Wernigerode l Anita und Klaus Heinrich aus Wernigerode haben heute vor 60 Jahren den Bund der Ehe geschlossen. Für die Harzer Volksstimme berichtet das Paar von ihrem gemeinsamen Weg.

Kurz vor der ersten Begegnung mit seiner Frau Anita war sich Klaus Heinrich sicher, dass er das nächste Mädchen, das er trifft, heiraten wird. Das war im Januar 1951. Der damalige Theologiestudent war mit dem Zug von Hamburg nach Eilenburg unterwegs. Im Treppenhaus des baptistischen Pfarrhauses wurde er Anita Mattulke vorgestellt. Erst später wurde Klaus Heinrich an seine Eingebung erinnert. Im Gedächtnis geblieben ist dem 85-Jährigen die Begrüßung: "Anitas Händedruck war außergewöhnlich fest und klar. Das imponierte mir."

Einige Tage blieb der damals 24-Jährige in Sachsen, bevor es zurück nach Hamburg ging. Zeit für zahlreiche Begegnungen der späteren Eheleute. Jedoch war es erst Liebe auf den zweiten Blick. Ein Brief des Eilenburger Pastors half nach und ließ Klaus Heinrich gut gemeint Anitas Anschrift zukommen. Heinrich griff tatsächlich zu Stift und Papier und schrieb einen Brief in die sächsische Kleinstadt. "Ich konnte es kaum glauben, dass er mir wirklich geschrieben hatte", sagt Anita Heinrich. Etliche Briefe folgten. Fast alle hat die bescheidene Frau aufbewahrt.

Anita und Klaus Heinrich verbindet eine ähnliche Geschichte. Sie sind gleich alt und beide eint der Glaube an Jesus Christus. Zudem mussten sie und ihre Familien in der Zeit der Kriegswirren die Heimat im heutigen Polen verlassen. Während Klaus Heinrich als Luftwaffenhelfer nach Berlin einberufen wurde, flüchtete Anita Heinrich mit ihrer gelähmten Mutter, die sie auf einem Handwagen hinter sich herzog. Während sie mit Mutter und Schwester in Eilenburg landete und dort in der Bäckerei des Onkels arbeitete, geriet Klaus Heinrich in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Dank seiner schriftlichen Englischkenntnisse wurde er Dolmetscher. Später studierte er für ein Semester katholische Theologie in Bamberg, bevor er an das Hamburger Theologie-Seminar der Baptisten wechselte. Für die Evangelische Freikirche stand er 40 Jahre als Prediger im Dienst; 1991 trat er in den Ruhestand.

"Den anderen achten und als Geschenk annehmen, ist mein Tipp für ein langes Eheleben."

Seit 1964 lebt Familie Heinrich in Wernigerode. "Die Stadt ist uns eine wunderbare Heimat geworden, einfach schon aufgrund der schönen Landschaft", sagt Anita Heinrich. Und Klaus Heinrich ergänzt, dass der Harz eine gewisse Ähnlichkeit mit seiner Heimat im Riesengebirge habe. Vier Kinder, 15 Enkelkinder und 9 Urenkel - die nicht nur verstreut in Deutschland, sondern auch in Amerika leben - hat das Ehepaar hervorgebracht. Stolz sind Anita und Klaus Heinrich auf ihre große Familie.

Im Alltag ist Anita Heinrich heute vor allem für die sozialen Kontakte der Eheleute zuständig. "Zu Besuchen bei Freunden nehme ich meinen Mann gern mit." Klaus Heinrich, der nach einer schweren Krebserkrankung gesundheitlich angeschlagen ist, verbringt viel Zeit mit Lesen. "Bücher waren meine Nahrung von Anfang an." Aber auch die Geologie hat es dem gebildeten Mann seit jeher angetan. Zeugnis davon sind die zahlreichen Gesteine in der Schrankwand der Heinrichs.

Schwierig war für die christliche Familie die Zeit in der DDR. "Das Problem DDR hatten in erster Linie unsere Kinder auszubaden", antwortet Klaus Heinrich auf die Frage nach den Tiefen in 60 Ehejahren. Trotz aller Widrigkeiten hielt die Familie zusammen. Die politische Wende brachte gerade für den Nachwuchs der Heinrichs zahlreiche neue Chancen.

Die Diamantene Hochzeit am heutigen Donnerstag ist ein großer Höhepunkt für die Heinrichs. Morgen feiert das Ehepaar das besondere Jubiläum passend zu den Ehejahren mit rund 60 Gästen aus Familie und Kirchengemeinde. Der jungen Generation gibt Anita Heinrich mit auf den Weg: "Den Anderen achten und als Geschenk annehmen, ist mein Tipp für ein langes Eheleben."