110 Gäste des 10. Zerbster Schlossabends wurden am Sonnabend auf beste Art "schwarzblond" unterhalten und hervorragend bewirtet.

Zerbst l Überraschung, die zehnte. Dirk Hermann und all seine Mitstreiter des Fördervereins Schloss Zerbst ließen auch 2013 gewohnt wenig durchsickern, wurden sie zu den Interpreten des 10. Zerbster Schlossabends gefragt. So wurde außer dem Namen - jenes ominöse "Schwarzblond" - vorab wenig darüber bekannt, was den amüsanten Abend dieses Mal prägen würde.

Stammgäste genießen diese Ungewissheit seit langem. Und dies sollte sich erneut lohnen. Das Berliner Duo Benny Hiller und Monella Caspar brillierte mit einer Mischung aus ihren bisherigen Programmen und Arrangements. Die beiden passen in kein Muster: Ihre Art der Unterhaltung kommt mal gefühlvoll, mal frivol, dann sanft, später laut, extravagant oder görenhaft daher, so dass man anfangs schon grübelte, was dieses Programm eigentlich als Ganzes ist. "Wir passen tatsächlich in keine Schublade", erzählt Monella Caspar gegen Ende. "Das ist unsere Art."

Sie steht für das "blond" im Namen, sie singt höchst variabel, und sie ist Verwandlungskünstlerin. Nach fast jedem Lied entschwindet sie ins dunkle Obergeschoss, um völlig neu gekleidet zurückzukehren. Kein Wunder, Monella entwirft und fertigt Mode. Jedes Kostüm, jeden Hut, alle Accessoires der Beiden hat sie kreiert.

All dies steht beiden prächtig. Sie harmonieren eindrucksvoll. Jeder Text, jede Note, jedes Gedicht stammt aus der Feder von Benny Hiller - dem "schwarzen" Element im Duo. Der Musiker ist stimmlich in vier Oktaven zuhause, singt mal sanft-gefühlvoll, mal fast rockig. Die Texte haben durchweg Tiefgang, auch wenn sie teils ganz leicht daherkommen. Monella besingt ihr Blumenherz, das welkt, wenn der Liebste fremdgeht. Wenig später ist sie in ihr Kreuzberg verliebt. Und wär sie Königin, so wär sie zuckersüß - und würde allen Menschen deshalb Zahnersatz verpassen, damit sie ihnen guttut. Dann reimt Benny wieder: Von einem skrupellosen Skunk, der dennoch Karriere machen kann. Oder einem Goldfasan, der furzt, dass es der Kuh nebenan die Milch einsäuert. Immer zum Schluss die Moral: Güldenes muss nicht goldig sein in diesem Fall.

Die beiden fanden vor zehn Jahren zusammen. Zuvor war Monella Caspar hauptsächlich in der Mode unterwegs, betrieb ein eigenes Atelier in Berlin, wo die Idee einer getanzten Modenschau entstand. Benny Hiller war bis vor zehn Jahren unter anderem am Theater des Westens in Berlin engagiert. "Schwarzblond" gastierte zu Beginn auf Kreuzfahrtschiffen, blieb dann jedoch an Land und tritt vornehmlich in Deutschland auf.

Die Lieder sind eingängig. Poetisch und gefühlvoll, dann wieder frech oder sexy. Es stört gar nicht, wenn aktuelle Themen wie eine Liebseserklärung an Kanzlerin "Angie" oder der Umgang mit der Finanzkrise im Gassenjargon einer Berliner Göre verpackt daherkommt.

Wie ernst ihnen die "leichte Kunst" und ihr Publikum sind, zeigt Monellas Ankündigung, dem Zerbster Schlossverein beizutreten. "Den Euro pro Monat hab\' ich gern. Ich war zwar schon in Puschkin, aber die Verbindung hierher war mir neu. Das Engagement der Zerbster hier am Schloss will ich gern unterstützen." "Schwarzblond" hat sich tadellos eingeführt, ein Wiedersehen wäre schön. Die Schlossabend-Gäste jedenfalls waren glücklich über den unterhaltsamen Auftritt.

Sie alle saßen im Übrigen auf nagelneuem Mobiliar. "Jedes Jahr etwas Neues", hatte Dirk Hermann zu Beginn auf das Gestühl aufmerksam gemacht. Und weil es der 10. Schlossabend war, lud er alle Gäste zu einem Feuerwerk in die Dunkelheit des Schlosshofes. Dem voraus war ein genussvolles Drei-Gänge-Menü aus der Küche von Tom Hebäcker gegangen. Keine Frage, auch der 10. Schlossabend hat nicht zuviel versprochen, obwohl er vorab so gar nichts von sich preisgab.