So einen rührigen Ortschro-nisten wünscht man sich überall. Dabei stammt Georg Zappen noch nicht einmal aus Heudeber. Seit der gebürtige Dardesheimer sich 1990 mit dem Thema der regionalen Geschichte rund um "sein" Dorf auseinandersetzt, hat sie ihn nie wieder losgelassen. Seine Arbeit wird seither hochgeschätzt. Mit diversen Chroniken sowie einem Kalender hat Georg Zappen längst Spuren hinterlassen.

Heudeber. Fremden wird es üblicherweise in einem Dorf nicht gerade leicht gemacht. So hätte es dem gelernten Schuhmacher Georg Zappen (72) eigentlich 1956 auch ergehen können, als er von Dardesheim in die Ziegelei nach Heudeber wechselte. 36 Jahre malochte er dort. Die Einheimischen haben sehr schnell erkannt, dass dieser Mann sich mit seiner neuen Umgebung in ganz besonderem Maße identifiziert: "Ich bin hier voll angekommen. Heudeber war schon immer meine Heimat und das bleibt sie auch". Worte wie diese nimmt Zappen jeder gern ab: "Heudeber ist interessant. Da musst du Lust zu haben. Sonst wird diese ganze Sache nichts".

"Heudeber war schon immer meine Heimat"

Die über 100-seitige neue Ortschronik hat Zappen gerade rechtzeitig zum Drucken fertig. Anlass ist die 1075-Jahr-Feier Heudebers im nächsten Jahr. Das Ganze ein chronologisches Sammelsurium aus neuen historischen Fotos, Daten und Fakten. Wenn sich durch ein Schriftstück wieder mal eine geschichtliche Lücke im Ort schließen lässt, kann sich darüber niemand so sehr freuen, wie gerade der rührige Chronist.

Genauso erging es ihm auch mit dem 1994 zufällig gefundenen Tagebuch von dem Schneider und "Kossaten" Michael Wolff. 1785 hat dieser Mann begonnen, Heudebers Geschichte minutiös zu dokumentieren. Er und Zappen hätten sich höchstwahrscheinlich bestens verstanden: "Das ist eine Rarität", bei der ein Mann, wie der heutige Ortschronist, beinahe feuchte Augen bekommt. Gut möglich, dass sich Geschichtsmuseen danach reißen würden, was Zappen unter zentimeterdickem Staub im Dorfkrug einst "ausgegraben" hat. In dem Tagebuch sind sämtliche französischen und preußischen Truppenbewegungen von 1806 ebenso vermerkt, wie das tägliche Wetter. Und zwar über 60 Jahre. Selbst die sich verändernden Kornpreise und damit verbundenen Sorgen und Nöte des "kleinen Mannes" sind penibel vermerkt worden.

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