Schon jetzt, zwei Wochen vor Weihnachten, gab es Geschenke für Museumsleiterin Anette Pilz und ihre Mitarbeiter. Ein historisches Kochbuch ist darunter, ein Nachschlagewerk über "Mann und Weib", ein gerahmtes Bild der Wolmirstedter Feuerwehr und Geld, ganz viel Geld.

Wolmirstedt. Im Büro von Anette Pilz liegt derzeit mehr Geld als im Tresor so mancher Bankinstitute. Leider ist es aber nicht so wertvoll, denn die Scheine, darunter einer in der Höhe von einer Milliarde, sind alt, stammen aus den 20er Jahren.

"Dass jemand etwas bei uns vorbeibringt, passiert eher selten", berichtet die Museumsleiterin. Dabei sollte jeder, der beispielsweise nach einem Trauerfall den Haushalt auflöst, darüber nachdenken, mal auf der Domäne vorbeizuschauen. "Was wertvoll ist und was Krempel, das können wir schon gut unterscheiden", erklärt die Fachfrau. Deshalb fordert sie auf: "Bevor man etwas in die Mülltonne schmeißt, sollte man es lieber zu uns bringen."

Auch, wenn die gespendeten Dinge vielleicht nicht zu einer aktuellen Ausstellung passen, finden sie im Museum doch Verwendung. Und so werden die Neuzugänge erst ausführlich begutachtet, inventarisiert und anschließend katalogisiert. Danach geht es ab auf den Dachboden, ins Depot. Für die Lagerung der historischen Schätze gibt es Vorschriften. So müssen die Geldscheine, die vor Kurzem an das Museum überreicht wurden, bei etwa 15 bis 20 Grad und einer bestimmten Luftfeuchtigkeit aufbewahrt werden.

Ähnlich verhält es sich mit alten Büchern. Auch davon hat Anette Pilz in der jüngsten Vergangenheit wieder welche bekommen. Aus dem Jahr 1900 stammt ein Kochbuch von Henriette Davidis, einer Pfarrerstochter, die darin Tipps für einfache und schmackhafte Gerichte weitergibt. Um die Würze innerhalb von Paarbeziehungen geht es in einem Nachschlagewerk, das den Titel "Mann und Weib" trägt und nach Schätzungen der Museumsleiterin aus der gleichen Zeit stammen könnte. Der Vorläufer moderner Aufklärungsbücher enthält schon Nacktbilder, Zeichnungen und Erklärungen, beispielsweise über "Ehe und Krankheiten", "Anlockung des anderen Geschlechts" oder "Ehe und Kindersegen".

Was sie mit den Spenden macht, weiß Anette Pilz noch nicht ganz genau. Aber natürlich hat sie schon ein paar Ideen, könnte sich beispielsweise vorstellen, mal an einem Wochenende zu einer Sonderschau mit den Neuzugängen zu laden, zu denen auch eine Box mit gut erhaltenen Griffeln gehört. "Ich bereite gerade eine Ausstellung zur Kulturgeschichte des Essen und Trinkens vor, da würde das Kochbuch gut passen", nennt sie eine weitere Verwendungsmöglichkeit.

Jeder, der etwas abgibt und das auch möchte, der wird als Spender genannt. Auf manchen Exponaten ist deren Herkunft sowieso zu erkennen. Zum Beispiel auf zwei Urkunden, die eine lokale Bäckerei auszeichnen.

Ebenfalls zuzuordnen ist ein Bild, das aus dem Jahr 1939 stammt und der hiesigen Feuerwehr gewidmet ist. Es zeigt – als Guss mit Zinnlegierung – die Ansicht eines Löscheinsatzes. Wenn sie etwas neues Altes bekommen haben, beginnt für Anette Pilz und ihre Mitarbeiter die eigentliche Arbeit, wird nach Fakten und Hintergründen zu dem jeweiligen Exponat gesucht. Denn viele Spender wissen kaum etwas über die Dinge, die sie zum Beispiel bei der Haushaltsauflösung der Wohnung der Großeltern finden. "Dabei ist die Geschichte hinter den Sachen mit das Spannendste", weiß die Museologin, die ihre Informationen lieber in Büchern nachschlägt, als sie aus dem Internet zu ziehen.

Wer nun beim Ausmisten etwas findet, was Museumsreife besitzt, der kann sich unter der Telefonnummer (039 201) 2 13 36 melden oder zu den Öffnungszeiten auf der Domäne vorbeischauen.