Zerbst l Die im Januar gegründete Arbeitsgruppe Schloss Zerbst beschäftigte sich auf ihrer zweiten Sitzung mit der künftigen Nutzung des einstigen Fürstensitzes. Eine konkrete Grundlage bildeten die Ausführungen von Dirk Herrmann. Er erläuterte dem aus Vertretern der Stadtverwaltung und des Stadtrates sowie des unter seinem Vorsitz agierenden Fördervereins bestehenden Gremium die derzeitige Situation.

Vom Keller bis zum zweiten Obergeschoss umfassen der erhaltene Ostflügel und die Bereiche des Corps de Logis circa 4500 Quadratmeter. Bislang werden etwa 1000 Quadratmeter als Ausstellungsfläche und gut 520 Quadratmeter für Veranstaltungen genutzt. Im ausgenommenen Dachbereich werden zusätzliche rund 1000 Quadratmeter zur Verfügung stehen, wenn das Ziel umgesetzt ist, die historische Dachform wieder entstehen zu lassen.

Im Konflikt steht die weitere Entwicklung des Barockbaus mit dem im Objekt ausgewiesenen europäischen Flora-Fauna-Habitat-Gebiet zum Schutz der im Schlosskeller siedelnden Fledermäuse. Wie Kulturamtsleiterin Antje Rohm berichtete, verständigte sich die Arbeitsgruppe, diesbezüglich eine Lösung zu finden. Favorisiert werde eine andernorts bereits erfolgreich praktizierte Umsiedlung. Dafür und für die künftige Entwicklung des Schlosses sei eine klare Positionierung für dessen besondere Rolle für die Stadt - in deren Besitz sich das Baudenkmal befindet - notwendig.

Erarbeitet werden soll die vom Stadtrat zu verabschiedende Stellungnahme in einer gemeinsamen Sitzung von Sozial-, Schul-, Kultur- und Sportausschuss sowie Bau- und Stadtentwicklungsausschuss im Juni. Dort wird Dirk Herrmann das Schloss mit seiner bisherigen und im Moment von Förderverein geplanten Raumnutzung vorstellen.

Unterdessen laufen die Bemühungen weiter, eine neue Grablege für die in der Sakristei der St. Bartholomäi-Kirche ruhenden Fürstensärge im Ostflügel zu schaffen. Auch hier tagte die Projektgruppe und setzte sich mit dem aktuellen Stand auseinander. So liegt jetzt die Dokumentation vor, die Studenten der Fachhochschule Potsdam nach ihren Befundaufnahmen an den stark beschädigten Särgen erstellt haben. Diese wird als Grundlage für die weiteren Voruntersuchungen und das spätere Erstellen von Leistungsverzeichnissen dienen.

Bevor mit einer Restaurierung der ersten beiden Särge begonnen werden kann, bleibt noch einiges zu klären. Das betrifft die Finanzierung der vorab nötigen Analysen. Die Stadt beantragt dafür eine Förderung, zugleich sind Drittmittel einzuwerben. Zudem ist offen, wo die Särge voruntersucht und gegebenenfalls auch restauriert werden können. Hinsichtlich der Bergung der Särge aus der Sakristei hat die Kirchengemeinde St. Bartholomäi inzwischen Abstimmungen mit der beauftragten Baufirma getroffen.