Zum 1. Januar 2011 soll das Albert-Schweitzer-Familienwerk Sachsen-Anhalt die Kitas Steutz, Güterglück und Walternienburg übernehmen. Neben den Elternkuratorien haben nun auch die drei anzuhörenden Ortschaftsräte der Übertragung der kommunalen Kitas in die freie Trägerschaft zugestimmt. Als letzte befürworteten am Dienstagabend die Walternienburger Ratsmitglieder den Betreiberwechsel.

Walternienburg. Bereits am 30. September habe das Elternkuratorium des Walternienburger "Märchenlandes" der Übertragung der Kindertagesstätte an das Albert-Schweitzer-Familienwerk (ASF) zugestimmt. Das teilte Ortsbürgermeister Heinz Reifarth am Dienstag-abend im Ortschaftsrat mit. Zugleich konnte er die Aussage von Kita-Leiterin Ursula Lange weitergeben, das dies auch im Sinne des Einrichtungspersonals ist.

Die Stadt habe seit 1994 gute Erfahrungen mit freien Trägern gemacht, ergriff der Leiter des Zerbster Sozial-, Schul-, Kultur- und Sportamtes, Andreas Dittmann, das Wort. Als Vorteil nannte er die Einsparung von Personalkosten. Zugleich stehen bei der Beantragung von Investitionszuschüssen höhere Fördersätze in Aussicht.

Dabei betonte Dittmann, dass allein die Betriebsführung übertragen werde. Das Gebäude bleibe Eigentum der Kommune, weshalb Baumaßnahmen vorher abzusprechen sind. An der Verantwortung der Stadt für die Kita-Planung ändere der Betreiberwechsel ebenfalls nichts. Nicht zuletzt bestehe weiterhin eine Finanzierungsverpflichtung. Das bedeutet, dass der Träger einen Anspruch auf eine Defiziterstattung hat.

Genau diesen Anspruch führte der Amtsleiter auch als Grund dafür an, dass ein freier Träger kein wirtschaftliches Interesse an der Schließung einer Kita habe. Sollten die Kinderzahlen eines Tages tatsächlich drastisch schrumpfen, würde die Einrichtung an die Stadt zurückfallen, die dann über eine Schließung oder Alternativlösungen nachdenken müsste.

Zukunft sieht positiv fürs "Märchenland" aus

"Perspektivisch sehen wir es optimistisch, die Standorte in Güterglück, Walternienburg und Steutz zu sichern", erklärte Andreas Dittmann. Sollte sich das anders entwickeln, könnte eine Neuausrichtung der drei Kitas notwendig werden, um die einzelnen Einrichtungen zu halten. Möglich wäre, in Walternienburg den Hort zu konzentrieren, während in Güterglück die Kindergarten- und Krippenplätze angeboten werden. Doch das ist bislang ein rein fiktives Szenario.

Was die Zukunft des "Märchenlandes" angeht, äußerte sich Andreas Dittmann zuversichtlich. Die Einrichtung sei in einem sehr guten Zustand. Hinzu komme die Verknüpfung zur örtlichen Grundschule, deren Bestand zumindest bis 2016 gesichert ist.

Sorgen bereitete Heinz Reifarth in dem Zusammenhang die sozusagen "hausmeisterliche Betreuung" der Schule. Einer der beiden Hausmeister, die sich bisher neben den kommunalen Kitas auch um die Walternienburger Grundschule kümmerten, übernimmt das Albert-Schweitzer-Familienwerk. Der andere wird in den städtischen Bau- und Wirtschaftshof integriert, der fortan die Hausmeisteraufgaben erledigt, wie Andreas Dittmann informierte.

Der Amtsleiter schilderte ebenfalls, weshalb bei der Auswahl des freien Trägers der Vergabevorschlag zu Gunsten des Familienwerks ausfiel. Den Ausschlag für die Empfehlung der Verwaltung gab letztlich die gesetzlich geforderte Trägervielfalt. Würden die drei Kitas an den Mitbewerber, die Kinder-, Jugend- und Familienwerk gGmbH der Volkssolidarität gehen, befänden sich drei Viertel aller 15 Kindereinrichtungen auf dem neuen, großen Gebiet der Stadt Zerbst in ihrer Hand. Unterdessen ist das ASF derzeit nur Träger der Kita "Benjamin Blümchen" in Zerbst.

Nicht unerwähnt ließ Dittmann, dass mit den Kita-Übertragungen ab 2011 auch für die Einrichtungen in Güterglück, Steutz und Walternienburg die Gebührensatzung der Stadt Zerbst greift. Mit dem Vereinheitlichen der Elternbeiträge soll ein Preiskampf innerhalb der Einheitsgemeinde verhindert werden.

Ab 2011 verändern sich die Elternbeiträge

Im Vergleich zur Regelung der ehemaligen Verwaltungsgemeinschaft Elbe-Ehle-Nuthe ist die Zerbster Gebührenvariante stärker gestaffelt und bietet den Eltern eine größere Auswahl an Betreuungsformen. So können die Kinder auch länger als zehn Stunden in der Kita bleiben, was bis jetzt gar nicht angeboten wurde. Die Sätze selbst unterscheiden sich nur geringfügig und sind meist günstiger. Jedoch gelten die Tarife erstmal nur für 2011, wie Andreas Dittmann anmerkte. In Anbetracht des Haushaltskonsolidierungskonzeptes sei es durchaus möglich, dass der Stadtrat die Gebührensatzung anfasse.

Ein Bestandschutz gilt für das Personal der Kitas, die das ASF übernimmt. Ihre Vergütung werde so lange auf dem aktuellen Niveau eingefroren, bis der Haustarif diese Höhe übersteigt, legte der Amtsleiter dar. Er bejahte zudem die Anfrage von Heinz Reifarth, ob neben den Erzieherinnen des "Märchenlandes" auch die technische Kraft mit zum freien Träger wechselt.