In der Serie "Neue Fassaden - alte Geschichten" stellt die Harzer Volksstimme historisch interessante Häuser in Wernigerode vor. Mit diesem Thema haben sich auch Heimatforscher wie Dr. Uwe Lagatz und Mitarbeiter der Oskar Kämmer Schule, unterstützt von der KoBa, befasst. Ihre Erforschung fließt in die Beschreibungen mit ein. Der Rundgang führt heute zur Burgstraße 17.

Wernigerode. Prächtige Häuser von Kaufleuten prägten einst die Burgstraße. Der Stadtbrand von 1751 vernichtete dort wie auch in der Büchtingenstraße viele dieser schönen Bauten. Überwiegend schlicht sind die heute die Straße prägenden Fachwerkhäuser gehalten.

Zu den Ausnahmen gehört das Haus mit der Nummer 17. Dort fallen ein sehr schön gestalteter Zierrahmen über dem Eingang und ein wunderbarer Türklopfer aus Messing auf. Errichtet ist es im Jahr 1752. Vermutlich von einem Kaufmann, worauf die große Kefferbalkengaube auf dem Dach schließen lässt. Daneben befinden sich zwei kleine Spitzgauben.

Beim Vorgängerbau lassen sich bis 1599 mehrere Besitzer nachweisen, darunter bis 1700 drei Generationen der Familie Tolle. Dann folgen unter anderem ab 1741 der königliche Einnehmer Ernst Geyer aus Rossheim. Nach dem Neubau 1752 sind es Johann Ernst Geyer und Lucia Magdalena Köhlern sowie 1885 der Obereinnehmer Christian Friedrich Riccius, später ein Bierbrauer, Kaufmann, Mühlenbesitzer, Prokurist, erneut ein Kaufmann und dann ein Buchbinder.

Gegenwärtig befinden sich in dem Haus ein Reisebüro und mehrere kleine Wohnungen. Die zusätzliche Ladentür sind, so vermuten Historiker, wie auch das große Schaufenster, später eingebaut worden. Die Gefache sind mit Backsteinen in verschiedenen Richtungen ausgemauert.

Obergeschosse ragen leicht hervor

Ein Wolfenbüttler, der das Haus nach der Wende 1990 erworben hatte, ließ die Fassade liebevoll sanieren und schuf im Vorderhaus für Studenten Wohnraum. Im Garten des Grundstücks befindet sich ein weiteres Gebäude, das bisher nicht saniert ist.

Bei dem dreigeschossigen, ursprünglich symmetrisch angelegten Bau ragen die beiden Obergeschosse leicht hervor. Die Haustür ist über Treppenstufen zu erreichen. Rechts und links daneben haben sich wahrscheinlich ursprünglich jeweils zwei Fenster befunden. Der über die Eingangstür angebrachte Zierrahmen ist ein wahres Schmuckstück dieses Hauses. Die künstlerische in Holz geschnitzte Kartusche stammt aus dem Jahr 1752. Dort steht als Blickfang in Originalschrift zu lesen: "Was uns ein Trauertag in großen Brand entrißen, wird Gottes reiche Hand schon zu ersetzen wießen. Johann Ernst Geyer – Lucia Magdalena Köhlern".

Übrigens: Diese Burgstraße, die aus der Altstadt über den Nicolaiplatz zur Burg führt, war bis zum Stadtbrand von 1751 sehr eng. Sie wurde vor dem Wiederaufbau der Häuser verbreitert und sozusagen gerade gelegt. Weitere Bezeichnungen waren Borghesterate (1380) und später Borchstrate.

 

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