Bürgermeisterin Steffi Trittel höchstpersönlich beantragte gestern als erste Einwohnerin der Hohen Börde den neuen elektronischen Personalausweis. Diese Tatsache war nicht inszeniert: Der Bürgermeisterin war vor zwei Wochen der Personalausweis samt Auto aus der heimischen Garage gestohlen worden.

Irxleben/Hohe Börde. Eine Stunde nach der gestrigen Sonderöffnung der Gemeindeverwaltung hatten bereits fünf Bürger der Hohen Börde ihren elektronischen Personalausweis beantragt. Wie die Bürgermeisterin hatten sie eine Urkunde – wenn sie bereits in der Hohen Börde gemeldet waren, reichte auch der Personalausweis – mitgebracht. Auf Wunsch nahmen die Mitarbeiterinnen des Einwohnermeldeamtes auch Fingerabdrücke mit einem Scanner ab. Damit ist eine eindeutige Identifizierung des Ausweiseigentümers, etwa bei Auslandsreisen, möglich. Wesentliche andere Vorteile hat der elektronische Fingerabdruck nicht. Nötig für die neuen Ausweise sind auch neue – den Vorgaben der Biometrie – entsprechende Passfotos. Die Einwohner der Hohen Börde können diese Passfotos in der Gemeindeverwaltung anfertigen lassen – für 5 Euro. Zuzüglich der Kosten für den elektronischen Personalausweis von 28,80 Euro kostet die ganze Prozedur also 33,80 Euro. Bezahlt werden kann auch mit der Scheckkarte direkt im Amt.

Online-Funktion erleichtert das Leben

Ist die Online-Funktion des neuen "Persos" nicht freigeschaltet, unterscheidet er sich, einmal abgesehen von den bereits genannten Neuerungen sowie dem handlichen Scheckkartenformat, nicht wesentlich vom bisherigen Ausweis. Selbst die Wartezeit von der Beantragung bis zum Erhalt des Ausweis beträgt nach wie vor etwa vier Wochen.

Mit der auf Wunsch möglichen Freischaltung für Online-Dienste ist aber eine ganze Reihe von Erleichterungen verbunden. Allerdings muss der Bürger dafür ein Lesegerät für die Internet-Transaktionen anschaffen. Dessen Preis bewegt sich ab 40 Euro aufwärts, ein Lesegerät mit Tastatur und verlässlichen Sicherheitsstandards kostet stolze 140 Euro. Mit der Online-Funktion sind Internet-Geschäfte und teilweise auch Behördengänge am heimischen PC möglich. Das oft mühselige und aufwändige Ausfüllen von Formularen und die Eingabe von persönlichen Daten hat ein Ende. Der Ausweisinhaber kann selbst entscheiden, welche Identitätsdaten von seinem Ausweis aus freigegeben werden. Entscheidet sich heute ein Bürger gegen die Freischaltung der Online-Funktion, kann er diese später ohne Probleme zuschalten lassen.

Genauere Details zu den praktischen Möglichkeiten erfahren die Bürger in der Gemeinde. Im Amt liegen auch ausführliche Broschüren über den Umgang mit dem neuen Ausweis aus.

Nur ein Beispiel für die Digitalisierung im Amt

Bürgermeisterin Steffi Trittel sieht die Einführung des elektronischen Personalausweises als Teil der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltungsarbeit. Seit 2009 arbeitet die Gemeinde mit der Hallenser Firma ITC zusammen. Das Unternehmen setzt im Auftrag der Gemeinde die Angleichung und interne Vernetzung der Ämter um. Mit einem Personenstandsregister für das Standesamt ist inzwischen eine wesentliche Etappe abgeschlossen worden. Derzeit läuft ein Testbetrieb für den digitalen Sitzungsdienst der Gemeinde. "Dabei sollen die Laufwege auf dem Flur durch Datenwege vom Computer aus ersetzt werden. Das geht schneller, ist bequemer und fehlerfreier", unterstrich gestern ITC- Team-Leiter Uwe Schieritz in Irxleben.

Sitzungspläne bald im Internet zu lesen

Mittelfristig ist geplant, den Sitzungsdienst der Gemeinde auch "nach außen" im Internet für die Abgeordneten und teilweise auch für die Bürger zur Verfügung zu stellen. Dann könnten Tagesordnungen online eingesehen werden. Ratsvertreter könnten Beschlussvorlagen direkt auf ihren PC herunterladen. "Ich möchte nicht weiter in Pappe und Papier für die Massen an Unterlagen investieren, schon jetzt haben wir keinen Platz für die Unterbringung der ganzen Papiere. Die Digitalisierung bietet uns Alternativen und wir nehmen diese Herausforderung an", bekräftigte die Bürgermeisterin.