Zwölf Mal rückte die Feuerwehr aus, manchmal halfen sich Bürger auch selbst: Benneckenstein scheint diesen Sommer und Herbst eine Hochburg angriffslustiger Wespen zu sein. Experten raten zu Vorsicht vor Stichen, zu professioneller Hilfe und - wenn nötig - zur Entsorgung in diesen Tagen.

Benneckenstein. Familie Burghardt wunderte sich jedes Mal, wenn sie in ihren Bungalow kam und auf den Boden sah. Die Gardine am Fenster - wurde die nicht immer kleiner? Ja, wurde sie. "Als wir der Sache auf den Grund gingen, entdeckten wir ein ziemlich großes Wespennest", berichtet Simone Burghardt. "Die Wespen fraßen die Gardine Stückchen für Stückchen ab", so Mutter Helga Mückenheim. Was tun? Die Biester können gehörig stechen. "Ich habe sowas noch nie gesehen", meinte Frau Burghardt und holte den Vater, Otto Mückenheim. Der entsorgte das kopfkissengroße Nest. Er ist nicht der einzige Benneckensteiner, der sich mit Wespen konfrontiert sieht.

Insgesamt zwölf Mal musste die Feuerwehr Benneckenstein seit Juni schon ausrücken, um statt eines Brandes die nicht ungefährlichen Insekten aus Häusern zu entfernen, wie Stadtwehrleiter Dirk Czekay, selbst Benneckensteiner, informierte. Fälschlicherweise, denn die Feuerwehr ist weder dafür zuständig noch für den Insektenkampf ausgerüstet.

Jetzt brummt‘s – doch das gilt als ganz normal

"Wir nahmen dann stets das Nest vorsichtig ab, brachten es in den Wald - und dann hieß es, laufen ...", so der Feuerwehrchef weiter. Bei dieser artfremden Löscharbeit kam es zu Stichen und Verletzungen bei allergisch reagierenden Kameraden, die dann sogar ärztlich behandelt werden mussten.

Im Falle eines Falles sollten deshalb besser professionelle Schädlingsbekämpfer eingeschaltet werden, wird geraten. Angst vor einer Wespenflut oder filmgenährte Horrorvorstellungen von einem Angriff von Killerwespen braucht aus Sicht von Fachleuten aber niemand haben.

"Es ist ganz normal, dass die Nester jetzt entdeckt werden, jetzt brummt‘s sozusagen", informiert Dr. Peer Schnitter vom Landesamt für Umweltschutz in Halle auf Nachfrage: "Die Wespen haben sich ihre Nester seit dem Frühjahr aufgebaut, ihre Größe erreicht und sterben jetzt nach den ersten kalten Tagen so langsam ab."

Der Experte weiß um die Probleme mit Wespen im Siedlungsbereich. Die Tierchen fressen sich etwa durch Balken, zerkauen das Holz und bauen daraus ihr Nest. Die Verwandlung der Gardine von Familie Burghardt in Baustoff fürs Wespennest sei nichts Ungewöhnliches. Das größte Wespennest, das Feuerwehrchef Czekay vor Jahren sah, war 1,50 Meter breit und etwa 12 Meter lang - es zog sich durch das ganze Haus.

Wenn so ein Nest schon entsorgt werden muss, dann sei jetzt die beste Zeit dafür, so Schnitter. Denn die Wespen gehen derzeit zugrunde - bis auf die Königin, die dann im nächsten Jahr ein neues Volk aufbaue - besser außerhalb des Hauses oder Gartens.

Bei aller Angriffslust gelten aber auch Wespen als nützlich, weil sie Blattläuse und andere Insekten vertilgen und bei der Bestäubung in der Natur helfen. Auch sollte jeder bei einer etwaigen Entsorgung Vorsicht walten lassen und genau hinschauen, ob es wirklich Wespen sind und nicht die geschützten, doppelt so großen Hornissen oder die nicht so angriffslustigen Bienen. Erst dann sollte Hilfe geholt oder das Nest - wie von Otto Mückenheim – vorsichtig in den Wald gebracht werden.

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