2011 feiert der Stapelburger Heinrich Bruns seinen 99.Geburtstag. Älter als er ist in Stapelburg niemand. Nach wie vor nimmt er gern an dem Geschehen im Ort teil. Und rückblickend ist seine Familie heilfroh, dass er bereits 1999 damit begann, sein gleichermaßen interessantes, wie spannendes Leben aufzuschreiben.

Stapelburg. Heinrich Bruns ist mit seinen 98 Lenzen ein echtes Stapelburger Urgestein. Geboren wurde er 1912 in der späteren Schneiderwerkstatt Wilhelm Riefenstahls. Dort wohnt mittlerweile eines seiner zwei Enkelkinder. Bruns hat auch schon fünf Urenkel.

Geboren wurde er als Sohn eines Maurers und einer Landwirtin. Das heute bewohnte Haus hatte der Vater zwischen 1910 und 1912 selbst gebaut. Dort wohnen heute noch drei Generationen seiner Familie unter einem Dach. Das allein ist schon eine Besonderheit.

Der Vater ist bereits 1919 an den Folgen von im ersten Weltkrieg erlittenen Verletzungen in seinem Stapelburger Haus gestorben. Da war der kleine Heinrich gerade erst sieben Jahre alt.

Bruns muss ein sehr guter Schüler gewesen sein. In der Naturheilanstalt Jungborn im Eckertal wurde er als kaufmännischer Lehrling beschäftigt. Dafür hatte seinerzeit sein Lehrer maßgeblich die Weichen gestellt.

Eine Episode aus dieser Zeit muss ihn nachhaltig beeindruckt haben. Bis heute huscht ein verschmitztes Lachen über sein Gesicht, wenn er sie erzählt: Als Lehrling hatte er einer Dame im Jungborn ein Telegramm zu überbringen. In der Naturheilanstalt wurde bekanntlich streng darauf geachtet, dass sich die nackten Frauen und Herren niemals direkt begegneten. Auf sein Klopfen hin, wurde ihm schwungvoll die Tür geöffnet, worauf sich der junge Bruns urplötzlich einer splitternackten Dame gegenübersah: "Ich weiß bis heute nicht mehr, ob ich ihr das Telegramm noch direkt übergeben konnte oder ob es ihr bei meiner panikartigen Flucht nicht doch flatternd vor die Füße fiel".

Kaufmannslehre prägte Laufbahn nachhaltig

Später arbeitete der blutjunge Bruns in einem Lebensmittelversand in Bad Harzburg sowie danach in Hamburg. In einer Spedition kündigte er, weil ihm der Chef zu seinen 80 Mark Monatsverdienst keine weiteren zehn zahlen wollte. Als Funker im zweiten Weltkrieg bekam Bruns mal von einem Feldwebel eine Ohrfeige. Ohne Fahrerlaubnis und jegliche Praxis hatte er einen Jeep prompt gegen einen Baum gefahren. Völlig unmilitärisch wollte er sich noch entschuldigen, was bei seinem Vorgesetzten offenbar wenig Eindruck hinterließ. Das Ende des Krieges und vom Tod Hitlers erfuhr der Nordharzer 1945 in Budapest. In Kriegsgefangenschaft musste er aber nie.

Der 98-jährige Stapelburger war insgesamt dreimal verheiratet. Seine letzte Frau ist vor über 13 Jahren verstorben. Er war jahrelang Leiter der damaligen Spar- und Darlehenskasse in Stapelburg beziehungsweise Abbenrode. Jahrelang arbeitete er als Standesbeamter. Noch bis 1980 war Heinrich Bruns Hauptbuchhalter bei den Harzer Strickwaren in Ilsenburg: "1999 habe ich damit begonnen, mein Leben aufzuschreiben", meint er. Ohne seine vier Aktenordner wäre manche Episode heute wahrscheinlich schon längst in Vergessenheit geraten.

   

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