Ein Feuerwehrmann hat fünf Brände im eigenen Dorf gelegt. Damit kehrt in Börnecke nur teilweise Ruhe ein. Wie es mit ihm und den Folgen weiter geht, ist noch offen.

Börnecke l Die Polizei hat den mutmaßlichen Täter für eine Serie von Bränden in Börnecke ermittelt. Zwar können die Einwohner wieder ruhiger schlafen - die Feuerwehrleute wohl kaum. Der 24-jährige Brandstifter stammt aus ihren eigenen Reihen.

Vom 17. bis zum 19. August brannte es gleich fünf Mal, am 26. August erneut. Auf einem Stoppelfeld begann die Serie. Später wurden Rundstrohballen angezündet. Am Morgen des 19. August steckte der Börnecker, so die Ermittlungen der Polizei, eine Feldscheune an. Sie brannte komplett ab. Der Schaden wird auf etwa 10000 Euro geschätzt.

"Die ersten fünf Brände hat er zugegeben", erklärt Oberstaatsanwalt Hauke Roggenbuck, der derzeit die Anklageschrift vorbereitet. "Im Mittelpunkt steht dabei die Brandstiftung an der Feldscheune. Sie erfolgte vorsätzlich. Das ist ein Verbrechen."

Ortswehrleiter Andreas Kröpper ist geschockt. "Zwar haben wir ihn schnell im Verdacht gehabt, weil er die Brände teilweise selbst gemeldet hatte und als erster am Gerätehaus war." Allerdings habe man es ihm nicht beweisen können, weshalb die Polizei die Ermittlungen übernahm.

Allein der Verdacht reichte Stadtwehrleiter Werner Greif, um sofort zu reagieren. Noch am Morgen des Scheunenbrandes entband er das Mitglied der Börnecker Wehr von seinen Aufgaben. Greif: "Dem Brandleger ist so die Chance genommen, sich anschließend beim Löscheinsatz zu bewähren." Das Feuer am 26. August ergebe für ihn deshalb auch keinen Sinn mehr.

"Anerkennung ist einer der Gründe, warum Feuerwehrleute selbst Brände legen", erklärt Diplom-Medizinerin Kerstin Amse von der Psychiatrie in Blankenburger Klinikum. "Doch meist sind es mehrere Anlässe, die ein solches Verhalten auslösen, beispielsweise ungelöste Konflikte oder die Suche nach dem Adrenalin-Kick." Letzeres kann sich Andreas Kröpper allerdings nicht vorstellen. "Ich hätte ihm diese Taten vorher nie zugetraut, so unauffällig war er." Der junge Mann sei regelmäßig zum Dienst gekommen und habe die meisten Einsätze mit bestritten.

Diese Beschreibung bestätigt die Ärztin für viele andere Fälle. "Irgendwann können sie Probleme nicht mehr lösen und finden kein Gehör." Die Folge sind unüberlegte Handlungen, um auf sich aufmerksam zu machen.

Der Beschuldigte habe sich in seine Taten hineingesteigert, stellt Staatsanwalt Roggenbuck fest. "Gut, dass er so schnell entdeckt wurde." Die Folgen weiterer Brände will sich keiner der Beteiligten ausmalen.

"Wichtig ist, dass er Hilfe bekommt", mahnt die Psychologin an. Mit dem Geständnis habe er den ersten Schritt vollzogen, eine Strafe bleibt unausweichlich. "Ihn jedoch ins Abseits zu stellen, wäre der falsche Weg.

Die Börnecker Feuerwehrleute brauchen Zeit, das Geschehene zu verarbeiten. "Es ist uns schon schwergefallen, den eigenen Kameraden als möglichen Täter der Polizei zu melden", gibt Kröpper zu. Im Moment gehe jeder auf Distanz. Kröpper: "Doch irgendwann müssen wir mit ihm reden."