Wirtschaftsminister Reiner Haseloff war sichtlich beeindruckt: "Hier wird großartige hochtechnisierte Arbeit abgeliefert, auf die die Mitarbeiter stolz sein können." Das Lob aus berufenem Mund hörte nicht nur Christian Geyer, Vorstand der Stiftung Bodelschwingh-Haus, gern, der gestern Mittag den Gast aus der Landeshauptstadt in den Werkstätten für Menschen mit Behinderungen am Handwerkerring 15 empfing.

Wolmirstedt. Geschäftsführer Raimund Heinke führte gemeinsam mit Produktionsleiterin Simone Günther den Wirtschaftsminister, der in Begleitung von Holger Stahlknecht, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU im Landtag, kam, durch die Einrichtung. Und der Minister zeigte sich sehr interessiert, wollte mehr über den Standort und ihre Beschäftigten erfahren.

Zum Beispiel, dass der Neubau der ehemaligen Schuhfabrik seit nunmehr zehn Jahren als Betriebsstätte der Werkstatt für behinderte Menschen stetig entwickelt wird. "Seit Februar 2002 hat sie zudem die offizielle Anerkennung der Bundesagentur für Arbeit", so der Geschäftsführer.

Der Standort am Handwerkerring 15 bietet seitdem über 60 Menschen mit Behinderung Arbeitsmöglichkeiten in den unterschiedlichsten Bereichen. Wie Raimund Heinke betonte, war anfangs hier der Recycling-Bereich für sogenannte "weiße Ware" (gemeint waren Kühlschränke, Waschmaschinen und Elektronikschrott) angesiedelt, der den Standort bis heute namentlich prägt. "Viele sprechen nicht ohne Stolz nach wie vor vom Recyclinghof, wenn sie den Handwerkerring 15 meinen." Dieser Bereich hat sich längst auf Elektronikschrott spezialisiert, arbeitet dabei sehr eng mit der Abfallentsorgung "Untere Ohre" zusammen.

Das Spektrum der Arbeitsangebote – davon konnte sich der Wirtschaftsminister bei seinem Rundgang überzeugen – ist inzwischen vielfältiger und breiter geworden. Der neue Name "HW 15" inzwischen das neue Markenzeichen. Hinzugekommen sind nämlich die Näherei, der Metallbau, der Elektrobau und die Windgeneratorenfertigung. "Auftraggeber", so führte er Geschäftsführer nicht ohne Nachdruck aus, "sind namhafte Hersteller von Windkraftanlagen, von Schutzhelmen, aber auch von diversen Industrieanlagen. "Heute bieten wir am Standort sehr interessante Arbeitsplätze an, die auch den Charakter einer industriellen Fertigung tragen", betonte Produktionsleiterin Simone Günther. "Die Besonderheit ist das angepasste Arbeitsumfeld und die Vermeidung von Überlastungssituationen durch die Anleitung sowie Begleitung durch ausgebildetes Fachpersonal."

"Denn hier sind nicht nur körperlich und geistig Behinderte eingesetzt, sondern auch Menschen mit seelischen Erkrankungen fühlen sich hier gut aufgehoben und betreut", ergänzte Raimund Heinke. "Zudem bietet die Nähe zur Industrieproduktion auch die Chance zur Vorbereitung auf eine Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt."

Die Werkstätten können bereits mit Ergebnissen aufwarten: Seit dem Vorjahr konnten vier sozial benachteiligten Menschen einen nach Tarif bezahlten Arbeitsplatz als Produktionshelfer angeboten werden. Dies wurde möglich, weil auch der Gesetzgeber diesen Männern und Frauen eine Chance einräumen will und entsprechende Förderungen zur Verfügung stellt.

"Allerdings ist die weitere Finanzierung wegen der öffentlichen Haushaltslage ab 2011 mehr als fraglich", so Geschäftsführer Heinke, "wir haben deshalb schon beim Landrat vorgesprochen, hoffen aber jetzt auch auf Unterstützung aus dem Wirtschaftsministerium."

Und genau das versprach Reiner Haseloff zu tun, als er sich nach gut einer Stunde verabschiedete.

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