Zerbst/Halle. Drei Wochen nach Abschluss des Termins ist der zuständige Fachbereich im Landesverwaltungsamt in Halle noch immer dabei, eine Niederschrift über die drei Tage währende Erörterung von Einwendungen gegen das Schweinemast- und Biogasanlagenprojekt auf dem Zerbster Flugplatz zu erstellen und den Termin auszuwerten. "Insbesondere ist zu prüfen, ob weitere Unterlagen durch die Antragstellerin nachgereicht werden müssen", erklärte Behördensprecherin Gabriele Städter gestern auf Volksstimme-Nachfrage. Vom 11. bis 13. Oktober wurden die thematisch gebündelten rund 1700 Einwendungen von den Einwendern kommentiert.

Der Zerbster Erwin Erbe stößt sich unterdessen vor allem an der in den Projektunterlagen enthaltenen Wetterprognose für Zerbst, die als Grundlage der allermeisten Emissionsberechnungen herangezogen wurde. Das meteorologische Gutachten basiert auf Daten des Deutschen Wetterdienstes und seiner Messstation in Wittenberg. "Es stimmt nicht, dass man unterstellt, wir hätten hier dasselbe Wetter wie die Wittenberger. Deren meteorologische Situation trifft auf Zerbst nicht zu. Man kann diese Angaben nicht verwenden", so Erbe während der Erörterung.

Die Wetterprognose müsse dem Standort Zerbst angepasst werden. Laut Prognose bekomme der rund 500 Meter vom potenziellen Anlagenstandort entfernte Luftsportverein Zerbst wie auch die Ortschaften Pulspforde, Bonitz, Trüben, Garitz, Gollbogen, Straguth an 18,5 Tagen pro Jahr Wind aus Richtung der Anlage. Erbe fragt nun erneut, wie der Wind an allen anderen Tagen des Jahres weht und wohin folglich die Anlagenemissionen getragen werden.

Erbe erklärte unter Hinweis auf seine frühere berufliche Tätigkeit als Bauleiter im landwirtschaftlichen Bereich, dass es "immer wieder Hinweise auf die spezielle meteorologische Situation im Zerbster Gebiet gegeben hat. Als wir 1973/74 die Rinderanlage Flötz bauten, protestierten die Dörfer wegen der Geruchsbelästigung. Es wurde dennoch gebaut. Und die Befürchtungen der Leute in Gödnitz und Flötz haben sich voll bewahrheitet: Die überwiegende Zeit des Jahres hat es gestunken." Bei bestimmten Witterungslagen, insbesondere bei geringer Luftbewegung, sei dies zu einer regelrechten Dunstglocke angeschwollen. Dies müsse aktuell für Zerbst befürchtet werden, wenn auf dem Flugplatz Emissionen freigesetzt, nach Südwesten/Westen getragen werden und dort auf die Luft-Verwirbelungen über der Elbe treffen. "Der Gestank bleibt dann genau hier im Zerbster Raum."