit Jahren kämpfen sie, Günter Meißner und ihre Mitstreiter für die Verbannung des Schwerlastverkehrs aus der Innenstadt. "Doch inzwischen treten wir auf der Stelle."

Mühlental, Nöschenröder Straße, Schöne Ecke, Bach-Straße, Westerntor, Ilsenburger Straße - Laster, die vom Oberharz über die Bundesstraße 244 zur B 6n rollen, haben einen weiten Weg durch Wernigerode vor sich. Für die Anwohner bedeutet das vor allem Lärm, Abgase und Feinstaub. Deshalb wurde vor gut zwölf Jahren die Bürgerinitiative "B 244 - Wernigerode ohne Schwerlastverkehr" gegründet. Allerdings bisher ohne nennenswerte Erfolge, bilanziert Brigitte Tannert. Dabei waren sie so vielversprechend gestartet. 4000 Unterschriften, die dem Bundesverkehrsministerium in Berlin und dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) persönlich übergeben wurden, Kontakt zu Behörden der Stadt, des Kreises, des Landes, Naturschutzverbänden und Parteien. Diskussionsrunden mit dem einstigen Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU). Ein Feinstaubmessgerät sowie eine Tempoanzeigetafel wurden in der Nöschenröder Straße installiert. Alles auf Drängen der Bürgerinitiative. Mit welchem Ergebnis? Das Messgerät wurde längst wieder abmontiert, die Anzeigetafel ist ständig defekt. Und die Brummis brettern weiter durch Wernigerode.

Ein Tunnel durch den Fenstermacherberg als Ortsumgehung galt jahrelang als das Allheilmittel. Doch im Bundesverkehrswegeplan rückte das kühne Vorhaben immer weiter in den Hintergrund. Eine Machbarkeitsstudie zur Privatfinanzierung des Tunnelbaus wurde negativ beurteilt.

Immerhin soll der Verkehrswegeplan überarbeitet werden. "Die Ortsumgehung Wernigerode wird erneut beim Bund angemeldet und geprüft", stellt Bernd Kaufholz als Sprecher des Landesverkehrsministeriums in Aussicht. Der neue Verkehrsplan soll im Jahr 2015 vorliegen. "Das Prozedere haben wir schon zweimal durch", reagiert Günter Meißner auf diese Nachricht. "Und gebracht hat es nichts. Wir Harzer haben in Magdeburg eben keine Lobby."

Wenigstens sei das Thema noch nicht vom Tisch, schätzt Wernigerodes Baudezernent Burkhard Rudo ein. "Das können wir als Stadt nur begrüßen." Um die Transporter aus dem Oberharz umzuleiten, sei eine Ortsumgehung die einzige Alternative.

"Wir haben noch nicht resigniert."

Eine Chance sieht Rudo in der geplanten Umleitungsstrecke um Hüttenrode und um Blankenburg mit Tunnel durch die Teufelsmauer bis zur B 6n. Auch wenn es um dieses Projekt ebenfalls still geworden ist, ist es im Bundesverkehrswegeplan nach wie vor als "vorrangig" eingestuft, und die Planungen schreiten voran.

Jedoch, schränkt Rudo gleichzeitig ein, würde dies für Transporte in westliche Richtung weitere Wege und damit höhere Kosten bedeuten. Eine Umleitung der Brummis über die Kreisstraße durchs Trecktal, wie seit Jahren von der Bürgerinitiative favorisiert, hält der Baudezernent für unpraktikabel. "Die Straße müsste auch teuer ausgebaut werden. Und die Lärm- und Dreckbelastung verlagert sich dann nur nach Heimburg."

Trotz aller Rückschläge - Brigitte Tannert, Günter Meißner und ihre Mitstreiter wollen nicht resignieren. "Wir werden uns bei den Kreistagsmitgliedern für eine Umleitung durchs Trecktal stark machen", kündigt Brigitte Tannert an. Auch wolle sie den Kauf einer Blitzeranlage für die Nöschenröder Straße forcieren. "Ich werde im Ordnungsausschuss noch einmal auf eine Entscheidung drängen."

Hoffnung setzen Tannert und Meißner in die Wernigeröder Landtagsabgeordnete Angela Gorr, die die Belange der Bürgerinitiative viele Jahre lang unterstützt hatte. "Ich bin noch dran", so die CDU-Politikerin auf Volksstimme-Nachfrage. Sie wolle wieder Kontakt zur Chefetage der Felswerke aufnehmen, deren Kalklaster auch über die B 244 fahren. Für Ende Mai sei zudem ein CDU-Stammtisch zum Thema Verkehr in Wernigerode geplant.

Übrigens: Die Bewohner der Nöschenröder Straße werden ab Sommer vor eine weitere Herausforderung gestellt. Die Straße wird saniert, Versorgungsleitungen werden ausgetauscht. Wie der Verkehr in den nächsten zwei Jahren umgeleitet wird, werde nach Pfingsten entschieden, informiert Burkhard Rudo. "Entweder wir bauen bei halbseitiger Sperrung, oder wir leiten über Drei Annen Hohne und Hasserode um."