Am Reformationstag luden Kantor Tobias Eger und das Potsdamer Hornquartett zu einem Konzert in die St. Bartholomäikirche ein.

Zerbst. "Dass Sie so zahlreich erschienen sind, zeigt mir, dass Sie sich für Horn interessieren", begrüßte Gisbert Näther, Leiter des Potsdamer Hornquartetts fröhlich am frühen Sonntagabend des Reformationstages das Publikum auf der Empore der St. Bartholomäikirche. Zu einem Konzert mit Musik aus vier Jahrhunderten luden Kantor Tobias Eger und die Potsdamer Musiker ein. Musikalisch stellten sich die Blechbläser und der Organist mit einer Intrade aus der Feder von Gisbert Näther und Stücken von Franz Zaunschirm vor.

Motive der Jagd in zahlreichen Werken

Ihr Spiel verwies bereits auf die Klangwelt der Instrumente auf die Näther im weiteren Verlauf des Abends immer wieder gern aufmerksam machte. Zu hören war dies gleich in zwei weiteren Stücken von Casper Daniel Lorenz und Kurt A. Hueber. Beide Komponisten verarbeiteten in ihrer Musik das Thema Trauer. Lorenz eher romantisch, Hueber modern mit solistischem Einsatz. "Vielleicht finden Sie das ja auch so spannend wie wir", lud der Potsdamer Musiker zum Hören ein.

Nach der Trauermusik kam das Quartett zu eher vertrauteren Tönen – der Verarbeitungen von Jagdmotiven in der konzertanten Musik. Die heutigen Instrumente sind Nachfolger des einstigen Jagdhorns. Daran angelehnt, im Tonumfang technisch durch Ventile erweiterte, heißen sie heute Waldhorn, informierte der Leiter des Quartetts weiter. Motive der Jagd wurden in zahlreichen Werken verarbeitet. So bei Carl Maria von Weber in dessen "Lützows wilde Jagd" oder in der Musik von Franz Strauss (1822 – 1905), der zu seiner Zeit im Hoforchester München spielte und die rufenden, jubilierende Töne der Jagd ebenfalls in seine Kompositionen einschloss.

Im Laufe des Konzertes spielten Gisbert Näther, Thomas Rößler, Katharina Jahn und Valentin Jahn sowohl Adaption älterer Musik als auch moderne Kompositionen. "Solid Messing" ist ein Stück von Paul Hertel (1953), der diese Musik für Horn schrieb, wie bereits der Titel verrät. Ein Weiteres von Volker Freidel (1960) "Prelude für Hornquartett" wurde extra für das Potsdamer Hornquartett geschrieben.

Fantasievoll, leicht und lieblich aber dennoch breit und groß und wiederum anders als die Stücke zuvor erklangen gemeinsam mit Tobias Eger an der Orgel "Vom Herzen will ich mich erfreuen", eine Bearbeitung von Maximilian Kreuz (1935), eine "Fantasie für Orgel und Hornquartett" von Wolfgang Schumann und von Gerhard Präsent (1957) " Petite Symphonie du Pègaü". Auch diese Musik zeigte dem Publikum die Möglichkeiten des Hornes und den Umfang der Orgel, die Tobias Eger mit starkem Ausdruck spielte.

Konzert endet im Zusammenspiel

Nach Webers Jagdchor aus "Der Freischütz" bot das Quartett eine Potsdamer Teehausmusik abermals aus der Feder von Gisbert Näther. Die Komposition ist eine musikalische Verarbeitung des Ausblicks aus dessen Wohnung. So beobachtete er aus dem 15. Stock die "Morgenstimmung", Das alte Schloss" und "Kinderspiele".

Mit gedämpftem Ton gaben die Hörner den Nebel am frühen Morgen wieder. Die Verarbeitung alter Tänze deutet auf Schloss Sanssouci. Fröhlich und aufgeweckt erklingt das Gespiele der Kinder im Park. Auch das Publikum fand Gefallen an Näthers Musik und applaudierte. Eine besondere Überraschung hatte die Musiker für die Zerbster Zuhörer noch. Sie spielten auf ihren vier Waldhörnern den "Canon" von Johann Pachelbel (1653 – 1706) "Den werden Sie wohl so noch nie gehört haben", sagte Gisbert Näther und hatte damit sicherlich Recht.

Zum Abschluss des Konzertes erklangen in der St. Bartholomäikirche zwei Stücke, die dem Anlass, dem Reformationstag, angemessen waren. In zwei Variationen war Luthers Choral "Ein feste Burg ist unser Gott" zu hören. Abermals im Zusammenspiel mit Tobias Eger endete das Konzert mit "Jesu bleibet meine Freunde" von Johann Sebastian Bach (1685 – 1750). Die Zuschauer bedankten sich mit herzlichem Applaus für einen interessanten, spannenden und besinnlichen Abend. Sie hatten so wohl nicht nur Gelegenheit, diese Musik zu hören, sondern auf diese Weise auch ihren Feiertag zu gestalten.