Ein kompaktes Barockmusik-Wochenende boten die 12. Internationalen Fasch-Festtage. Und eine Vielzahl begeisternder und bewegender Konzert-erlebnisse.

Zerbst l Das Konzert des Dresdner Kreuzchores war die zuerst ausverkaufte Veranstaltung der diesjährigen Internationalen Fasch-Festtage. Unter dem Motto "Halleluja! Ich danke dem Herrn" sang der älteste und berühmteste Knabenchor der Welt am Sonnabend in der Zerbster Trinitatiskirche Chorwerke berühmter Komponisten. Neben einer Motette von Johann Sebastian Bach (1685-1750), Christian Theodor Weinligs (1780-1842) "Laudate Dominum" sowie "Hora est" von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) kamen auch zwei Chorwerke von Carl Friedrich Christian Fasch (1736-1800) zur Aufführung, dem Sohn des Zerbster Hofkapellmeisters Johann Friedrich Fasch.

Mit der "Missa a 16 voci" erlebten die emotional bewegten Konzertgäste nicht nur eine sehr anspruchsvolle und ganz selten aufgeführte Komposition, sondern auch das Hauptwerk des Fasch-Sohns. Die Kruzianer unter Leitung von Peter Kopp präsentierten Chorgesang in höchst professioneller Ausprägung mit faszinierenden Klangfarben. Die überwältigende, den Kirchenraum ergreifende Klangfülle des gesamten Kreuzchores vernahmen die Gäste bei den zur liturgisch-kirchenmusikalischen Praxis gehörenden Teilen Kyrie, Gloria und Sanctus.

Erstaufführung im Gottesdienst

Die teils sehr hohen Partien wurden, wie die Messe insgesamt, mit höchster Konzentration und doch scheinbar mühelos und mit bezaubernder Stimmenklarheit vorgetragen. Die schwierig zu beherrschende Abstimmung zwischen den vier Chören mit den je vier gemischten Stimmen klappte makellos. Ebenso begeisterten die Gesangssolisten sowie das begleitende Instrumentaltrio mit Violoncello, Kontrabass und Orgel.

Das Publikum dankte mit viel Beifall für dieses besondere und herausragende Musikerlebnis.

Es ist gute Tradition, dass zu den Festtagen ein Festgottesdienst gehört, bei dem die Zerbster Kantorei mit einer Kantaten-Aufführung eingebunden ist. Die Kantate "Ich danke dem Herrn von ganzem Herzen" von Johann Friedrich Fasch (1688-1758) erklang am Sonntag in St. Bartholomäi mit den auf der Empore positionierten gut 50 Sängern der Kantorei und der Cammermusik Potsdam unter Leitung des Kreiskirchenmusikwartes Tobias Eger als neu eingerichtete Erstaufführung. Als Gesangssolisten wirkten Theresia Taube (Sopran), Bettina Donner (Alt), Dietmar Adam (Tenor) und Philipp Jekal (Bass) mit. Alle Aufführenden gestalteten dieses Fasch-Werk zu einem komplexen und homogenen, in sich geschlossenen emotional nachhaltigen Klangerlebnis.

Dabei sorgten, die im Programmheft näher beschriebenen "kompositorischen Kunstgriffen" Faschs, um "die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu fesseln", für einen bei allem Ernst der kirchlichen Feierstunde doch kurzweiligen und durchweg auch unterhaltenden Charakter. Die etwa 20-minütige Kantate wurde vom kurzen Bibeltext "Ich danke dem Herrn von ganzem Herzen..." als Sopran-Solo eingeleitet. Der Chor griff dann sofort das Textthema zur weiteren vokalen Ausgestaltung auf.

Im Verlauf des Kantaten-Vortrages brachten abwechselnde Rezitative der Gesangssolisten die Danksagungszeremonie weiter voran. Musikalisch eingebunden waren auch eine Alt-Arie im ersten Teil sowie in Teil zwei ein mit ausgewogener Stimmbalance um die Gunst Jesu "wetteiferndes" Bass-Sopran-Duett. In den beiden Chorälen jeweils am Ende der Teile brillierte die Kantorei sowohl mit Klangfülle als auch -volumen und ihrer bekannt stark ausgeprägten Homogenität der Stimmlagen.

Alle Aufführenden freuten sich über den auf die Empore geschickten Beifall. Die Predigt im live von Mdr Figaro übertragenen Gottesdienst hielt Oberkirchenrat Manfred Seifert.

Höhepunkt zum Abschluss

Zu einem wirklichen Höhepunkt gestaltete das europaweit agierende Barock-Ensemble "Il Gardellino" das Abschlusskonzert der Festtage am Sonntag in der Aula des Francisceums. Unter dem Titel "Concerti Faschiani" widmete sich das Orchester unter der musikalischen Leitung von Soloviolinist Ryo Terakado ausschließlich den Instrumentalkonzerten von Johann Friedrich Fasch, speziell den Bläserkonzerten.

Die brillante Musizierkunst sorgte für stete Kurzweil. Andererseits verhinderte die von Stück zu Stück stets veränderte Instrumentierung Hörroutine und hielt das Konzert auf hohem Spannungsniveau. Auffallend war die sparsame Streicherbesetzung, die die Dominanz der Holzbläser unterstrich, die mit ihrer besonderen Tonfarbe zusätzlich punkten konnten. Der jeweilige Reiz ergab sich zudem aus der faszinierenden Art, wie die Musiker den intensiven konzertanten Dialog pflegten, wie traumhaft sicher und effektvoll, doch unaffektiert sie ihre Soli präsentierten sowie gemeinsam agierten. Bei keinem der neun Stücke gab es eine Wiederholung in der Instrumentenkombination. So konnte jeder Zuhörer für sich herausfinden, welches Concerto sein Favorit ist. Das wurde ein spannender und kurzweiliger Prozess.

War es, wie beim Eingangskonzert in d-Moll, die "Formation" mit zwei Traversflöten, zwei Oboen, zwei Fagotten sowie Streichern und Basso Continuo aus Cembalo, Violoncello und Kontrabass? Oder das c-Moll Concerto, in dem die Traversflöte und die Oboe die dominanten Instrumente waren? Vielleicht gefiel aber mehr das Concert G-Dur mit zwei Bratschen und zwei Oboi da caccia, auch Jagd- oder Waldoboe genannt, die eine tiefere Tonlage haben, fast einem Horn ähneln und an den Klang von Saxophonen erinnern? Im Programm erklang auch die letzte Erstaufführung der diesjährigen Fasch-Festtage, ein Konzert für Oboe concertino, zwei Violinen, Viola und BC.

Dieses Abschlusskonzert war eine gute Werbung für alte, aber ungemein gut anzuhörende Musik, eine Werbung für Barockmusik im Allgemeinen und im Speziellen für die Musik von Johann Friedrich Fasch. Mit ganz viel Beifall endeten dieses Konzert und die Fasch-Festtage 2013.

 

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