Wernigerode/Schierke/Wolfsburg l Einen Spitznamen hat das geplante Schierker Eisstadion bereits: "Pringles"-Arena wird es seiner Kartoffel-Chip ähnlichen Form wegen im Volksmund genannt. Nun hat das Stadion auch ein reales, architektonisches Vorbild. Es steht in Wolfsburg und beherbergt den Parkplatz für die Gäste des Kundencenters der Autostadt.

Entworfen wurde die scheinbar schwebende Dachkonstruktion von den gleichen Architekten, die den Zuschlag für das Natureisstadion im Tal der Kalten Bode erhielten. Der Wernigeröder Patrick Kaiser hat das Wolfsburger Projekt im Deutschen Architektenblatt entdeckt und seinen Fund auf Facebook einer breiten Öffentlichkeit präsentiert.

Für ihn ist das Schierker Projekt nicht mehr als ein "müder, jedoch teurer Abklatsch eines bereits existierenden Schutzdaches für Autokäufer". Das Eisstadion weise durch den bereits verwirklichten Bau in Wolfsburg "nicht mal mehr einen Unikatcharakter" auf. Er schreibt weiter: "Ich fordere, dass die Millionenversenkung in ein ¿Pringles-Dach von der Stange\' für das Eisstadion in Schierke nicht stattfindet und stattdessen ein günstigerer Ansatz gesucht wird."

Sechs Millionen Euro sind als Kostenobergrenze für die denkmalgeschützte Schierker Anlage vorgesehen. In einem mit dem Landeskompetenzzentrum Stadtumbau initiierten Wettbewerb wurde der Entwurf der Berliner ausgewählt, der Stadtrat stimmte in seiner Juli-Sitzung einer Zusammenarbeit zu.

Im Wernigeröder Bauamt ist das auffällige Dach aus der Autostadt bekannt. "Die Ähnlichkeit zum Eisstadion ist zweifelsohne da", räumt Baudezernent Burkhard Rudo ein. "Bei der Bewertung im Wettbewerb hat das aber keine Rolle gespielt."

Es sei sogar von Vorteil, dass das Büro mit den technischen Rafinessen dieser Dachkonstruktion vertraut ist. Und: Ein Unikat sei bei der Auswahl des Entwurfs nie angestrebt worden. Rudo zufolge unterliege auch die Architektur gewissen Modeströmungen: "Präferiert man ein schwebendes Dach, kommt man zwangsläufig zu einer gekrümmten Form."

Nora Zerelli vom Büro Graft ist überzeugt, gerade wegen der Erfahrung, die das Team bereits in Wolfsburg gesammelt hat, die Kosten für das Eisstadion besonders gut im Griff zu haben. Zudem gebe es deutliche Unterschiede. "Das Stadion in Schierke besteht aus einem freien, großen und schönen Bogen, der Blicke in den Harz ermöglicht und gleichzeitig den Denkmalschutz respektiert", so die Sprecherin. Zwischen den beiden Gebäuden gebe es zwar Ähnlichkeiten im Prinzip, der Ausdruck sei aber ein völliger anderer.

Startschuss fällt Ende 2014

Den Zuschlag erhielten die Berliner Planer auch, weil sich die Anlage wegen ihrer geschwungenen Dachform besonders gut in die Wälder und Berge rings um Schierke integriert. "Der Entwurf ist eine direkte Reaktion auf den Ort. Das Stadion ist für den Ort entworfen", betont Nora Zerelli.

Das mit den Planungen beauftragte Berliner Büro arbeitet derzeit an konkreten Entwürfen. Im März 2014 sollen die Anträge auf Fördergeld gestellt werden. Etwa Zweidrittel der Summe könnten vom Land gezahlt werden, da "das Projekt eine große Bedeutung für den Ort hat", so Rudo. Ende 2014 soll ihm zufolge der Startschuss für die Arbeiten fallen.

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