Der Beruf des Erziehers hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Unterschiedliche pädagogische Konzepte, integrative Einrichtungen, die ganz individuelle Förderung jedes einzelnen Kindes – es wird viel erwartet von gut ausgebildetem Personal. Auch immer mehr Männer stellen sich dieser neuen Herausforderung. Die Volksstimme hat zwei von ihnen getroffen, die ihre Ausbildung an der Evangelischen Fachschule für soziale Berufe in Wolmirstedt machen.

Wolmirstedt (VS) Christian Beyersdorf und Oliver Schreiber haben ihren Blaumann an den Nagel gehängt. Beide sind gelernte Klempner, wie der Beruf des Gas-Wasserinstallateurs umgangssprachlich genannt wird, haben jahrelang Rohre verlegt und Sanitäreinrichtungen gebaut. Ein Job für echte Kerle eben. "Es war harte körperliche Arbeit", sagt Oliver Schreiber rückblickend. Und letztlich sei das Aufgabenfeld schon recht beschränkt: "Irgendwie macht man doch jeden Tag dasselbe", erinnert sich Christian Beyersdorf noch an die Zeit auf der Baustelle.

Das kann dem 26-Jährigen heute nicht mehr passieren. An der Evangelischen Fachschule für soziale Berufe schließt er gerade seine Ausbildung zum Erzieher ab, wird künftig mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. "Jedes Kind ist so individuell, da erlebt man quasi täglich Überraschungen", sagt er. "Und die Arbeit mit Menschen ist dann doch ein gehöriger Unterschied zum Rohrverlegen."

Vom Klempner zum Erzieher? Auch Oliver Schreiber strebt diese Laufbahn an. Er befindet sich derzeit im zweiten Jahr der Ausbildung zum Sozialassistenten, die der Karriere als Erzieher vorausgeht. Nach der Ausbildung hatte er sich bei der Bundeswehr verpflichtet, war zu Auslandseinsätzen im Kosovo und in Bosnien. Dort sei auch der Wunsch geboren, Erzieher zu werden: "Im Rahmen der Auslandseinsätze gab es die Aktion ¿Lachen helfen‘. Da sind wir in Schulen und Kindergärten gefahren und haben dort Hilfsgüter verteilt. Wenn du dann einmal in so glückliche Kinderaugen geschaut hast, dann willst du nie wieder etwas anderes."

Dass diese Entscheidung nicht nur Beifall geerntet hat, musste Oliver Schreiber direkt aus der Familie erfahren: "Mein Vater versteht überhaupt nicht, warum ich diese Ausbildung absolviere. Der hat keine Ahnung, was ich da eigentlich mache. Er hat wohl immer noch das Bild der Mittfünfzigerin in Kittelschürze mit Dauerwelle vor Augen, wie es sie in vielen Einrichtungen ja auch noch gibt." Und gegen die habe er ja auch nichts einzuwenden, aber auf eine gute Mischung aus Traditionen und neuen Ideen käme es an. Und davon entwickeln sie in der Ausbildung zum Erzieher jede Menge: "Die Ausbildung hier in Wolmirstedt hat einen starken Praxisbezug, ist sehr individuell aufgebaut." Außerdem sei die familiäre Atmosphäre ein Plus gegenüber anderen Schulen.

Das findet auch Christian Beyersdorf. Er hat hingegen in seiner Familie ganz andere Erfahrungen gesammelt: "Mittlerweile wissen doch die meisten, dass der Erzieherberuf mehr ist als Füttern und Windelnwechseln." In seiner Umgebung gibt es viele, auch Männer, die sich für diese Laufbahn entschieden haben. Nach seiner Auffassung sei es auch wichtiger denn je, dass die Kinder einen männlichen Ansprechpartner haben: "Es gibt immer mehr allein erziehende Mütter. Viele Kinder wachsen ohne den Papa auf. Da liegt es doch auf der Hand, dass es von Vorteil ist, wenn auch Erzieher in einer Einrichtung arbeiten." Schließlich unterscheide sich die Art mit Kindern umzugehen, mit ihnen zu spielen, zu toben von der weiblicher Kolleginnen. "Wir haben doch andere Ideen, sind vielleicht nicht ganz so vorsichtig."

Oliver Schreiber sieht noch einen anderen Vorteil: "Ich denke, dass allein schon die männliche Stimme eher zu Gehör verhilft." Für ihn steht heute schon fest: "Ich möchte auf jeden Fall mit den ganz Kleinen arbeiten." In der Krippe könne man einen soliden Grundstein fürs Leben legen. "Ich würde gern etwas verändern, will die Kinder für das harte Leben in unserer Gesellschaft wappnen", sagt er optimistisch. Dass dies schwierig wird, vor allem mit Blick auf die Personalstruktur in den Kitas, schreckt ihn nicht ab. "Ich eröffne irgendwann einen eigenen Kindergarten, wo meine Maßstäbe gesetzt werden", schildert er seine Pläne und kann sich ein Schmunzeln an dieser Stelle dann doch nicht verkneifen.

Während der eine noch große Träume verfolgt, hat der andere doch schon sehr konkrete Vorstellung: "Ich möchte unbedingt in den Bereich der Erlebnispädagogik." Der gebürtige Havelberger will wieder in seine Heimat zurück, will dort ein Konzept auf die Beine stellen, dass Kinder und Jugendliche aus der Stadt aufs Land locken soll. Mit Bewegung und Natur, mit Paddeln auf der Havel und Klettern soll das funktionieren. Viele Jungen und Mädchen hocken viel vor Rechner oder Fernseher, da sei das doch ein schöner Ausgleich.

Ob sich beide vorstellen könnten, noch einmal in den Blaumann zu schlüpfen? "Höchstens wenn es in der Kita kunterbunt mit Farbe und Pinsel zugeht", sagt Oliver Schreiber. Christian Beyersdorf schüttelt energisch den Kopf: "Ich habe meinen Traumberuf gefunden und den gebe ich so schnell nicht wieder auf."

Wer Interesse an den Ausbildungsmöglichkeiten der Evangelischen Fachschule hat, kann am kommenden Sonnabend, dem 13. November, zwischen 10 und 14 Uhr zum Tag der offenen Tür in der Parkstraße 5 vorbeischauen.

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