Wernigerode. "Friedrich Ebert 1871- 1925 - vom Arbeiterführer zum Ministerpräsidenten" ist der Titel einer Wanderausstellung, die jetzt in der "Papierfabrik" der Hochschule Harz zu sehen ist.

Fast 200 Interessenten folgten am Mittwochabend der Einladung nach Hasserode. Sehr zur Freude auch von Prof. Dr. Armin Willingmann, der in seiner Begrüßung unter anderem darauf verwies, dass die Hochschule längst zu einem Ort geworden ist, der außerhalb ihres eigentlichen Lehrauftrags vielfältige Veranstaltungen anbietet. Dabei reicht die Palette nach den Worten des Rektors von der Kinder- und Generationenhochschule bis hin zu wechselnden Kunstausstellungen.

Dr. Ringo Wagner von der Friedrich-Ebert-Stiftung berichtete, dass die gemeinsam mit der Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte Heidelberg entwickelte Ausstellung bisher deutschlandweit in 60 Städten sehr erfolgreich gezeigt worden ist. Wernigerode ist die 61. Station. Wagner: "Ich weiß nicht, ob Ebert einmal hier gewesen ist." Das besondere an ihm ist, dass der Politiker der "erste Mann aus dem Volke" war, der an die Spitze des deutschen Staates gelangte. Dass dies einem ehemaligen Sattlergesellen gelang, "damit konnten sich viele nicht abfinden". Und: "Er wurde so zu einer Schlüsselfigur".

"Eine historische Persönlichkeit für alle"

Die nur zwei Tage nach seinem plötzlichen Tod durch eine verschleppte Blinddarmentzündung am 2. März 1925 gegründete Stiftung nannte Ringo Wagner bundesweit die älteste und traditionsreichste. Erschaffen "aus der bitteren Einsicht, dass es nicht gelungen war, die Mehrheit der Bürger von demokratischen Werten zu überzeugen". Die Erinnerung an den ersten frei gewählten Reichspräsidenten wird in einem Archiv mit inzwischen 40 000 Metern laufender Schriften und einer 50 000 Bände starken Bibliothek bewahrt. Ringo Wagner mit Blick auf die Wernigeröder Schulen: "Es wäre schön, wenn die Ausstellung hier zu einem Klassenzimmer würde."

Dass Friedrich Ebert einst Finanzpolitiker war, strich Jens Bullerjahn (SPD) heraus. Sachsen-Anhalts oberster Kassenhüter ermutigte dazu, auf die eigenen Wurzeln zurückzublicken und zu reflektieren, "was wir machen, ist notwendig". Und: "Ich bin dankbar dafür, dass wir Demokratie heute ganz anders leben können". Seinerzeit war dies "etwas gefährlicher". Der politische Wettbewerb ist aus seiner Sicht im Übrigen etwas Gutes. Weitaus besser, als wenn nur eine Partei sagt, was richtig zu sein hat. Der Finanzminister: "Friedrich Ebert ist eine historische Persönlichkeit für alle."

Die fachliche Einführung in die Ausstellung gab abschließend Dr. Bernd Braun, Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte Heidelberg. Der Referent nannte den Politiker "in vielfacher Hinsicht eine Ausnahmegestalt". So war er im höchsten Amt des Staates als erster kein Adeliger und hatte nie beim Militär gedient. Ebenso war der Heidelberger der erste Nichtpreuße als Reichspräsident und zwischen 1871 und 1945 der einzige sozialdemokratische.

Bis Freitag, 26. November, kann Leben und Werk des Politikers von Montag bis Freitag jeweils von 8 bis 18 Uhr Am Eichberg 1 besichtigt werden.