Tiefer und tiefer graben sich die Archäologen auf einer Freifläche an der Jüdenstraße in die Vergangenheit der Stadt. Derzeit sind dort deutliche Spuren ehemaliger Öfen aus dem Spätmittelalter bzw. der Neuzeit zu sehen. Punktuelle Grabungen in tiefere Erdschichten lassen auch Spuren älterer Öfen aus dem Hochmittelalter erkennen.

Zerbst. Ein erster Suchschnitt auf der Freifläche an der Jüdenstraße förderte Anfang Oktober den Fund einer Siedlungsgrube zutage. Mittlerweile sind die Archäologen seit über einem Monat auf dem Gelände tätig und dokumentieren mehr und mehr Spuren des metallarbeitenden Gewerbes aus längst vergangenen Jahrhunderten.

"Das muss eine runde überkuppelte Sache gewesen sein mit einem Kerndurchmesser von rund 1,5 Metern", erzählt Grabungsleiter Dr. Gösta Ditmar-Trauth und verweist auf den früheren Standort eines Ofen, dessen Spuren im Boden deutlich sichtbar sind. Verschiedene Erdtöne lassen den Standort des Ofens deutlich erkennen. Wiederum andere Rottöne an dessen linker und rechter Seite bilden die Versturzmasse. "Wir befinden uns hier auf einer Innenhoffläche in der mehrere Öfen standen." Neben runden Öfen zeichnet sich auch ein Ofen mit einer T-Form ab.

"Es gab ja verschiedene Ofenarten. Zum Beispiel Schmelzöfen oder Auskühlöfen. Letztere wurden zum Beispiel für die Herstellung von Keramik und Metall genutzt." Die hier gefundenen Öfen, deren Form und Größe lässt die Fachleute vermuten, dass hier Feinmetall verarbeitet wurde. "Dabei kann es sich um Schmuck, Kerzenleuchter, Schalen oder Gießgefäße gehandelt haben, mit deren Hilfe man sich früher die Hände gewaschen hat." Die Öfen seien zwar kein Beweis dafür, aber die Lage der Öfen, insbesondere in Verbindung des damals hier angesiedelten Judenviertels mit der Nähe zum Zerbster Markt lassen die Vermutung zu. "Es würde passen", so Gösta Ditmar-Trauth.

Zudem haben weitere Grabungen um einen alten Ofen herum gezeigt, dass unter denen des Spätmittelalters sich Spuren noch älterer Öfen finden. "Es war gängig, dass neue Öfen auf alten gebaut wurden. Über Generationen hinweg ist dies geschehen", erzählt der Grabungsleiter. Die älteren Spuren datiert er auf das 13. Jahrhundert. "Wir hoffen dadurch weitere Erkenntnisse aus dem Hochmittelalter zu erfassen", nennt Ditmar-Trauth ein Ziel der Grabungen. Ein weiteres ist es, Erkenntnisse zu finden, die auf das Zusammenwachsen von Nord- und Südstadt schließen lassen. Auch weitere Erkenntnisse zur Siedlungsgeschichte aus der Bronzezeit werden erhofft.

Ist die Dokumentation der derzeit sichtbar Erdschicht durch Fotografie und Zeichnungen abgeschlossen, wird mit dem Bagger die Schicht abgetragen. Damit folgt die Erschließung jener Schichten aus dem Hochmittelalter. Danach wiederum arbeiten sich die Archäologen zu jener Erdschicht vor, die Spuren der Bronzezeit bzw. frühen Eisenzeit enthält.