Ist das Betreten des Nationalparks tatsächlich lebensgefährlich? Diese Frage stellten sich die Kameraden der Ilsenburger Feuerwehr nach dem kürzlichen Herbststurm. Bei dieser Gelegenheit wurde die Kritik, wonach umgestürzte Bäume erneut die Rettungswege blockierten, erneuert. Im gleichen Zuge wurde seitens des Ordnungsamtes moniert, dass die Ilse von Laub und Ästen nur ungenügend beräumt werde. Darauf reagierte jetzt die Nationalparkverwaltung.

Ilsenburg. Es ist Freitag, der 12. November. Die Sturmwarnungen des Deutschen Wetterdienstes sowie der Rettungsleitstelle in Halberstadt werden wie üblich von Mitarbeitern des Nationalparks Harz sofort ins Internet gestellt. Sie beziehen sich auf den gesamten Oberharz im Allgemeinen und auf Ilsenburg im Besonderen. Der MDR gibt diese Information ebenfalls im Hörfunk und Fernsehen weiter. Auch der Brockenwirt warnt in einem Interview davor, die Brockenwälder zu betreten. Die Nationalparkverwaltung nimmt diese Warnungen wegen der hohen Gefährdung zum Anlass, sein eigenes Personal für das Wochenende beinahe komplett aus dem Wald abzuziehen. Für den Scharfenstein trifft das aus verschiedenen Gründen jedoch nicht zu.

Ein älteres Ehepaar wandert an jenem Sonnabend nicht nur im Nationalpark, sondern offenbar mit einem GPS-Empfänger zielgerichtet in der Kernzone. Abgesehen von der groben Fahrlässigkeit, alle einschlägigen Warnungen ignoriert zu haben, sei das Verlassen der Wege in jedem Fall illegal.

"Wanderer handelten mehrfach grob fahrlässig"

Die Frau habe sich an diesem Tag inmitten des weitgehend unzugänglichen Geländes einen Knöchelbruch zugezogen, so der Sprecher des Nationalparks, Friedhart Knolle, auf Nachfrage der Harzer Volksstimme.

Das bestätigt im Nachhinein auch Hans-Henning Scheithauer aus Ilsenburg, der Revierleiter Scharfenstein, der dort im Auftrag des Nationalparks arbeitet. Man habe für solche Fälle stets ein System von Notfall-Rettungswegen, die entsprechend verschiedener Prioritäten freigehalten werden. Das ist auch an besagtem Sonnabend der Fall. Entsprechende Karten, um welche es sich genau handelt, müssten eigentlich alle Verantwortlichen kennen, nimmt die Nationalparkverwaltung an. Genau das aber hatten Ilsenburgs Feuerwehrleute kritisiert. Offensichtlich gibt es informelle Defizite diesbezüglich auch in der Halberstädter Leitstelle.

Im konkreten Fall hat der Rettungswagen zur Bergung der Frau für den Rückweg offenbar eine andere Strecke genommen als auf der Hinfahrt. Während zunächst also eine offizielle Zufahrt benutzt wird, die sehr wohl von umgestürzten Bäumen beräumt ist, begeht der Fahrer mit der Verletzten an Bord einen folgenschweren Fehler. Der von ihm benutzte Weg ist von zahlreichen Bäumen versperrt. Dazu hätte es nach Darstellung der Parkverwaltung überhaupt nicht kommen müssen. Insofern weist dessen Sprecher die Kritik der Feuerwehr als unzutreffend zurück.

Hans-Henning Scheithauer: "Eigentlich haben wir alles richtig gemacht". Im übrigen sei es in den 20 Jahren, in denen er in diesem Revier arbeitet, das erste Mal überhaupt gewesen, dass die Feuerwehr umgestürzte Bäume von den Waldwegen beseitigt hat. "Dafür sind sie auch nicht zuständig". Bis Freitag 14 Uhr seien die offiziellen Rettungswege freigeschnitten gewesen.

Zur Vorwurf der "mangelnden Beräumung der Ilse von Holz und Laub" sagte Scheithauer: "Dazu gibt es Absprachen, an die wir uns gehalten haben. Zweimal jährlich beräumen wir mit unserer Technik den Bachlauf. Eine absolute Sicherheit kann es nicht geben."

Am kommenden Sonnabend, 27. November, wird es ab 9 Uhr eine gemeinsame Befahrung aller Rettungswege geben. Daran ist der Nationalpark ebenso beteiligt wie das Ordnungsamt, die Halberstädter Leitstelle sowie alle Fahrer der Ilsenburger Feuerwehrlöschzüge. Damit sollten letzte Irritationen ausgeräumt werden, so die Hoffnung der Nationalpark-Verwaltung in Wernigerode.

Bilder