Aus Drei mach eins: Auf dem Weg zu den gemeinsamen Harzer Verkehrsbetrieben sind die kreiseigenen Firmen aus Ballenstedt, Halberstadt und Wernigerode ein gutes Stück vorangekommen. Das soll der gemeinsame Kauf von acht Bussen deutlich machen.

Wernigerode/Ballenstedt l Sie gleichen beinahe einander wie ein Ei dem anderen, und das aus gutem Grund. Zum Gruppenbild vor acht nigelnagelneuen Bussen - Stückpreis rund 220000Euro - haben sich Mitarbeiter der Harzer Verkehrsbetriebe aus Halberstadt und Wernigerode und Q-Bus-Mitarbeiter aufgestellt; komplettiert durch Vize-Landrat Martin Skiebe als Aufsichtsratsvorsitzendem und Vertretern des Herstellers MAN.

Das rollende Oktett wird die Fuhrparke beider Verkehrsfirmen modernisieren. Ebenfalls acht auszurangierende Busse rollen zwar nicht zur Schrottpresse, jedoch zu Gebrauchtwagenhändlern. Vorbei auch die Zeiten, als Firmen aus dem osteuropäischen Bulgarien sich über die Harzer Bus-Oldtimer noch freuten ...

"Niemand soll sich als Verlierer fühlen", das sagt Eckhardt Nitschke, der Geschäftsführer der Harzer Verkehrsbetriebe speziell an die Adresse der Kollegen aus Halberstadt. Ihren Busbetrieb gibt es nicht mehr. Geschluckt vom größeren Unternehmen aus Wernigerode, das sich zuvor einen neuen, einen die Region verbindenden Namen zuzulegen hatte.

Diese Übernahme auf dem Wege der sogenanten Verschmelzung war erst der Anfang. Im Jahr 2013 soll auch Q-Bus ein Teil der Harzer Verkehrsbetriebe sein, so hat es der Kreistag beschlossen. Nicht nur Nitschke findet, das ist der richtige Weg: "Leistungsstarker öffentlicher Busverkehr hat im Harzkreis nur dann eine Zukunft, wenn es uns gemeinsam gelingt, ein wettbewerbsfähiges Unternehmen zu formen."

Zum Wernigeröder Teil der Harzer Verkehrsbetriebe gehören 63Busse, zum Halberstädter35, und bei Q-Bus 46solcher Fahrzeuge. Bei der Neuwagen-Verteilung beschreiten die Verantwortlichen nicht den Weg der Fuhrparkgröße: Je dreiBusse fahren künftig in und um Halberstadt und Quedlinburg, zwei in und um Wernigerode. Darum unterscheiden sich die Fahrzeuge an der Frontpartie. Farbige Streifen verdeutlichen die Unternehmenswurzeln: rot für Halberstadt, grün für Ballenstedt, blau für Wernigerode.

Die Computertechnik in den Bussen ist für alle neu. Gemeinsam wird ein System eingeführt, das nicht nur das Abrechnen der Einnahmen erleichtert oder das zeitgenaue Orten der Busse für aktuelle Hinweise an den Haltestellen ermöglicht.

"Die nächste Fusion wird ein richtiger Brocken."

Aufsichtsratschef Martin Skiebe

Übrigens, unter dem Bus-Achter befindet sich ein Jubiläumsfahrzeug. Nach Ausschreibung und dem Vergleich von fünf Angeboten haben sich die Wernigeröder für MAN entschieden, deswegen können sie den 75.Bus binnen 20Jahren an die Harzer übergeben. Blickt Verkäufer Uwe Schmidt auf die im polnischen Poznan gefertigten Fahrzeuge, so antwortet er auf die Frage nach dem technischen Fortschritt: "Die größten Anstrengungen haben wir unternommen, um den Schadstoffausstoß unserer Busse zu verringern." Da das technisch bedingt zulasten des Kraftstoffverbrauchs gehe, sind die Getriebe weiterentwickelt worden, so der Experte aus Dresden.

Apropos Kraftstoff: Die Preisentwicklung bei Diesel, Benzin und Erdgas belastet auch die Busbetriebe. Allein in diesem Jahr beziffert Nitschke die Mehrkosten auf 200000Euro gegenüber dem Vorjahr. Ein Betrag, der nicht eins zu eins auf den Fahrpreis umgelegt werden könne, so der Geschäftsführer. Ein Argument mehr für den weiteren Weg zur Konzentration. Mit Jahresbeginn wird der Wernigeröder auch für den Ballenstedter Betrieb die Verantwortung übernehmen und als Q-Bus-Geschäftsführer fungieren. Johannes Knoppik ist zu diesem Zeitpunkt in Rente gegangen. Nach demselben Muster ist auch die HBB-Übernahme vollzogen worden, und bisher "erfreulich geräuschlos über die Bühne gegangen", schätzte Martin Skiebe ein.

Zum Beweis führt der Aufsichtsratschef die aktuellen Betriebsratswahlen an. Unter den sieben bei den Harzer Verkehrsbetrieben Gewählten befinden sich zwei Halberstädter Kollegen. Skiebe sagt aber auch, Q-Bus sei ein deutlich größeres Unternehmen als die Halberstädter Busbetriebe waren: "Die nächste Fusion wird ein richtiger Brocken."