Bei einem Schwelbrand fanden am zweiten Weihnachtsfeiertag ein 72-jähriger Rentner sowie dessen Hund in Wasserleben den Tod (Harzer Volksstimme berichtete). An dem Rettungseinsatz waren 53 Nordharzer Feuerwehrleute sowie auch Wernigeröder Kameraden beteiligt. Der Alarm war von einer besorgten Nachbarin am 26. Dezember um 11.31 Uhr ausgelöst worden.

Wasserleben. Zweiter Weihnachtsfeiertag in Wasserleben. Auch in diesem Ortsteil bereiteten die Menschen ihren Festtagsbraten vor. Doch zumindest bei der Feuerwehr sowie in Teilen der Straße der MTS wurde die Weihnachtsstimmung jäh unterbrochen.

Es war 11.31 Uhr, als bei der Freiwilligen Feuerwehr Alarm ausgelöst wurde. Aus einem alten Wohnhaus meldete eine besorgte Nachbarin, die im direkt angrenzenden Hinterhaus wohnt, dichte Rauchwolken. Es handelte sich um die Wohnung von Dieter R., einem einsamen 72-jährigen Rentner.

Zu diesem Zeitpunkt wusste noch niemand, dass die zu Hilfe eilenden Retter ihn wenig später nicht mehr lebend bergen können. Das betraf auch seinen treuesten Gefährten: einen alten Hund, den die Rettungskräfte im Wohnzimmer neben ihm auch leblos auffanden.

Fünf Wehren mit 53 Kameraden im Einsatz

Das Opfer war Jahrgang 1938. Seine Eltern sind schon zu DDR-Zeiten verstorben, seine Frau später ebenso. Täglich wurde er in der Straße der MTS von einem Pfleger sowie einer Krankenschwester aufgesucht. Das warme Essen hatte man ihm geliefert.

Doch an diesem Tag blieb es unbeachtet neben dem maroden Hauseingang des uralten Holzhauses zurück. Und das auch noch, als die insgesamt fünf Wehren aus Wasserleben, Stapelburg, Langeln, Vecken-stedt und Wernigerode mit ihren Löschzügen längst wieder abgerückt waren. Dabei hatten die Wernigeröder Kameraden auch eine Wärmebildkamera im Einsatz.

Ab 14 Uhr war schließlich das äußerlich beinahe unbeschädigt wirkende Haus für beinahe drei Stunden der Einsatzort für den Halberstädter Brandursachenermittler.

Wahrscheinliche Todesursache: Rauchgas

Christoph Heicke vom Kriminaldauerdienst: "Noch steht es nicht fest, weil der Mann obduziert werden muss. Aber sehr wahrscheinlich ist, dass er durch das eingeatmete Rauchgas umkam". Auslöser könnte ein antiquierter elektrischer Heizkörper gewesen sein, der früher in Bahnwaggons der Deutschen Reichsbahn verwendet wurde. Die Ermittlungen dürften die Experten noch eine Weile beschäftigen.

Auf jeden Fall hatte der Rentner einen derart desolaten Schornstein, dass er nur noch elektrisch heizen konnte. Genau dieser Umstand könnte ihm zum Verhängnis geworden sein.

Jürgen Schmidt ist im Nachbarhaus geboren und kennt den verunglückten Mann seit Jahrzehnten. Was er über den Toten erzählte, war die Geschichte eines völlig Verein-samten – ohne jegliche familiäre Bindung, obwohl es noch eine Schwester in Rostock geben soll. Zu ihr gab es dem Vernehmen nach keinerlei Kontakt. Allein lebte der Rentner schon seit den frühen 80-er Jahren. Der Nachbar zeigte sich sehr betroffen von diesem Unglück zehn Meter vor seiner Haustür: "Die Nachbarin, die den Alarm auslöste, hat hinter dem Haus einen 3 000 Liter fassenden Gastank. Da muss man sich mal vorstellen, was hier hätte passieren können."

17.35 Uhr: Die Polizisten warteten bis zu diesem Zeitpunkt in eisiger Kälte auf ein Wernigeröder Bestattungsunternehmen. Während sichtlich betroffene Nachbarn und Passanten immer wieder verharrten oder sich erkundigten, was der ungewöhnliche Menschenauflauf an so einem Feiertag überhaupt zu bedeuten hat.

Wasserlebens Ortsbürgermeister Horst Wrackmeyer verschloss die Haustür mit einer Eisenkette. Er sicherte zu, die geborstenen Fenster provisorisch schließen zu lassen, da Nachbarn Vandalismus oder sogar Brandstiftung in dem inzwischen versiegelten Haus befürchten.

 

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