Den Schneemassen der ver-gangenen Tage zollt nun auch der öffentliche Personennahverkehr in Anhalt-Bitterfeld Tribut. Heute und morgen wird der Busverkehr nur noch ein-geschränkt stattfinden. Das bedeutet für die Region Zerbst, dass bis auf die Stadtlinien 450 und 451 in der Stadt der Bus-verkehr im Umland komplett eingestellt wird – und damit auch der Schülertransport.

Zerbst. Nichts geht mehr! Das zumindest ist die Entscheidung, die gestern Morgen Mitarbeiter des für den öffentlichen Personennahverkehr zuständigen Amtes 80 im Landratsamt und des beauftragten Transportunternehmens Vetter treffen mussten. Seit heute Nacht, 0 Uhr, werden keine Linienbusse im Umland mehr eingesetzt. Die Unfallgefahr ist schlichtweg zu hoch. Diese Einschränkung gilt vorerst bis morgen, 24 Uhr, und wurde den lokalen, aber auch regionalen und überregionalen Medienanstalten mitgeteilt.

"Gestern haben wir versucht, den Überlandverkehr aufrechtzuerhalten. Heute versuchen wir, den Stadtverkehr aufrechtzuerhalten", teilt Vetter-Betriebsleiter Heinz-Jürgen Wolf auf Nachfrage mit. Gründe für die Entscheidung gibt es einige: Starker Wind und damit einhergehende Schneeverwehun-gen machen ein gefahrloses Befahren der Straßen fast unmöglich. "Manche Straßen sind so zugeschneit, dass zwei sich begegnende Fahrzeuge echte Probleme haben, einander zu passieren", erklärt Marina Jank, Pressesprecherin des Landkreises Anhalt-Bitterfeld.

Für Zerbst bedeutet das, dass das Zerbster Umland in diesem Zeitraum nicht mehr durch Busse von Vetter oder dessen Partnerunternehmen angefahren werden. Damit kommt neben dem Personennahverkehr auch der komplette Schülerbusverkehr zum Erliegen. "Auch wir haben von Vetter die Mitteilung, dass der Verkehr im Umland ruht", erklärt Sven Lachmann, der mit seinem Unternehmen für Vetter tätig ist. "Bei den Verhältnissen ist diese Reaktion durchaus angebracht", schätzt er ein. In der Konsequenz fallen jedoch nicht nur die Linienbusse aus, sondern auch die Kleinbusse, die Schüler aus abgelegenen Ortschaften transportieren, und auch die Anrufbusse. Damit sind nicht nur auswärtige Schüler von Zerbst abgeschnitten, sondern auch alle anderen Bewohner, die für eine Fahrt nach Zerbst auf den Bus angewiesen sind.

Teilweise überrascht von dieser Nachricht reagierten gestern einige Schulleiter. Während die Ciervisti-Ganztagsschule bereits vormittags per E-Mail vom "Bus-Stopp" unterrichtet wurde, sickerte die Nachricht zum Gymnasium Francisceum erst später durch. Und auch Bernd Wesenberg, Schulleiter der Sekundarschule in Loburg, war erstaunt. "Davon weiß ich noch nichts", sagte er gestern Mittag in einer ersten Reaktion. Auf Nachfrage ist ihm der Fahrtenausfall der Anhalt-Bitterfelder Kinder nochmals bestätigt worden. "Wir haben nun diesen Schülern mitgeteilt, dass morgen keine Busse für sie fahren", so Wesenberg. Ein Nachfrage des Schulleiters bei der Nahverkehrsgesellschaft Jerichower Land ergab zudem, dass der Schulbusbetrieb dort weiterhin planmäßig besteht. "Es ist für uns aber schon ein Problem. Zum Beispiel haben wir eine Klasse, die bis auf zwei Schüler aus Anhalt-Bitterfelder Kindern besteht." Wie diese Situation den weiterhin stattfindenden Unterricht beeinflusst, konnte Wesenberg nicht abschätzen. Doch soviel steht fest: Neuer Stoff wird nicht vermittelt.

Etwa 60 Prozent der Schüler sind im Gymnasium Francisceum Fahrschüler. "Wir werden die Schüler heute informieren und morgen abwarten müssen, wie viele zum Unterricht erscheinen", sagt die stellvertretende Schulleiterin Veronika Schimmel gestern auf Nachfrage. Ob die geplanten Klausuren der Kursstufen Bestand haben, bleibt ebenfalls abzuwarten. "Die Schüler kommen zum Teil aus Schweinitz und Loburg. Wer morgen nicht kommen kann, ist eben nicht da."

Ähnlich sieht es auch Franz Köppe, Schulleiter der Ciervisti-Ganztagsschule. Alle Fahrschüler wurden benachrichtigt. "In diesem Fall geht auch die Gesundheit vor: Wenn der Bus nicht fährt, ist der Schüler entschuldigt. Kein Elternteil muss extra losfahren, um das Kind zu bringen", so Köppe. Immerhin trifft das an dieser Schule auf rund 180 der 485 Schüler zu.

Auch an diesen beiden Schulen bleibt der Unterricht bestehen. Damit sind alle Schüler, die in Zerbst beziehungsweise Loburg wohnen, aufgerufen, zur Schule zu gehen. Die Schulleiter hoffen, dass der Winterdienst weiterhin aktiv bleibt. Damit die Kollegen morgens zum Unterricht kommen können.

Eine Nachfrage beim Landesverwaltungsamt in Halle ergab, dass der Ausfall des Unterrichtes nicht zur Debatte steht. Aber: "Es sind alle Kinder, die aufgrund des Ausfalls des ÖPNV nicht zur Schule kommen, entschuldigt", teilt Pressesprecherin Gabriele Städter mit. Eltern müssen nicht extra losfahren, um ihre Kinder zu bringen und so der Schulpflicht Genüge tun. "Das Risiko muss nicht eingegangen werden."

Wie auch in Zerbst sind in Köthen und Bitterfeld-Wolfen seit heute nur noch die Stadtlinien im Einsatz. Des Weiteren wird der Landkreis in den kommenden Tagen darüber informieren, wie es mit dem Linienverkehr am Wochenende weitergeht.