Das "Orchester Deutsche Einheit", kurz "ODE" genannt, startet am 26. Dezember zu einer zweiwöchigen Tournee durch China. Die Harzer Musikfreunde werden deshalb zum Jahreswechsel auf Christian Fitzner und sein Ensemble verzichten müssen. Dafür springt seine Gattin mit ihrem Ballorchester Julia Graeber in die Bresche.

Wernigerode. "Zehn Konzerte in 14 Tagen, das ist ganz schön straff", sagt Christian Fitzner. Der Geschäftsführer und Dirigent des Philharmonischen Kammerorchesters Wernigerode sitzt schon fast auf gepackten Koffern.

Am zweiten Weihnachtstag startet er mit seinem Ensemble und den jungen Künstlern vom "Orchester Deutsche Einheit" ("ODE") von München aus nach Peking. Insgesamt 75 Musiker aus zehn Bundesländern und Frankreich sowie acht Techniker bzw. Betreuer werden im Flugzeug Platz nehmen. Als Solistin wird das chinesische Publikum die Wernigeröder Geigerin Tabea Toppel erleben. "Wir haben gesagt, unser Orchester ist zu klein für diese Bühnen", begründet der Musikdirektor die personelle Verstärkung.

Bereits zum Jahreswechsel 2009/10 hatte Fitzner in dem fernöstlichen Land gastiert. Die verantwortliche Kölner Konzertagentur war begeistert. Der Dirigent: "Wir wurden angesprochen, ob wir wiederkommen wollen."

Von Peking geht die Reise weiter nach Hangzhou, Changxing, Quanzhou, Fuzhou und Huzhou. Zum Abschluss der Tournee steht erneut Hangzhou auf dem Plan, ehe der Tross am 11. Januar von Shanghai aus zurück nach Deutschland aufbricht. Christian Fitzner: "Diese Städte sind vermutlich alle größer als Sachsen-Anhalt."

Auf dem Programm für die seiner Erfahrung nach "total fanatischen Fans" stehen im klassischen Konzertteil Werke von Rossini, Sarasate, Debussy, Liszt, Williams und Elgar. Dann geht es weiter mit Strauß-Melodien. Den Abschluss des gut anderthalbstündigen Programms bilden Volkslieder.

"Sie gehen mal raus oder telefonieren"

Im Gegensatz zu den deutschen Zuhörern sind die Chinesen "nicht so diszipliniert", hat der Musikdirektor registriert. "Sie gehen mal raus oder telefonieren." Dennoch ist die Tournee "für uns eine Riesenchance, weil sie neue Horizonte öffnet".

Die wesentliche Vorarbeit dafür hat das Auswärtige Amt geleistet. Den Kontakt haben die CDU-Bundestagsabgeordnete Heike Brehmer und ihre Parteifreundin aus dem sachsen-anhaltischen Landtag, Angela Gorr, vermittelt. Die Finanzierung des Projekts übernehmen zu je einem Drittel der Bund, die 16 bis 25 Jahre jungen "ODE"-Mitglieder und das Kammerorchester sowie die Gastgeber. Ersteres trägt einen Teil der Flugkosten, letztere bezahlen das Rahmenprogramm, unter anderem mit Besuchen der Großen Mauer und der Verbotenen Stadt, Hotels sowie Verpflegung. Christian Fitzner: "Zwischenzeitliche Ausflüge halte ich für ganz wichtig." Und: "2009 hatten wir überhaupt keine Probleme. Wir konnten uns frei bewegen."

Während "ODE" als klingender Botschafter durch China tourt, übernimmt das Ballorchester Julia Graeber daheim die traditionellen Konzerte zum Jahreswechsel. Die Ensemblechefin: "Wir bieten analog das, was sonst das Philharmonische Kammerorchester spielt." So werden die zehn stilvoll kostümierten Musikerinnen und Musiker einen furiosen Mix aus Klassik und leichter Muse präsentieren. Auf dem Programm stehen Melodien von Lincke, Léhar, Strauß, Offenbach, Brahms und Kalman. Als Solisten konnten mit Fabienne Keppler (Sopran) und Roman Tsotsalas (Bariton) zwei bereits von den Wernigeröder Schlossfestspielen bekannte Künstler verpflichtet werden. Julia Graeber sichtlich gelöst: "Wir se-hen das alle sehr humorvoll."

Wer sich diesen Hochgenuss nicht entgehen lassen möchte: Zur Silvestergala am Donnerstag, 30. Dezember, ab 20 Uhr in der Ilsenburger Harzlandhalle gibt es noch reichlich Karten. Für die drei Wernigeröder Konzerte am Freitag, 31. Dezember, in der Aula des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums sind hingegen nur noch etwa 30 bis 40 Tickets zur Vorstellung um 17 Uhr erhältlich.